Die Allianz verkündete kürzlich, dass sie an einem Kfz-Tarif arbeitet, der selbstfahrende Fahrzeuge absichert. Im ersten Moment hielt ich dieses Vorhaben für etwas verfrüht, doch wenn man sich die Entwicklung der kleinen Helferlein im Auto anschaut, scheint ein vollständig autonomes Fahrzeug nicht mehr weit.

Autonomes Fahren: Zukunftsmusik oder bald schon Realität?

Die ersten Fahrzeuge gehen an den Start

Technologischer Fortschritt, der auch die Versicherungsbranche betrifft

 

Autokauf, Versicherung, Konzept Auto

Autokauf, Versicherung, Konzept Auto© Trueffelpix – Fotolia.com

 

Autonomes Fahren: Zukunftsmusik oder bald schon Realität?

So erleichtern bereits seit den neunziger Jahren Ultraschallsensoren im Heck das Einparken, mit Hilfe von Geschwindigkeitsreglern kann der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug eingehalten werden und die Fahrstabilität wird mittels Fahrdynamikregelung optimiert. In den letzten Jahren ist die Vielfalt dieser angebotenen Fahrerassistenzsysteme (FAS) enorm gestiegen und nicht mehr nur auf Premiumklassen beschränkt. Neben mehr Komfort ist das primäre Ziel dieser unsichtbaren Helfer die Erhöhung der Sicherheit, denn nach Angaben des ADAC gehen etwa 90% aller Autounfälle auf menschliches Fehlverhalten zurück.

Das Innovationstempo auf dem Gebiet der FAS ist enorm und verlagert sich zunehmend in Richtung (teil-)autonomes Fahren. Laut einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group (BCG), für die 1.500 Verbraucher und 100 Industrieexperten in den USA befragt wurden, rückt diese Vision in greifbare Nähe. Bereits für 2017 sind teilweise autonome Fahrzeuge mit Autobahn- und Stau-Autopiloten geplant. Stadt-Autopiloten sollen ab 2022 auf den Markt kommen, vollständig autonome Fahrtechnologien ab 2025 verfügbar sein.

In Deutschland zeigt man sich dieser Entwicklung aufgeschlossen. Laut einer Studie von Ernst & Young können sich 42% der 1.000 Befragten vorstellen, vollautonome Fahrzeuge zu nutzen. Wenn sie zur Not noch selbst in das Fahren eingreifen könnten, liegt dieser Anteil sogar bei 66%. Mehr als zwei Drittel erwarten, dass es bis zum Jahr 2030 vermehrt autonome Fahrzeuge in Deutschland zu kaufen gibt.

Die ersten Fahrzeuge gehen an den Start

In den USA ist man sogar schon einen Schritt weiter, hier sind es allerdings nicht die Autobauer, sondern die IT-Spezialisten, die die Entwicklung des selbstfahrenden Autos treiben. Bereits im Mai des letzten Jahres gewährte Google zum ersten Mal detaillierte Einblicke in seine Projektbemühungen um ein selbstfahrendes Fahrzeug. Eingeladene Journalisten berichteten von ihren Testfahrten, keine Unterschiede zu einer Autofahrt mit Fahrer gespürt zu haben. Mittlerweile wurde ein weiterer Prototyp vorgestellt und der Internetriese kommt nach eigenen Angaben auf mehrere 100.000 Kilometer vollautonomes Fahren, selbstverständlich unfallfrei.

Doch nicht nur Google, auch Apple soll sich dem selbstfahrenden Auto widmen. In den letzten Wochen häuften sich die Meldungen über ein entsprechendes Projekt des iPhone-Erfinders. Neben Autosichtungen mit ungewöhnlichen Dachaufbauten berichteten verschiedene Medien über zahlreiche Mitarbeiterwechsel vom Elektroautoanbieter Tesla zu Apple sowie regelmäßigen Treffen zwischen Apple-Designern und Managern und Ingenieuren der Automobilbranche. Offizielle Stellungnahmen von Seiten der Firmenleitung gab es bis jetzt jedoch nicht. Namhafte Vertreter der Automobil- und Zulieferbranche wie Volvo und Continental wären für eine Kooperation mit dem Technologieunternehmen jedoch durchaus bereit, wie neueste Meldungen berichten.

Technologischer Fortschritt, der auch die Versicherungsbranche betrifft

Auch an der Versicherungsbranche gehen diese Entwicklungen nicht spurlos vorbei. Erste Auswirkungen zeigen sich bereits im Bereich der Prämienberechnung, wo technikbezogene Tarifierungsmerkmale zunehmend an Bedeutung gewinnen. Mit Blick auf die Absicherung des autonomen Fahrens dürfte vor allem die Haftungsfrage im Schadenfall entscheidend sein. Gemäß der Straßenverkehrsordnung ist der Fahrer verpflichtet, jederzeit die Kontrolle über sein Fahrzeug zu behalten. Der Fahrer haftet für den Schaden, auch wenn das System vom Hersteller stammt. Laut einer aktuellen Studie von McKinsey ist jedoch mit einer zunehmenden Verschiebung der Haftung in Richtung der Hersteller zu rechnen, da dem Fahrer eine immer passivere Rolle zugeschrieben wird.

Die Allianz setzt sich nun mit solchen Tarifen auseinander und erläuterte gleich zu Beginn, dass die bisher übliche Risikobewertung deutlich umstrukturiert werden müsse, um den Besonderheiten autonom agierender Fahrzeuge gerecht zu werden. Auch eine aktuelle Untersuchung von Sopra Steria Consulting zeigt, dass die Tarifierung autonomer Fahrzeuge nicht ganz einfach ist, da sich u.a. die Aufwände zur Schadenermittlung erhöhen und datenschutzrechtliche Aspekte nicht vernachlässigt werden dürfen.

Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema, werden selbstfahrende Autos bald schon Realität sein oder ist dieses Szenario eher der Science-Fiction zuzuordnen?


 

Magdalena Dröse
Magdalena Dröse unterstützt seit 2013 das Team „Unternehmenskommunikation und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Neben ihren redaktionellen Tätigkeiten für das Online-Wissensportal und die Themendossiers der Versicherungsforen Leipzig, ist sie für die Betreuung der Forenpartner verantwortlich. Zudem unterstützt sie die Fachteams bei der Erstellung von Studien und Whitepapern.