Das Problem der langwierigen Suche nach freien Parkplätzen in Großstädten kennt wohl fast jeder. Durchschnittlich 41 Stunden pro Jahr verbringen Autofahrer in den deutschen Städten mit der Suche nach einem Parkplatz. Dies hat eine Studie des Unternehmens INRIX ergeben, für die in Deutschland mehr als 5.000 Autofahrer aus 10 Städten befragt wurden.[1] Vor allem in Frankfurt am Main dauert die Suche nach einem Parkplatz mit 65 Stunden pro Jahr am längsten, gefolgt von den Städten Essen, Berlin und Düsseldorf. Dabei ist die Suche nach einem freien Parkplatz sowohl für die Autofahrer, da Zeit verloren geht und unnötig mehr Benzin verbraucht wird, als auch für die Umwelt, die durch eine zusätzliche Abgasbelastung beansprucht wird, von Nachteil.

Parkplatz-Apps und Smart Parking

Um das Problem zu lösen, wurden bereits Parkplatz-Apps auf den Markt gebracht, die den Autofahrer bei der Suche nach einem Parkplatz unterstützen. Ein Beispiel ist die mobile App „parkpocket“[2], welche bereits im April 2013 entwickelt wurde und sich auf freie Parkplätze in Parkhäusern spezialisiert hat. Die App bietet verschiedene Funktionen an, dazu zählen u.a. die Live-Information über aktuell freie Stellflächen, der Preiskalkulator um die Parkgebühren zu vergleichen sowie die Wegberechnung von der aktuellen Position zu dem ausgewählten Parkhaus.

Ein neuer Ansatz zur Lösung des Problems der Parkplatzsuche kann über Smart Parking realisiert werden. Dabei werden die Parkplätze mit Sensoren ausgestattet, sodass freie Parkplätze in einer App angezeigt werden können. Ob ein Parkplatz frei ist melden die Sensoren über ein Schmalband-Mobilfunknetz, alternativ können auch andere Datenquellen genutzt werden wie z.B. Informationen aus den Parkscheinautomaten oder von den Parkraumbetreibern. Als Beispiel dient die App „Park&Joy“[3] der T-Systems International GmbH, welche dabei hilft, freie Parkplätze im öffentlichen Raum und auf privaten Flächen zu finden. Dafür erfassen Sensoren auf den Parkflächen, ob ein Parkplatz frei oder belegt ist und senden die Daten über das Mobilfunknetz in die hochsichere Cloud der Deutschen Telekom.[4] Die App „Park&Joy“ ist bisher nur in Hamburg nutzbar, zukünftig sollen aber auch weitere Städte von dem digitalen Parkservice profitieren.

Ein weiterer Anbieter von Smart-Parking-Systemen ist die Cleverciti Systems GmbH[5], in welche die EnBW New Ventures GmbH im Januar 2018 insgesamt 10 Millionen Euro investiert hat. Die Sensoren des Unternehmens Cleverciti Systems GmbH ermitteln verfügbare und belegte Parkplätze in Echtzeit und können an Fassaden, an der Straßenbeleuchtung oder an Masten montiert werden. Dabei deckt ein Sensor bis zu 100 Plätze ab.

Potenzial von Smart Parking für die Versicherungsbranche

Doch wie kann die Versicherungsbranche von den Ansätzen aus dem Bereich Smart Parking profitieren? Die Barmenia Versicherungen hat im März 2018 eine Absichtserklärung mit der Deutschen Telekom unterzeichnet, um die digitale Plattform der App „Park&Joy“ nutzen zu können.[6] Dabei ist geplant, gezielt Angebote rund um das Parken anzubieten, indem bei Störungen des Parkprozesses, wie z.B. Schäden durch Parkrempler oder Diebstahl aus dem Fahrzeug, Hilfe geleistet werden kann.

Die Versicherer können die Smart-Parking-Ansätze auch in eine eigene App integrieren, um dadurch dem Kunden einen zusätzlichen Service anbieten zu können. Ein Beispiel ist die AXA Versicherung, die gemeinsam mit dem Kölner Startup evopark als Kooperationspartner, sowohl für die eigenen Kunden als auch reinen Interessenten bereits das Parksystem „cleverPARKEN“[7] anbietet. Mit der App wird die Parkplatzsuche erleichtert, denn neben der Suche nach freien Stellplätzen in den teilnehmenden Parkhäusern, navigiert diese den Autofahrer direkt zum Parkhaus und informiert über Öffnungszeiten und Preise der Parkhäuser.

Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Versicherer zukünftig aktiv werden und Ansätze zur Nutzung von Smart Parking in das eigene Leistungsportfolio integrieren. Dass bereits ein großes Interesse an dem Thema Smart Parking besteht, wird u.a. dadurch belegt, dass im März 2017 auf der CeBIT in Hannover in dem Bereich „Connected Mobility“ die digitale Smart-Parking-Lösung der T-Systems International GmbH bereits vorgestellt wurde.

Quellen:

[1] vgl. http://inrix.com/press-releases/parking-pain-de/
[2] https://parkpocket.com/
[3] https://www.parkandjoy.de/
[4] vgl. https://www.parkandjoy.de/haeufige-fragen
[5] https://www.cleverciti.com/de/
[6] vgl. http://www.barmenia.de/de/barmenia/pressestelle/uebersicht.xhtml#/pressreleases/zusammenarbeit-fuer-das-beste-parkerlebnis-barmenia-und-deutsche-telekom-unterzeichnen-absichtserklaerung-2447481
[7] https://www.axa.de/cleverparken

 

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Vanessa Schupp
Von 2013 bis 2016 absolvierte Vanessa Schupp ein duales Studium zum Bachelor of Arts in der Fachrichtung BWL-Versicherung an der DHBW Karlsruhe. Seit 2016 bis voraussichtlich Herbst 2018 macht sie ihr Masterstudium der Betriebswirtschaft an der HTWK Leipzig. Seit November 2017 ist sie Werkstudentin bei den Versicherungsforen Leipzig im Kompetenzteam „Antrag, Vertrag & Schadenmanagement.