Cloud-Storage-Dienste liegen im Trend. Neben Dropbox haben sich mittlerweile auch Google Drive, One Drive, iCloud, Box und viele weitere Dienste etabliert, mit denen man Daten speichern, synchronisieren und teilen kann. Diese Entwicklung birgt jedoch auch große potentielle Probleme für private Anwender und Unternehmen. Einerseits haben private Anwender mit vielen verschiedenen zu verwaltenden Clouds zu kämpfen und können sich des Schutzes ihrer Daten nicht vollständig sicher sein. Andererseits stellt die Nutzung von verschiedenen Services durch Mitarbeiter von Unternehmen ein enormes Sicherheitsrisiko dar. Für diese Probleme liefert nun CrossCloud eine Lösung.

Anstatt selbst eine Cloud anzubieten, ermöglicht CrossCloud die einfache Bündelung und Synchronisation von Clouds anderer Anbieter. Dropbox, Google Drive und weitere Cloud-Konten lassen sich mit CrossCloud zu einer Cloud vereinen und gebündelt verwalten. Zudem spielt es keine Rolle, wie hoch die Sicherheit der jeweiligen Cloud-Anbieter ist. Denn die Dateien werden von CrossCloud lokal verschlüsselt, bevor sie bei den anderen Anbietern hochgeladen werden.

Im Interview erklärt uns Geschäftsführer Christoph Hechenblaikner, wie CrossCloud die zahlreichen Cloud-Anbieter in einer Applikation vereint und weshalb auch Versicherungsunternehmen von der Installation profitieren.

 

Geschäftsführer Christoph Hechenblaikner

Geschäftsführer Christoph Hechenblaikner

 

Guten Tag, Herr Hechenblaikner! CrossCloud ist ein Service, der es den Nutzern von Cloud-Diensten ermöglicht, cloudübergreifend zu arbeiten und Daten zu transferieren. Wie funktioniert das genau?

CrossCloud ist im Grunde eine Client Applikation für Cloud-Speicher, wie man das von Dropbox, Google Drive oder One Drive kennt. Speziell und einzigartig an CrossCloud ist, dass die Applikation an sich providerunabhängig ist und verschiedene Accounts bei verschiedenen Providern in einer Applikationen verwalten kann. Der Nutzer kann sich CrossCloud einfach auf all seinen Geräten installieren, seine Dropbox-, Google-Drive- oder OneDrive-Accounts in die Applikation einfügen und gemeinsam in einer App nutzen. Dabei ist nicht nur der gesamte Speicher verfügbar, sondern auch das Teilen von Daten wird plattformübergreifend möglich.

Der Anreiz für Unternehmen CrossCloud zu verwenden – und das ist momentan unser Fokus – ist aber eigentlich ein anderer. Relativ viele Unternehmen haben das Problem, dass ihre Mitarbeiter Cloud-Dienste verwenden, obwohl sie es überhaupt nicht dürften. Für das Unternehmen besteht somit ein großes Sicherheitsproblem, wenn es nicht einsehen kann, über welche Kanäle Daten geteilt werden. Zudem besteht keine Kontrolle darüber, wie viele Daten, beispielsweise über die privaten Accounts der Mitarbeiter, an irgendeinen Ort in die Cloud geschickt werden.

CrossCloud wird hingegen als Client Applikation im Hintergrund komplett von der IT des Unternehmens kontrolliert. Das heißt, man kann dokumentieren und protokollieren, welche Mitarbeiter welche Daten wohin geschickt haben und Regeln vorgeben, welche Dateien z. B. in der Dropbox geteilt werden dürfen. Ein Backup von Dateien, die ein Benutzer zieht, kann einfach im Hintergrund auf den Unternehmensserver hochgeladen werden und man kann dafür sorgen, dass Daten verschlüsselt werden bevor sie in die Cloud gehen und so datenschutzrelevante oder vertrauliche Dokumente schützen. Dies schafft eine Situation, in der Mitarbeiter jeglichen Cloud‐Storage-Service verwenden dürfen, während das Unternehmen die nötige Kontrolle über die Daten zurück erhält.

 

CrossCloud ist noch ein sehr junges Unternehmen. Euch gibt es seit 2014 und die Idee ist in Zusammenarbeit mit der TU Graz und der San José State University entstanden. Könnt ihr uns hierzu mehr erzählen?

