Die private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zählt zu den wichtigsten Versicherungen, denn sie schützt vor finanziellen Schwierigkeiten, wenn der Beruf nicht mehr vollständig ausgeübt werden kann. Neben dem Zeitpunkt des Abschlusses und der Höhe der Absicherung sollte bei der Ausgestaltung insbesondere darauf geachtet werden, welche BU-Variante für den Verbraucher die passende ist. Eine neue Studie bringt Klarheit. 

Bei der Wahl seiner BU kann sich der Verbraucher zwischen zwei grundlegenden Formen entscheiden:

  • Selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung (SBU)
  • Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) in Kombination mit einer Hauptversicherung (z. B. Basisrente)

Insbesondere die gekoppelte Versicherungsvariante mit einer Basisrente, also die Basis-BUZ, gerät häufig unter Beschuss von Verbraucherschützern und wird von diesen pauschal kritisiert. Für die Absicherung des gewünschten Lebensstandards im Alter sowie eines Einkommens im Falle der Berufsunfähigkeit empfehlen sie den Abschluss einer SBU mit einem ergänzenden Fondssparplan.

Studie untersucht Vor- und Nachteile beider Varianten

Um die Diskussion wissenschaftlich zu fundieren, hat das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) in seiner jüngsten Studie im Auftrag von MLP beide Produktvarianten miteinander verglichen (zur Studie). Der Vergleich erfolgte anhand verschiedener Musterkunden und sowohl in Bezug auf qualitative als auch auf quantitative Kriterien.

SBU und Fondssparplan mit Vorteilen bei den qualitativen Kriterien

In den qualitativen Kriterien punktet die Variante SBU mit dem Fondssparplan. Dies liegt insbesondere an den signifikanten, vom Gesetzgeber für die Basisrente vorgegebenen Einschränkungen in Bezug auf Flexibilität und Zugang zum bereits angesparten Guthaben sowie daran, dass der BU-Schutz neu organisiert werden muss, wenn der Sparprozess reduziert oder eingestellt wird. Letzteres ist bei modernen Basisrenten mit BUZ in der Regel auch ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich.

Basis-BUZ überzeugt bei quantitativen Kriterien

Quantitative Unterschiede im Preis-Leistungs-Verhältnis ergeben sich im Wesentlichen aus der unterschiedlichen Besteuerung und Kostenbelastung der beiden Kombinationen. Berechnungen für verschiedene Musterkunden zeigen, dass für die meisten Verbraucher hier die Basis-BUZ vorteilhafter ist, und zwar oftmals sehr deutlich. In den wenigen restlichen Fällen ist sie gleichwertig wie der Fondssparplan mit SBU. Zugleich ist bei der Basis-BUZ eine Entkopplung im Sinne einer Überführung der BUZ in eine SBU bei modernen Tarifen möglich – beispielsweise in einem finanziellen Notfall.

Kein pauschales Urteil möglich

Welche Variante ist nun zu bevorzugen? Das hängt ganz vom einzelnen Verbraucher ab, denn dieser gewichtet die qualitativen und quantitativen Aspekte persönlich unterschiedlich. Für eine angemessene Beurteilung und die Gesamt-Abwägung ist deshalb Expertise erforderlich. Eine pauschale Bevorzugung einer Lösung ist genau wie eine pauschale Ablehnung in keiner Weise sachgerecht.

Je früher, desto besser

Eine eindeutige Empfehlung gibt es hingegen zum Zeitpunkt des Versicherungsabschlusses: Dieser sollte möglichst früh stattfinden. Denn der Beitrag hängt neben dem Beruf auch maßgeblich vom Alter beim Vertragsabschluss sowie vom Gesundheitszustand des Versicherten ab. Je früher man sich für eine BU entscheidet, desto niedriger fällt der Beitrag aus. Zudem steigt mit zunehmendem Lebensalter die Wahrscheinlichkeit, dass Vorerkrankungen auftreten. Diese können dazu führen, dass Anbieter Leistungsausschlüsse vornehmen, Beitragszuschläge fordern oder eine Versicherung komplett ablehnen. Deshalb empfiehlt sich der Abschluss schon während der Ausbildung bzw. des Studiums.

Dynamik sorgt für passendes Leistungsniveau

Die Absicherung sollte nach Möglichkeit von Anfang an ausreichend hoch sein. MLP empfiehlt eine Absicherung von 80 Prozent des Nettogehalts. Da die Lebenshaltungskosten erfahrungsgemäß mit zunehmendem Alter steigen, kann eine heute vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente in zehn oder 20 Jahren zu niedrig sein. Die Lösung: Mit einer Dynamik steigen Beitrag und Leistungen jährlich um einen vereinbarten Prozentsatz an. Über die Erhöhungen der Beiträge und damit einhergehend der Leistungen kann der Versicherte selbst entscheiden, er wird dazu auch jährlich vom Versicherungsunternehmen angeschrieben.

Die jährliche Steigerung hat vor allem folgenden Vorteil: Man kann damit möglichst früh, wie es auch Verbraucherschützer empfehlen, seinen Schutz gegen Berufsunfähigkeit aufstellen – auch mit vergleichsweise kleinen Beiträgen. Mit zunehmendem Einkommen und z. B. veränderten Lebensverhältnissen (Familie, Immobilienfinanzierung etc.) lässt sich der Schutz dann dank der Dynamisierungen im Vertrag relativ schnell und ohne erneute Gesundheitsprüfung hochfahren – bis auf das gewünschte maximale Absicherungsniveau. Eine etwaige Reduzierung der Beiträge (und Leistungen) ist jederzeit möglich. 

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Studie zu Vor- und Nachteilen von Basisrenten mit Berufsunfähigkeitszusatzversicherung

Miriam Michelsen