Kununu ist ein seltsam anmutendes Wort. Fast schon kindlich. Vielleicht ist das der Grund, warum die gleichnamige Plattform bei vielen Arbeitgebern bisher wenig Beachtung fand, gemessen an der Tatsache, dass nur circa jede 100. Firma die Kommentarfunktion der Website nutzt.

Dass sich dieser Umstand schleunigst ändern sollte und in zahlreichen Unternehmen auch bereits geändert hat, ist mit den beeindruckenden Zahlen Kununus einfach begründet: 3,8 Millionen Bewertungen zu über 924.000 Unternehmen aus der DACH-Region. Über 2,7 Millionen einzelne Besucher pro Monat, Tendenz stark steigend.

Doch was genau steckt hinter Kununu?

Das Wort entstammt dem ostafrikanischen Suaheli und bedeutet „unbeschriebenes Blatt“, wie im Infocenter der Seite angemerkt wird. Ein treffender Name, denn viel mehr stellt die Plattform erst einmal auch nicht dar: Sie gibt Arbeitnehmern die Möglichkeit, ohne große Einschränkungen, anonym und sicher Bewertungen zu den Unternehmen abzugeben, bei denen sie beschäftigt sind, beschäftigt waren oder zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurden. Sie selbst vergleichen sich mit Hotelbewertungsplattformen, nur eben für die Jobsuche. Was hier so einfach klingt, bedeutet in der Praxis eine regelrechte Revolution. Auch und vor allem weil das Blatt mittlerweile nicht mehr so unbeschrieben ist.

Eine stille Revolution der Jobsuche

Bisher hatte sich der gemeine Arbeitssuchende bei der Meinungsbildung zu potenziellen Arbeitgebern auf die immer gleichen Werbespots und Websites verlassen müssen, in denen die Unternehmen sich zumeist selbst beweihräucherten. Unter den vielen „Besten der Branche“ mit der „angenehmsten Arbeitsatmosphäre“ und den „spannendsten Aufgaben“ jene zu finden, die diese Versprechen tatsächlich zu erfüllen versuchten, war ohne Mundpropaganda ein Ding der Unmöglichkeit. Dass man in einigen Fällen schlichtweg hinters Licht geführt wurde, ist oft erst dann klar geworden, als die Tinte auf dem Arbeitsvertrag schon längst getrocknet war.

Kununu ist ein simples Werkzeug, welches sich anschickt, diesen jahrzehntealten Status quo ins Wanken zu bringen. Ohne, dass die Unternehmen nennenswerten, aktiven Einfluss darauf nehmen können, gewähren aktuelle und ehemalige Angestellte einen Blick hinter die Firmenfassaden. Nach diversen Kriterien geordnet und mit der Möglichkeit, sich kurz oder ausschweifend dazu zu äußern, wird mit einem den Amazon-Bewertungen entlehnten 5-Sterne-System ein realitätsnahes Bild gezeichnet. Ohne inhaltsleere Slogans. Ohne ausdrucklos in die Kamera lächelnde Models. Kununu macht authentische Erfahrungsberichte für jeden zugänglich und nimmt den Firmen somit das Steuer beim Employer Branding ein Stück weit aus der Hand.

Nicht nur das: Leere Versprechungen oder Missstände in der Firma können nun nicht mehr so leicht durch eine gute Werbekampagne vertuscht werden. Im Gegenteil, wer auf Kritik nicht eingeht oder diese gar leugnet, riskiert eine ernsthafte Schädigung seiner Reputation.

 

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Kritische Stimmen

Nun gibt es einige, die die Aussagekraft Kununus anzweifeln, oftmals mit dem Argument die Seite würde primär als Möglichkeit des „Luftablassens“ für frisch Entlassene genutzt. Dem können die zahlreichen sehr positiven Firmenprofile entgegengestellt werden. Kununu setzt außerdem auf Selbstregulation: Ein deutlich zu negativ oder zu positiv bewertetes Arbeitgeberprofil veranlasst Betroffene mit gegensätzlicher Meinung, diese kundzutun. So entsteht am Ende wieder ein Meinungsdurchschnitt, der den tatsächlichen Gegebenheiten nahekommt.

Zudem, so die Kritiker, könnte durch die Anonymität die Tür für böswillige Konkurrenten geöffnet werden, die mit falschen Bewertungen systematischen Rufmord begehen. Hiergegen sichert die Plattform jedoch ab: Zum einen werden potenziell gefälschte Bewertungen durch einen ständig lernenden Algorithmus identifiziert und daraufhin nochmals manuell geprüft. Des Weiteren können Firmen Einspruch gegen einzelne Bewertungen einlegen. Der Eintrag wird vorübergehend gesperrt und der Verfasser wird daraufhin kontaktiert. Ist er in der Lage, seine Tätigkeit im Unternehmen nachzuweisen, wird seine Bewertung wieder aktiviert.

Wie Kununu die Arbeitswelt verändert

Generell ermutigt Kununu Arbeitgeber, insbesondere auf negatives Feedback auf der Seite zu reagieren. Dies sollte jedoch nicht durch Streithähne erfolgen, in der Regel heißblütige Firmenchefs, die ihr Baby verteidigen wollen. Noch sollte mit Floskeln und Standardantworten à la „Liebe/r Angestellte/r, vielen Dank für Ihr Feedback“ hantiert werden. Wichtig ist eine angemessene, ruhige und vor allem persönlich adressierte Stellungnahme. Insbesondere hier ist noch viel Luft nach oben.

Nichtsdestotrotz trägt die Plattform zu einer deutlich intensiveren Auseinandersetzung der Firmen mit Kritik bei. Sie zwingt zu besserer Kommunikation und ermutigt eine Diskussionskultur. Das Hauptargument zugunsten Kununus ist jedoch die Transparenz. Mit jeder weiteren Bewertung und mit steigender Bekanntheit schwinden die Möglichkeiten der Firmen, über eine aufgehübschte Außendarstellung talentierte Arbeitnehmer zu akquirieren. Stattdessen müssen die Noten auf Portalen wie Kununu stimmen.

Wie man das am besten erreicht? Durch tatsächliches Bekämpfen von Missständen. Durch ehrliche Kommunikation über alle Ebenen hinweg, auch in der Öffentlichkeit. Durch Kritikfähigkeit und die Bereitschaft, aus negativem Feedback zu lernen. Kurz gesagt: Gute Bewertungen kommen von zufriedenen Mitarbeitern.

Wer sich im Zeitalter des „War for Talents“ dieser Entwicklung verschließt, wird eher früher als später die Auswirkungen zu spüren bekommen. Deswegen sollte man Kununus revolutionäres Potenzial nicht verkennen. Hier entwickelt sich ein gegenwärtig ernstzunehmender, zukünftig womöglich entscheidender Faktor im Rekrutierungsprozess.

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Eric Rudel
Eric Rudewar von 2018 bis 2020 als Werksstudent bei den Versicherungsforen Leipzig tätig. Neben dem International Management Studium unterstützte er hauptsächlich das Team Vertrieb & Service. Neben dem Alltagsgeschäft wie Recherchen zählten unter anderem das Erstellen und Präsentieren von Fachvorträgen, sowie das Verfassen von Fachartikeln oder Blogbeiträgen zu seinem Aufgabenbereich.