Ein erster „Proof‐of-Concept“ von CrossCloud wurde im Zuge eines Studentenprojektes an der TU Graz durchgeführt. Die Frage war damals, ob man eine Applikation schreiben könnte, die verschiedene Cloud-Speicher verwalten und zusammenführen kann, um plattformübergreifend Daten in einer Applikation zu teilen. Da wir anschließend an die San José State University ins Silicon Valley gingen, um unser Studium weiterzuführen, wurde das Projekt an und mit Hilfe dieser Universität weiterentwickelt. Neben der technischen Umsetzung wurde hier hauptsächlich am Business Model und der Validierung des Marktes gearbeitet, um erste Kunden zu finden, zu testen, um ein Geschäftsmodell dahinter sowie eine Funding Strategie zu entwickeln usw. Nach einer gewissen Zeit in den USA haben wir uns dann aber aktiv dazu entschlossen, wieder nach Europa zu kommen. Das war Anfang 2014. Wir haben dann in Graz und Berlin weiter an CrossCloud gearbeitet, bis das Unternehmen Ende 2014 mit Unterstützung des Axel Springer Plug and Play Accelerators in Berlin formal gegründet wurde.

 

Wie war die Entwicklung zu Beginn, welche Herausforderungen gab es in der Anfangsphase bzw. gibt es aktuell?

Eine große Herausforderung bei CrossCloud lag und liegt in der technologischen Umsetzung. Datensynchronisierung und Sicherheit sind keine einfachen Probleme und diese auf höchstem Niveau und bei gewohnter Usability (von anderen Services) in einem Produkt umzusetzen, stellt nach wie vor eine große Aufgabe dar. Vor allem schaffen Anwendungen wie Dropbox einen sehr hohen Standard, dem wir mit deutlich geringeren Mitteln sehr nah kommen müssen.

Als wir anfingen, in den Markt hinaus zu gehen und mit Unternehmen zu sprechen, sind wir zusätzlich damit konfrontiert worden, dass sich viele Unternehmen über die unautorisierte Nutzung von Cloud-Storage, die sogenannte „Shadow IT“, nicht bewusst sind. Teilweise müssen wir erst beweisen, dass es in jedem Unternehmen diese „Shadow IT“ in großem Ausmaß gibt und wir das gemeinsam mit den Unternehmen lösen können und wollen. Die Awareness hierfür zu schaffen stellt natürlich eine Herausforderung dar, repräsentiert aber auch genau, wofür wir stehen: Eine Lösung zu schaffen, aus der sowohl Mitarbeiter wie auch Unternehmen einen großen Vorteil ziehen und in der Transparenz einen hohen Stellenwert bekommt. In diesem Sinne ist also auch die Aufklärung ein essentieller Teil dessen, was wir als Unternehmen machen und wofür wir Lösungen erarbeiten wollen.

 

Wer zählt zu euren Zielgruppen? Welche Unternehmen zählen schon zum Kundenstamm?

Mit CrossCloud befinden wir uns momentan noch sehr stark in der Produktentwicklung. Wir kommen gerade auf den Markt und gehen auf erste Kunden zu, mit denen wir gemeinsam erste Implementierungen von CrossCloud durchführen können. Mit diesen Unternehmen wollen wir das Produkt zu einer ersten Version bringen, die wirklich produktiv verwendet werden kann. Unsere Produktentwicklung ist also noch nicht ganz abgeschlossen.

Zu unserer Zielgruppe gehören prinzipiell alle Unternehmen, in denen der Einsatz von Cloud-Speichern (besonders unautorisiert) eine Rolle spielt. Statistiken zeigen, dass im Schnitt über 30 Prozent aller Mitarbeiter „Shadow-IT“ im Cloud-Storage-Bereich in Unternehmen verwenden, obwohl sie es nicht dürfen. Somit ist „Shadow IT“ in jedem Unternehmen branchenübergreifend vorhanden. Momentan fokussieren wir uns jedoch auf Unternehmen, die entweder wegen der Branche, in der sie agieren, wegen ihrer Struktur oder ihren Unternehmenseigenheiten dafür prädestiniert sind, dass die Mitarbeiter Cloud-Storage verwenden.

