„…Und das ist schon eine verrückte Veränderung in unserer Branche, dass Kunst plötzlich Kommerz ist und dass Kommerz plötzlich Kunst sein muss, damit das überhaupt wahrgenommen wird.“

Menschen sind sehr empfänglich für visuelle Reize. Diese Tatsache setzt sich auch in den sozialen Medien durch, wo beispielsweise Facebook und Instagram auf Bilder, Videos und Story-Formate setzen und neue Kanäle wie TikTok an Relevanz gewinnen. Über Videos und Bilder lassen sich in kurzer Zeit viele Informationen und auch Emotionen vermitteln. Das passt in die heutige Zeit, wo Inhalte viel und schnell konsumiert werden. Wer im Content Marketing erfolgreich sein möchte, sollte diesen Fakt berücksichtigen und schauen, wie die eigenen Inhalte hier zielgruppengerecht verpackt werden können. Wir haben einen gefragt, der es wissen muss. Florian Arndt, Regie & Geschäftsführung bei den Sons of Motion, produziert seit seiner Kindheit begeistert Filme und tut dies bis heute sehr erfolgreich. Im Interview verrät er uns, wie zeitgemäßer Video-Content aussieht.

Das Transkript des Interviews finden Sie unterhalb des Videos.

Funktioniert Video-Content auch bei einem Finanzthema wie Versicherung?

Gerade in der Finanzdienstleistung wird noch häufig auf das Erklärvideo gesetzt. Klassiker wie „Das ist Paul und Paul hat Geldprobleme und Paul braucht jetzt das, damit er keine Geldprobleme hat oder eine Versicherung“. Erklärvideos hatten 2014 ihren Zenit und werden leider heute noch viel produziert. Es gilt aber vor allem, kreativ hervorzustechen. Und ich finde das ist mit Finanzthemen ziemlich einfach, denn man kann hier sehr schnell der Einäugige unter den Blinden sein, wenn man gerade bei den relativ schweren Finanz- oder Versicherungsthemen etwas Kreatives, was Auffälliges macht, was mit Storytelling, was ein bisschen witzig ist.

Hast du da gerade ein gutes Praxisbeispiel, das dir einfällt?

Also ich weiß, dass die HUK Coburg zum Beispiel einen sehr konkreten, sehr witzigen, coolen Recruiting Spot gemacht hat, der nicht das typische Versicherungsdasein inszeniert, sondern tatsächlich auch persifliert und das auf eine tolle Art und Weise, die definitiv auch eine jüngere Zielgruppe anspricht. Ich glaube, das kann man auch sehr gut auf Erklärfilme übertragen. Hauptsache nicht langweilig, das wäre mein Slogan des heutigen Tages.

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Was muss ich beachten, wenn ich meine unterschiedlichen Kanäle mit Video-Content bespiele?

Das Videoformat ist inzwischen ein großes Thema, weil es sehr viele, vor allem große Kanäle gibt. Es ist nicht mehr wie früher, wo man einen TV-Spot nur im TV ausgestrahlt hat. Heute konsumieren beispielsweise 80 Prozent der Leute auf Facebook ohne Ton. Das heißt, es werden selbst deutsche Filme deutsch untertitelt. Man hat auf Instagram ein Seitenverhältnis von eins zu eins oder drei zu vier und je nach Kanal muss man das beachten. Das setzt bereits bei der Konzeption an. Ist der Film jetzt für die Leinwand, für das Kino beispielsweise – Recruiting Spots funktionieren hier äußerst gut – dann hat man die Leinwand, die sehr breit ist. Dadurch muss man schon beim Dreh darauf achten, dass man alles in der Mitte hält, damit man daraus sowohl eins zu eins machen kann als auch Widescreen für das Kino-Seitenverhältnis. Das freut nicht die Kameramänner, aber es ist sinnvoll, wenn man das im Vorfeld plant und berücksichtigt. Das ist schon eine kleine Wissenschaft für sich und da gibt es auch automatisierte Programme, was auch ein ganz spannendes Thema für Cutter ist, um den Film am Ende in diversen Formen auszuspielen. Und das gilt auch für den Ton. Der Ton ist im Kino anders gemischt als bei Social Media. Bei Social Media darf es ruhig laut sein und bellen, während im Kino eher Ruhe angesagt ist. Da gibt es auch Standard-Richtlinien, an die man sich halten kann.

Was ist das nächste coole Ding in der Filmproduktion, das man im Auge behalten sollte?

Aus meiner Sicht hat Edeka unsere Branche absolut verändert und revolutioniert, indem plötzlich Weihnachtsfilme ernsthaft Werbefilme sind. Also im Prinzip eine schöne Geschichte mit dem Hinweis “Sponsored by” oder “Edeka wünscht dir frohe Weihnacht”. Und das ist schon eine verrückte Veränderung in unserer Branche, dass Kunst plötzlich Kommerz ist und dass Kommerz plötzlich Kunst sein muss, damit das überhaupt wahrgenommen wird. Gerade von der jüngeren Zielgruppe und vor allen Dingen auf Social Media und auch auf Facebook, wo ja fast alle Altersgruppen inzwischen vertreten sind. Und das ist eine ganz tolle Entwicklung, sage ich als Regisseur, weil es natürlich fantastisch ist, dass man plötzlich kreativ, witzig und cool sein darf oder emotional oder episch. Das sind die drei Sachen, die man aus meiner Sicht machen kann in einem Film. Die kann man auch nicht mixen, aber es ist schön, dass man Brand Content und Content Marketing gerade im Film enorm dankbar einsetzen darf und eben nicht diesen lapidaren Werbespot aus den 90-ern oder noch schlimmer die Imagefilme, wo der Geschäftsführer oder der Abteilungsleiter drei trockene Sätze sagt. Wir erinnern uns sicher auch alle an Recruiting-Videos, wo der Auszubildende Sachen vorliest und man ganz genau weiß, das würde der so nie sagen. Die Filme sind aus meiner Sicht alle tot und das ist auch gut so.

Dankeschön.

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Bärbel Büttner
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.