Die Schadensparte ist prädestiniert für den Einsatz moderner Technologie: Die Automatisierung von Prozessen, der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Offenlegung dubioser Fälle oder die intelligente Bilderkennung zur Schadenregulierung – das alles ist bereits Realität in den Schadenabteilung einiger Versicherer. Dabei verfolgen sie ein Ziel, die Reduzierung von Kosten. Im Interview wollen wir ein Start-up vorstellen, das mit seiner Lösung an dieses Ziel anknüpft und die Schadenbegutachtung revolutionieren will. Twinner ist ein junges Unternehmen aus Halle und hat einen Scanner entwickelt, der es ermöglicht, in kürzester Zeit einen digitalen Zwilling von einem Fahrzeug zu erstellen. Beim Claims Rockstar Award am 29. September im Rahmen des Messekongresses „Schadenmanagement und Assistance“, stellt der Newcomer aus Sachsen-Anhalt seine Lösung vor einer Fachjury vor. Im Interview mit Markus Hoffmann, Head of Product Management bei Twinner, lernen wir das Unternehmen bereits jetzt kennen.

Twinner

Markus Hoffmann, Head of Product Management bei Twinner

Wie ist die Idee zu Twinner entstanden?

Bereits seit 2009 wurden bei der APi GmbH in Leipzig Digitalisierungsprodukte für Fahrzeuge entwickelt. Hierbei lag der Fokus auf einzelnen Fahrzeugkomponenten wie Fahrwerk oder Reifen. Daraus entstand die Idee, ein Produkt zu entwickeln, das eine vollständige, digitale Abbildung des Fahrzeugs ermöglicht.

Die Realisierung der Idee wurde dann in der Twinner GmbH, einem Spin-off der APi GmbH, in die Tat umgesetzt.

Wer steckt alles hinter Twinner?

Twinner ist ein junges und internationales Team. Etwa 160 Experten aus mehr als zehn Ländern bringen ihre Expertise in unterschiedlichsten Fachbereichen ein: Vom Automotive-Profi (Petrolhead) über den Software- und Hardwareingenieur bis hin zum Finanzexperten sind wir sehr gut aufgestellt.

Aktuell werden die Scanner von Twinner, auch Twinner Spaces genannt, von Gebrauchtwagenhändlern eingesetzt, um Mängel am Fahrzeug zu identifizieren und einen realistischen Verkaufswert zu ermitteln.

Wie viele Twinner Spaces sind bereits im Einsatz?

Twinner ist längst nicht mehr nur bei den großen Gebrauchtwagenhändlern im Einsatz. Sie waren unsere ersten Kunden und sind auch weiterhin eine sehr wichtige Zielgruppe. Hinzugekommen sind nun aber industrielle Großkunden, wie Automobillogistiker und die Automobilhersteller selbst. Auch Gutachter nutzen Twinner.

Nur etwa eineinhalb Jahre nach der Markteinführung sind fast 20 Twinner Spaces in Europa und China im Einsatz.

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 Claims Rockstar Award is sponsored by 3C Deutschland GmbH und arvarto Bertelsmann.

Wie funktioniert ein Twinner Space?

Sehr einfach und schnell: Sie bewegen das Kfz in den Twinner Space, betätigen die Start-Taste und nach etwa zwei bis sieben Minuten, je nach Workflow, erhalten Sie einen einzigartigen, digitalen Zwilling des Fahrzeuges. Diesen nennen wir „Digital Twinn“ und er ermöglicht es, das Fahrzeug am Bildschirm aus diversen Winkeln und Zoomstufen, 360 Grad, anzusehen. Auch der Innenraum und selbst der Unterboden des Fahrzeuges können betrachtet werden. Erkannte Schäden, Besonderheiten oder Zusatzinformationen sind direkt auf dem Digital Twinn markiert. Eine weitere spezielle Ansicht zeigt sogar Farbunterschiede im Lack. So sieht man beim „Digital Twinn“ mehr, als es mit bloßem Auge am physischen Fahrzeug möglich wäre.

Wie könnte dieser bei Versicherern zum Einsatz kommen?

Nach einem Bagatellschaden bei einem Verkehrsunfall würde normalerweise ein Gutachter zum beschädigten Fahrzeug fahren. Er würde es üblicherweise vor Ort ansehen, fotografieren und für die Schadenabwicklung einen Bericht verfassen. Mit der Digitalisierung des Fahrzeuges im Twinner Space, könnte sich der Gutachter den Weg – und somit die Versicherung diese Kosten – sparen. Der Gutachter könnte den Schaden komfortabel und transparent anhand des „Digital Twinn“ am Bildschirm einschätzen. Auch das versichern von Fahrzeugen mit Vorschäden ist ein nicht zu unterschätzender Kostenpunkt für Versicherungen. Diese könnten mit dem Einsatz von Twinner stark reduziert werden. 

Gibt es da schon konkrete Anwendungsfälle?

Bisher ist Twinner bei Versicherungen noch nicht im Einsatz. Allerdings haben wir im vergangenen Jahr den Diamond Award der Digital Insurance Agenda gewonnen und damit bewiesen, dass unsere Lösung auf großes Interesse in der Versicherungsbranche stößt.

Warum habt ihr das Zeug zum Claims Rockstar 2020?

Digitalisierung war schon weit vor der Corona-Krise ein Thema mit steigender Relevanz und im Fokus der Automobilbranche angekommen. Gerade im Automobilhandel setzt sich die Digitalisierung nun jedoch mit jedem Tag stärker durch und die Vorteile von Twinner werden spürbar. Diese Vorteile sind natürlich auch für die Versicherungswelt attraktiv.

Der digitale Zwilling entkoppelt ein tonnenschweres Fahrzeug von Raum und Zeit. Twinner löst das Fahrzeug in seine Datenbestandteile auf und lässt es quasi „schwerelos“ werden. Trotzdem sind die Informationstiefe und -qualität so perfekt, dass der „Digital Twinn“ auch zur Begutachtung und Bewertung dienen kann. Twinner bietet den „Missing Link“ zur modernen digitalen Schadenbegutachtung und hat somit das Zeug zum Claims Rockstar 2020.

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Bärbel Büttner
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.