CrossCloud wird derzeit mit einigen Unternehmen aus verschiedenen Branchen wie Softwareentwicklung, Maschinenbau, Bautechnik oder Marktforschung getestet. Die Resultate sind sehr vielversprechend.

 

Ihr wollt verstärkt mit Versicherungsunternehmen zusammenarbeiten. Wie intensiv nutzen Versicherungsunternehmen bereits Cloud-Dienste und welche Vorteile ergeben sich durch eine Zusammenarbeit mit euch?

Versicherungsunternehmen sind für uns sehr interessant, weil wir bei diesen starke Indikatoren für eine große Nutzung von Cloud-Storage sehen. Das hat mit dezentralisierten Organisationsstrukturen und mit einem hohen Collaboration-Faktor zu tun, d. h. wie Mitarbeiter mit Unternehmensdaten arbeiten. Zudem sind die Daten von Versicherungsunternehmen sehr häufig sicherheits- bzw. datenschutzrelevant, was das Problem für Unternehmen noch verschärft und akuten Handlungsbedarf schafft.

Wir sind jetzt dabei mit ersten Versicherungsunternehmen zu sprechen und mehr über diesen Markt herauszufinden. Generell kann man aber sagen, dass die Nutzung von Cloud-Storage in diesem Bereich sehr hoch ist und dass ein großer Teil davon unautorisiert genutzt wird. Wir sind überzeugt davon, dass CrossCloud dieses Datenschutzproblem lösen kann und für Versicherungsunternehmen somit eine sehr gute Lösung bietet. Zudem denken wir, dass eine gemeinsame Weiterentwicklung des Produktes sehr gute Synergien erzeugen kann.

 

Das Team von CrossCloud bei der Arbeit

Das Team von CrossCloud bei der Arbeit

 

Welche Vision verfolgt CrossCloud für die Zukunft?

Wir sehen die IT der Zukunft ganz stark durch das definiert, was die Nutzer nutzen wollen. Früher hat ein Unternehmen eine Lösung gekauft und es wurde jeder Mitarbeiter gezwungen, diese Lösung zu verwenden. Das ist jetzt nicht mehr so und der Trend geht dahin, dass Nutzer die Tools auswählen, die sie am produktivsten finden und am liebsten verwenden. Die IT der Zukunft wird sich also sehr stark am Nutzer und dessen favorisierten Tools orientieren und ihn in den Mittelpunkt des Netzwerkes stellen.

Was wir mit CrossCloud schaffen wollen, ist eine Situation, in der jeder Mitarbeiter Lösungen verwenden kann, die er verwenden will und die ihn produktiv machen, während dem Unternehmen die nötige Kontrolle über die Daten und Sicherheit zurückgegeben wird. Zudem lassen sich auf diese Weise unternehmensseitig Regeln aufstellen, wie Cloud-Storage verwendet werden kann. Und obwohl es ein Tool ist, das vom Nutzer gewählt wurde, hat ganz zielgerichtet das Unternehmen Einfluss auf das Tool.

Wir nennen unsere Vision bei CrossCloud eine „Bring your own Cloud-Storage“-Lösung und wir sehen uns ganz klar als Vorreiter auf diesem Gebiet; sehen eine große Validierung auf dem Markt und wollen in diesem Bereich die dominierende Lösung weltweit werden.

 

Hinweis

Die Interviewreihe „Start-ups in der Versicherungsbranche“ entsteht im Rahmen unseres alljährlich stattfindenden Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig. Wie auch schon im letzten Jahr steht dieser im Zeichen der Innovation. Neben zahlreichen Akteuren der Versicherungsbranche, begrüßen wir zudem einige Start-ups, die den Versicherungsmarkt mit ihren Produkten innovieren wollen. Auf unserem Fachblog für die Assekuranz stellen wir alle zwei Wochen ein neues Start-up vor und werfen dabei einen Blick hinter die Kulissen.

Die Interviews finden Sie in unserer Rubrik „Innovation & Trend“.

Mareen Rühle
Mareen Rühle war 2013 bis 2015 im Team „Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig als Werkstudentin tätig. Ihre Verantwortung lag unterstützend in der redaktionellen Pflege der Webseite, der Betreuung der Forenpartner sowie der Pflege der Kundendatenbank.