Wer in der Nacht den US-Wahlkampf verfolgt oder heute früh die Medien nach dem aktuellen Stand der US-Präsidentschaftswahl geprüft hat, musste mit Erstaunen feststellen, dass der 45. Präsident Donald Trump und nicht Hillary Clinton heißen wird. Die New York Times bezifferte Clintons Siegchancen am Morgen des Wahltages noch auf 85 Prozent. Wie schon beim Brexit, den viele Experten für unmöglichen hielten, lagen die Prognosen auch hier falsch. Seit Monaten beschäftigen sich die Medien mit der Frage, was ein Sieg Donald Trumps für die USA und vor allem den Rest der Welt bedeutet. Nichts Gutes, wenn man die Experten der Medienstimmen fragt. Ein klares Szenario lässt sich jedoch nicht abzeichnen, da Trump zwar politische Ziele verfolgt, es jedoch an konkreten Programmen fehlt.

Presidential Election USA 11-08-16  Ticket

Erste Reaktionen auf den Sieg

Auf der einen Seite Jubel, auf der anderen Seite Schockstarre. Ein Land scheint gespalten und die Welt versteht sich selbst nicht mehr. Wie Medien berichteten, brach die Webseite der kanadischen Einwanderungsbehörde zusammen, denn nicht jeder kann sich vorstellen in einem Trump-geführten Amerika zu leben. Auch die Wirtschaft muss sich nun ordnen und überlegen, wie sie auf den Sieg regiert. Apple hatte bereits im April dieses Jahres angekündigt die USA zu verlassen, sofern Trump Präsident wird, da das globale Geschäft sich nicht mit dessen Wahlprogramm vereinbaren lässt. Das Handelsblatt spricht vom „Brexit 2.0 an den Finanzmärkten“. Diese waren auf einen Sieg Clintons eingestellt und reagieren mit fallenden Börsenbarometern.

Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz schrieb auf Twitter „Die Welt wird nicht untergehen, sie wird nur noch verrückter.“

Auch aus der Versicherungsbranche gibt es erste Reaktionen: Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz SE, kommentiert den Sieg wie folgt: „Wir werden ein längere Phase der Unsicherheit erleben, bis sich das Regierungsprogramm Trumps kristallisiert. Ich rechne mit einer eher expansiven, stimulierenden Fiskalpolitik, aber auch mit der Neigung zu einer protektionistischen Handelspolitik mit weitreichend negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Der Präsident wird wohl TTIP einstellen. Doch steht zu hoffen, dass irgendwann ein neuer Anlauf zur stärkeren Marktintegration zwischen der EU und den USA erfolgt.“

 

Was bedeutet Donald Trump für die Versicherungswelt

Trump kündigte an, gleich in den ersten 100 Tagen auf einen radikalen Kurswechsel zu setzen. Er möchte insbesondere all das, was unter der Obama Regierung in den letzten acht Jahren auf den Weg gebracht wurde rückgängig machen. „Obamacare“ steht folglich auf der Kippe, da Trump eigene Ideen in Sachen Krankenversicherung verfolgt: Trump möchte einen Deal mit den Krankenhäusern aushandeln, um einen Service für die ärmsten 25 Prozent der Bevölkerung anzubieten, der von der Regierung finanziert werden soll. Die übrigen 75 Prozent der Amerikaner sollen direkt mit Versicherungen um niedrigpreisige Policen verhandeln und so selber entscheiden, wie sich die medizinische Versorgung gestaltet.

Mit dem Sieg Trumps herrscht erst einmal Unsicherheit in Politik und Wirtschaft. Unter dem Motto „Make America Strong Again“ hat er angekündigt, die Einwanderungsgesetze zu verschärfen und die einheimische Wirtschaft wieder stärken zu wollen. Erreichen möchte er dies u. a. durch umfangreiche Steuersenkungen. Die steuerliche Belastung für Unternehmen will Trump beispielsweise von 35 Prozent auf 15 Prozent verringern. Weitere Steuerermäßigungen stellt er Firmen in Aussicht, die profitable Aktivitäten aus dem Ausland nach Amerika zurückholen. Zudem plant er Zölle auf im Ausland hergestellte Produkte anzuheben, um den einheimischen Markt vor der Konkurrenz aus dem Ausland zu schützen. Das angestrebte transatlantische Freihandelsabkommen TTIP lehnt Trump prinzipiell ab, da ein freierer Zugang der Europäer zum US-Markt seiner Meinung nach den amerikanischen Firmen schadet. Weitere Freihandelsabkommen wie Nafta oder TPP sollen neu verhandelt werden. In Fragen Klimapolitik setzt Trump auf fossile Brennstoffe und möchte Klimaverträge neu verhandeln.

Die angekündigten Maßnahmen zur Wettbewerbsbeschränkung könnten im schlechtesten Fall exportstarke Nationen wie Deutschland und China in eine Rezession stürzen. Für Europa könnte es bedeuten, sich mehr auf den eigenen Wirtschaftsraum zu besinnen.

Der Internetseite boerse-online.de zufolge, könnte die Finanzindustrie von einem Präsidenten Trump profitieren, da dieser viele Regelungen aus der Zeit der Finanzkrise aufweichen möchte. Auch die geplanten Steuersenkungen könnten sich mittelfristig positiv auf die Nachfrage am Finanzmarkt auswirken. Eine mögliche Leitzinserhöhung durch die Federal Reserve (Fed) im Dezember scheint nun unrealistisch, da mit Trump als neuen Präsidenten eine politische und wirtschaftliche Unsicherheit entsteht, die sich auf den geldpolitischen Kurs der FED auswirken wird.

Zum Schluss meines Beitrages möchte ich noch auf einen interessanten Bericht der VWheute vom 30.03.2016 eingehen. In dem Beitrag wurde über eine von A.M. Best durchgeführte Umfrage berichtet die ergab, dass ein Teil des amerikanische Versicherungsmarktes durchaus mit einem Präsidenten Trump leben könnte: 26,5 Prozent der US-Schaden- und Unfallversicherer sowie 26,7 Prozent der Lebens-und Krankenversicherer haben sich in der Umfrage für Trump ausgesprochen.


 

 

 

Bärbel Büttner
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.