2016 ist das Jahr der sportlichen Wettkämpfe. Nachdem mit der Fußball-EM das erste sportliche Highlight schon vorbei ist, steht nun das nächste in den Startlöchern: die Olympischen Sommerspiele in Brasilien. Die Spiele beginnen heute Abend und werden bis zum 21. August in Rio de Janeiro stattfinden. 10.900 Athleten aus 206 Ländern werden erwartet. Das Wettkampfprogramm wurde dieses Jahr um Rugby und Golf erweitert, sodass die Sportler nun in insgesamt 28 Disziplinen um eine der begehrten Medaillen kämpfen. Die Olympischen Spiele gelten als größte Veranstaltung der Welt. Natürlich ergeben sich daraus auch für die Versicherungswirtschaft eine Reihe interessanter Aspekte, die wir pünktlich zum Start beleuchten wollen.

 

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Im Olympia-Fieber?

Eine besonders große Herausforderung bei der Organisation der diesjährigen Sommerspiele war der Ausbruch des Zika-Virus in Mittel- und Südamerika. Anfang dieses Jahres lag die Zahl der infizierten Menschen allein in Brasilien bei 1,5 Millionen. Die Übertragung erfolgt durch den Stich infizierter Mücken. Mittlerweile sind jedoch auch Fälle bekannt, in denen die Übertragung durch ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgte. Im Falle einer Schwangerschaft überträgt sich das Virus auf das ungeborene Kind und steht im Verdacht, eine Mikrozephalie bei den Babys auszulösen. Gegen die Zika-Infektion gibt es weder einen Impfstoff noch ein Medikament. Das International Olympic Committee (IOC) gab zwar kürzlich bekannt, dass der Ausbruch des Virus in Rio de Janeiro unter Kontrolle sei, dennoch haben sich zahlreiche Sportler bereits gegen eine Teilnahme entschieden – aus Angst vor den gesundheitlichen Folgen, die eine mögliche Infektion für ihre Familie mit sich bringen könnte. Auch für Versicherer gewinnt das Thema Zika an Bedeutung. Eine Absage aufgrund des Virus könnte zu Versicherungsansprüchen in Höhe von über 1 Mrd. US$ führen. Ein Großteil der Schadenabdeckung wird von großen Rückversicherern wie der Munich Re, Swiss Re und Hannover Re gestemmt.[1]

Das Zika-Virus ist ein schwer zu kalkulierendes Risiko. Dessen Berücksichtigung in den Versicherungspolicen stellt für Versicherer eine nahezu unüberwindbare Herausforderung dar. Das IOC profitiert jedoch davon, dass die entsprechenden Versicherungsverträge bereits vor mehreren Jahren unterzeichnet wurden. Im Falle von Masseninfektionen, die die Austragung der Olympischen Spiele nicht mehr verantwortbar machen, ist es somit vor den Folgen der ausbleibenden Olympischen Spiele geschützt. Bei aktuellen Policen sieht dies allerdings anders aus. Bereits im März dieses Jahres wurde bekannt, dass Versicherer nun explizit Ausfälle der Olympischen Spiele bzw. einzelner Wettkämpfe in Folge von Zika-Infektionen aus ihren Policen ausschließen. Wer bis dahin noch keine Versicherung abgeschlossen hat, muss sich damit zufrieden geben, keinen Versicherungsschutz zu genießen, falls die Veranstaltung aufgrund von Zika-Infektionen nicht stattfinden kann. Davon betroffen sind unter anderem Sponsoren, Hotels und Inhaber diverser Veranstaltungsorte – und das nicht nur im Rahmen der Olympischen Spiele. Auch bei anderen in Brasilien stattfindenden Events wie Konzerten, Messen, Ausstellungen und Konferenzen weigern sich Versicherer einen „Zika-Schutz“ anzubieten. Theoretisch wäre eine Police möglich, jedoch wären die Beiträge dafür extrem hoch und somit für die meisten unbezahlbar. Das IOC gab bekannt, bereits vor fünf Jahren Versicherungsschutz im Wert von ca. 800 Mio. US$ für eine Prämie von 13 Mio. US$ gekauft zu haben.

