Einhundert beleuchtete Drohnen „tanzten“ im November 2015 zu Beethovens 5. Sinfonie in der Nähe von Hamburg durch den Nachthimmel und beeindruckten das Publikum mit ihrem Farb- und Formenspiel. Für den Initiator Intel bedeutete die Lichtshow einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde. Es wird jedoch nicht der letzte seiner Art gewesen sein, denn das Geschäft mit den unbemannten Flugkörpern boomt.

Die Consumer Technology Association (CTA) schätzt, dass allein in den USA dieses Jahr 2,8 Millionen Drohnen (149 Prozent mehr als noch 2015) verkauft werden und Umsätze von 953 Millionen USD generieren. Das Wachstum soll sich in Zukunft noch steigern. So geht das Marktforschungsunternehmen Teal davon aus, dass der weltweite Umsatz mit Drohnen Mitte des nächsten Jahrzehnts 11,5 Milliarden USD betragen wird. Dienten Drohnen ursprünglich meist militärischen Zwecken, gewinnen sie mittlerweile auch im zivilwirtschaftlichen und privaten Bereich immer mehr Fans. Die Einsatzmöglichkeiten der unbemannten Fluggeräte werden immer breiter und somit auch für die Versicherungswirtschaft immer interessanter.

 

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Landvermessung, Feuerbekämpfung, Pakete per Luftpost und Internet für alle

Der Drohnenmarkt ist breit gefächert und reicht von libellenartigen Mikrodrohnen mit zehn Zentimetern Flügelspannweite bis hin zu mehr als 150 kg schweren Exemplaren mit den Flügellängen eines Verkehrsflugzeugs. Diese großen Drohnen dienen überwiegend militärischen Zwecken und werden sowohl für Kampfeinsätze als auch zu Aufklärungs-, Erkundungs- und Spionage-Zwecken eingesetzt. In der zivilen (Privat-)Wirtschaft sind meist kleinere Drohnenmodelle zu finden, die ausgestattet mit Kamera- und Sensortechnik verschiedene Aufgaben übernehmen.

Kameraaufnahmen per Drohne sind in der Filmbranche bereits weit verbreitet, da sie flexiblere und kostengünstigere Luftaufnahmen als mit Hubschraubern oder Kamerakränen erlauben. Vielfältige Einsatzmöglichkeiten versprechen die Fluggeräte auch in der Land- und Forstwirtschaft: sei es die Ausbringung von Pflanzenschutz- oder Insektenbekämpfungsmitteln oder Bestands- und Gesundheitskontrollen von Pflanzen und Tieren. Minidrohnen können sogar die Arbeit von Bienen beim Bestäuben der Pflanzen übernehmen. Ebenso lassen sich Vermessungsarbeiten im Bau- oder landwirtschaftlichen Bereich oder die Erfassung und Überwachung von Bränden mittels Drohnen aus der Luft realisieren. In der Energie- und Infrastrukturbranche werden Drohnen genutzt, um Pipelines, Strommasten, Wind- und Solarenergieanlagen auf ihre Funktionsfähigkeit oder mögliche Schäden zu überprüfen. Für Anwendungsfälle dieser Art schloss die Lufthansa Anfang Januar eine Kooperationsvereinbarung mit DJI, dem chinesischen Weltmarktführer in der Drohnenherstellung.

Auch andere Branchengrößen setzen auf das Geschäft mit den kleinen Fliegern. Onlinehändler Amazon arbeitet bereits seit mehreren Jahren an seinem Konzept „Prime Air“, um die Paketzustellung mittels Drohne zu beschleunigen. Sein neuestes Drohnenmodell stellte der Onlineriese Ende 2015 vor. Dem dauerhaften Betrieb stehen derzeit allerdings noch rechtliche Einschränkungen im Weg. DHL experimentiert ebenfalls mit Drohnen im Logistikbereich und unternimmt seit 2013 verschiedene Testeinsätze. Dabei wurde bspw. zeitweise die Apotheke auf der Nordseeinsel Juist mit Medikamenten versorgt.

Das Aquila-Programm von Facebook verfolgt ein anderes Ziel. Die solarbetriebene Drohne soll 90 Tage in der Luft bleiben können und Internetzugang in entlegene Gebiete bringen. Facebook-Chef Zuckerberg träumt davon, mit der Drohne zukünftig zehn Prozent der Menschheit einen Zugang zum World Wide Web zu verschaffen.

 

Drohnen für das Schadenmanagement

Bei so vielen Einsatzmöglichkeiten muss es auch für die Versicherungswirtschaft Nutzungsszenarien geben. Tatsächlich treiben auch schon eine ganze Menge an Überlegungen und erste Praxisversuche die Branche um. Denn insbesondere im Schadenmanagement kann die Assekuranz durch den Einsatz von Drohnen von reduzierten Kosten und vereinfachter Informationsbeschaffung profitieren.

