Astronaut im Weltraum

Bild: Photo by NASA on Unsplash, 5.8.2020

Vor ein paar Wochen wurde ein neues Kapitel in der US-Raumfahrtgeschichte geschrieben. Nach  einer Durststrecke von neun Jahren hoben Astronauten wieder von amerikanischem Boden aus in den Weltraum ab. Das Besondere an dem Weltraumabenteuer ist, dass die NASA erstmals ein privates Unternehmen für den Flug ins All beauftragte und damit der kommerziellen Raumfahrt den Weg ebnete. Das Privatunternehmen, welches die NASA unterstützte, war SpaceX, gegründet im Jahr 2002 von Elon Musk.

Der Weltraum – neues unternehmerisches Potenzial

Den Weltraum als neues unternehmerisches Feld zu verorten, ist eine Entwicklung, die Trend- und Zukunftsforscher schon einige Jahre beobachten. So versuchen weitere Big-Techs, wie Amazon mit dem „Blue Origin“-Projekt, aber auch etablierte Luftfahrt-Player wie Boing, im Weltraum neue Geschäftspotenziale zu generieren. Der Trend zur kommerziellen Raumfahrt befinde sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium und wird sicherlich noch einige Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte brauchen, um sich zu etablieren. Dennoch lassen sich schon heute einige Zukunftsprognosen zum Space-Travel-Trend formulieren, welche hohe unternehmerische Mehrwerte versprechen, aber auch Risiken bergen und damit Geschäftschancen für Versicherer mit sich bringen. Schon heute sichern Versicherungen Raumfahrtmissionen und den Betrieb von Satelliten ab. Neben dem etablierten Feld der Informations- und Kommunikationstechnologie – hier vor allem vertreten durch den Betrieb von Satelliten – eröffnen sich aus Sicht der Zukunftsforschung drei neue Wachstumsfelder: „Space Mining“, „Space Farming“ und „Space Tourism“.

Weltraum-Tourismus

Den Weltraum zu erforschen, war lange Zeit nur ausgebildeten Astronauen, die in staatlichen Institutionen dienen, möglich. Doch im Jahr 2001 schaffte es das US-amerikanische Unternehmen „Space Adventures“, den ersten Flug eines Weltraumtouristen zur ISS zu vermitteln. Dafür wurden 20 Millionen US-Dollar in Rechnung gestellt. Bis heute hat „Space Adventures“ acht Flüge an sieben Privatpersonen vermittelt.

Das Thema Weltraum-Tourismus spielt aber auch in den Businessplänen von Unternehmen wie SpaceX, Blue Origin und Virgin Galactic eine entscheidende Rolle. Die Unternehmen gehen davon aus, dass die Preise für Weltraum-Trips aufgrund der exponentiellen Entwicklungsgeschwindigkeit der dafür verwendeten Technologien in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sinken werden, sodass sich der potenzielle Markt über Milliardäre und Millionäre hinaus weiter öffnet.

Space Mining und Space Farming

Da die Demografen in der globalen Perspektive von einem weiteren Anstieg der Weltbevölkerung ausgehen, wird dieser auch die Nachfrage nach Nahrungsmitteln und anderen Ressourcen steigern. Der Platz für deren Produktion und Gewinnung ist auf der Erde aber begrenzt und der Klimawandel wirkt in diesem Zusammenhang als weiterer Negativfaktor. Um diese Kontroverse zu lösen, kommen Space-Mining und Space-Farming-Konzepte ins Spiel.

Vielfach wird schon von einem „Next Gold Rush“ im Weltraum gesprochen. Forschungsarbeiten des U.S. Geological Survey’s Astrogeology Science Center haben bestätigt, dass erdnahe Asteroiden sehr reichhalte Wasser- und Metallvorkommen enthalten.  Das Unternehmen „Blue Origin“ kündigte unlängst an, Wasser aus dem Mond extrahieren zu wollen.

Unter Space-Farming wird der Anbau von Lebensmitteln und anderen Rohstoffen im Weltraum verstanden. Die in diesem Zusammenhang vorgestellten Konzepte gehen dabei von einem Anbau innerhalb von Raumschiffen, auch auf der Oberfläche von anderen Planeten, aus. Auch in diesem Bereich gibt es erste Unternehmen, die zusammen mit Forschenden mehr über den Anbau von Pflanzen im Weltraum herausfinden wollen. Das Projekt „V3PO“ von BASF, das das Verhalten von Pflanzen unter Mikro-Schwerkraft untersucht, kann hier als Beispiel angeführt werden.

Konsequenzen und Potenziale für Versicherungsunternehmen

Trotz aller technologischen Sprünge und bahnbrechenden Forschungsergebnisse bleibt der Weltraum (noch) ein gefährliches Mysterium. Die verwendeten Technologien bestehen oft aus teuren Einzelstücken mit hoher Komplexität und Fehleranfälligkeit. Diese Risiken abzusichern, erscheint somit nur ein natürliches Bedürfnis zu sein, dass die Versicherungsbranche abdecken kann. Ganz einfach wird dies jedoch nicht: Dadurch, dass ein Flug in den Weltraum kein alltägliches Ereignis ist, gibt es auch nur eine geringe Anzahl an statistischen Daten, welche in die Risikomodelle der Versicherer einfließen können. Selbst wenn der Start auf der Erde geglückt ist und der Weltraum sicher erreicht wurde, muss man sich auf weitere Risiken einstellen (Strahlung und Weltraumschrott). Nimmt man allein die Gegenwartsperspektive ein, ist der Markt für Space-Travel (heute) noch sehr klein, das Risiko groß und entsprechend wenig Geschäftspotential für die Versicherungsbranche greifbar. Dennoch ist unter Zukunftsforschern die Zuversicht vorhanden, dass die bestehenden „Kinderkrankheiten“ in diesem Bereich zeitnahe gelöst werden können.

Setzt sich der Space-Travel-Trend beziehungsweise die Bewirtschaftung des Weltraums durch, werden sich die Risikostrukturen jedoch verändern und könnten neue Geschäftsfelder der Privat- oder auch Gewerbe- und Industrieversicherung eröffnen. Wie eine Betriebsunterbrechung auf der Space-Farm versichert werden kann oder ob die Reiserücktrittsversicherung auch dann leistet, wenn ich meinen Urlaub auf dem Mond nicht antreten kann, mag vielleicht heute noch verrückt klingen, kann aber morgen schon ganz normal sein. Warum also nicht einmal die Gedanken in diese unbekannten Weiten gleiten lassen?

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Mathias Bock
Mathias Bock ist Projektreferent im Kompetenzteam Antrag, Vertrag & Schadenmanagement. Er verantwortet in seiner Position u. a. die fachliche Leitung der Fachkonferenzen „Versicherungsbetrug“ und „Cyber-Versicherungen“ sowie die User Group „Schadenmanagement“.