 

The Show must go on…

Aber nicht nur Zika sorgt bei Veranstaltern und Versicherern für Sorgenfalten. Auch einen ganz anderen Aspekt gab es zu bedenken: die Senderechte. Die weltweit größte Veranstaltung lockt nicht nur viele Menschen nach Rio de Janeiro, sondern auch vor den Fernseher. Eine große Sorge des IOC sind daher schwarze Bildschirme. Aus diesem Grund ließ das IOC die Senderechte der Olympischen Spiele gemeinschaftlich von der Munich Re und der Swiss Re mit einer Schadensumme von 2 Mrd. US$ absichern. Die Police, die auch schon in Sotchi und London Anwendung fand, schützt das IOC, falls die Spiele in Folge von Naturkatastrophen, terroristischen Attacken, Pandemien oder Demonstrationen bzw. sozialen Unruhen ausfallen oder unterbrochen werden müssen. Schätzungsweise insgesamt 5 Milliarden Menschen werden die mehr als 5600 Stunden Live-Übertragung verfolgen. Aber auch bei den eben genannten Szenarien gibt es Spielraum. Während beispielsweise ein terroristischer Vorfall während der Eröffnungszeremonie durchaus ein Grund ist, die Spiele komplett abzusagen, gilt dies für eine terroristische Attacke während der Spiele an einem der Austragungsorte nicht.[2] Dass die Bedrohung durch terroristisch motivierte Anschläge allgegenwärtig ist, zeigte sich bereits drei Wochen vor Beginn der Spiele, als die brasilianische Bundespolizei zehn Verdächtige festnahm, die Anschläge auf die Olympischen Sommerspiele geplant haben sollen. Die Festnahme wurde durch ein neues Anti-Terror-Gesetz in Brasilien ermöglicht, wonach die Kommunikation Verdächtiger auf WhatsApp und Facebook überwacht werden darf. [3]

 

Wie gewonnen, so zerronnen?              

Einen ganz besonderen Versicherungsschutz genießen die Sportler der USA. Der Versicherer Liberty Mutual Insurance gab bekannt, alle gewonnenen Medaillen der US-Amerikanischen Mannschaft zu versichern. Die Liberty Mutual versicherte bereits im Jahr 2014 die in Sotchi gewonnen Medaillen. Damals brachten die US-Sportler 100 Medaillen nach Hause – keine davon wurde allerdings zum Schadenfall. Während der ideelle Wert einer jeden Medaille enorm hoch ist, hält sich die Höhe des materiellen Wertes in Grenzen. Die hart umkämpften Goldmedaillen bestehen nur zu 1 % aus Gold und haben somit nur einen Wert von jeweils 560 US$. Eine Silbermedaille ist sogar nur 320 US$ wert. Verliert oder beschädigt ein Athlet seine Medaille, übernimmt die Liberty Mutual die Kosten, die das IOC aufbringen muss, um einen Ersatz herzustellen. Die Produktionskosten einer neuen Medaille können sich dabei auf bis zu 1400 US$ belaufen.


 

 

 

 

[1] Denise Johnson: Zika Virus Could Make Scoring Event Insurance More Difficult, 15.6.2016, online unter: http://www.insurancejournal.com/news/national/2016/06/15/417011.htm

 

[2] Jill Langlois: Biggest risk at Rio Olympics is not what you’d expect, 6.4.2016, online unter: http://www.bnamericas.com/en/news/insurance/biggest-risk-at-rio-olympics-is-not-what-youd-expect/

[3] : Terrorgruppe soll Anschläge auf Olympische Spiele geplant haben, 21.7.2016, online unter: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-07/brasilien-terror-anschlag-verdacht-olympia-festnahme

 

Julia Ende
Julia Ende war 2014 bis 2017 im Team „Unternehmenskommunikation und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig als Werkstudentin tätig. Sie unterstützte die redaktionellen Arbeiten für den Trendletter der Versicherungsforen Leipzig sowie die Betreuung der Forenpartner und die redaktionelle Pflege der Webseite.