Drohnen ermöglichen einen einfachen Zugang zu schlecht zugänglichen Gebieten wie bspw. dichte Wälder, Naturschutzgebiete oder unzugängliche Bereiche nach (Natur-)Katastrophen. Die aufgezeichneten Daten liefern schnell ein Bild der Situation vor Ort und ermöglichen eine genaue und insbesondere auch objektive Einschätzung. Sowohl zur Risikobeurteilung und Entwicklung von Versicherungs- und Serviceprodukten als auch zur Beurteilung von Schadenausmaßen können die erhobenen Daten dienen. Schadenregulierer und Gutachter können so erheblich effizienter und sicherer arbeiten. Statt bspw. selbst ein Dach zu inspizieren, kann die Drohne den Aufstieg übernehmen. Indem Bild- und Videomaterial sowie Sensordaten im Nachgang oder sogar live zur Verfügung gestellt werden, lassen sich mit wenig Aufwand Spezialisten zur Schadenbeurteilung hinzuziehen. Die Begutachtung wird zudem orts- und teilweise auch zeitunabhängig möglich. Die Schadenerfassung per Drohne beschleunigt die Arbeit der Gutachter und Schadenregulierer und damit die Schadenbearbeitung an sich, was wiederum positiv auf den Kunden wirkt, da die Abwicklung der Schadenfälle beschleunigt wird.

 

Weltweit erste Praxiseinsätze

Den Einsatzmöglichkeiten stehen häufig noch rechtliche Hindernisse im Weg, dennoch können bereits die ersten Versicherer erfolgreiche Drohneneinsätze verzeichnen. Die australische Insurance Australia Group berichtete Anfang Januar, mittels Drohnentechnologie die Ansprüche nach Buschfeuern beurteilt und ihre Regulierungsarbeit so wesentlich schneller und sicherer abgeschlossen zu haben.

In den USA erhielt der Nahrungsmittelkonzern Archer Daniels Midland 2015 die Erlaubnis, für seine Ernteversicherungssparte „Crop Risk Services“ Drohnen zur Bearbeitung und Beschleunigung von Schadenfällen einzusetzen. Diese sollen helfen, automatisiert Bestandsdichte, Hagel- und Windschäden sowie vegetationsfreie Flächen auf Äckern zu identifizieren und zu bewerten.

Im gleichen Jahr erkämpften sich AIG, State Farm und USAA ebenfalls die Erlaubnis der US-Luftfahrtbehörde, Drohnen zur Risikoprüfung und Schadenerfassung einzusetzen. Diese ist jedoch an strenge Auflagen geknüpft. So wird beispielsweise die Zustimmung des Eigentümers zum Überfliegen von dessen Grundstück benötigt und der Einsatz in der Nähe von Städten oder Flughäfen generell ausgeschlossen. Die Versicherer sehen in der Erlaubnis jedoch die ersten Schritte in Richtung eines lockereren Umgangs mit Drohnen und versprechen sich zukünftig eine beschleunigte Schadenabwicklung.

Am lockereren Umgang wird auch an anderer Stelle gekämpft: Die Versicherer Zurich North America und USAA setzen sich gemeinsam mit Großmaklern und weiteren Konzernen dafür ein, den Einsatz von Drohnen nach (Natur-)Katastrophen zu erleichtern. Ein schnelles Bild des Schadenausmaßes sowie die bessere Koordination von Hilfseinsätzen sind Ziel der Sondergenehmigungen.

Hierzulande testet die Vereinigte Hagelversicherung den Einsatz von Drohnen zur Schadenbeurteilung. Insbesondere bei hoch wachsenden Feldfrüchten wie Mais lassen sich Sturmschäden, die meist lokal begrenzt auftreten, von oben wesentlich besser identifizieren und der Gutachter kann gezielt die betroffenen Feldbereiche aufsuchen. Während der bisherigen Testphasen sind die schnell verfügbaren Informationen besonders positiv aufgefallen.

 

Die ersten Testberichte zeigen das große Potential der kleinen Flieger im Schadenmanagement. Dessen wird sich auch die Versicherungswirtschaft zunehmend bewusst, wie deren Einsatz für die verstärkte Nutzung von Drohnen gegenüber den Gesetzgebern zeigt. Es bleibt spannend zu beobachten, welche Einigungen Politik, Wirtschaft und Gesetzgebung hierbei zukünftig finden werden.


 

Magdalena Dröse
Magdalena Dröse unterstützt seit 2013 das Team „Unternehmenskommunikation und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Neben ihren redaktionellen Tätigkeiten für das Online-Wissensportal und die Themendossiers der Versicherungsforen Leipzig, ist sie für die Betreuung der Forenpartner verantwortlich. Zudem unterstützt sie die Fachteams bei der Erstellung von Studien und Whitepapern.