Dass Versicherer sich dem Thema Nachhaltigkeit intensiver widmen, ist nicht nur aus regulatorischer Sicht (bspw. Taxonomie und Transparenz-Verordnung) nötig, sondern wird auch zunehmend von Mitarbeitern und Kunden gefordert. Die Stellhebel der Versicherungsunternehmen für die Umsetzung und Integration von Nachhaltigkeitsaspekten sind dabei umfangreich – begonnen bei schnellen, digitale Prozessen, über Produkte mit Nachhaltigkeitsbestandteil bis hin zur grünen Schadenregulierung. Die Branche kann einen wirklichen Mehrwert bei der Nachhaltigkeitsdiskussion liefern und sie hat vereinzelt bereits damit begonnen.

Wie es gelingen kann, Nachhaltigkeit in einem ganzheitlichen Ansatz glaubhaft zu leben, das haben wir im Interview mit Lydia May, Head of Claims beim Versicherer One, erfahren.

Lydia May

Lydia May

Head of Claims beim Versicherer One

Lydia May ist seit Juli 2019 Head of Claims der ONE Versicherung. ONE ist ein digitaler Sachversicherer. Seit 2020 bietet ONE ebenfalls nachhaltige Versicherungsprodukte an.

Vorher war Lydia May jahrelang als Schadensachbearbeiterin tätig. Aktuell arbeitet Lydia May begeistert an dem Aufbau eines nachhaltigem Schadenmanagements.    

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt in der Versicherungsbranche stetig an Bedeutung. Wie geht One mit dem Thema um? 

Das Thema Nachhaltigkeit ist bereits seit unserer Gründung Teil der Unternehmensphilosophie. Klar war, dass wir von Anfang an auf eine rein digitale Kommunikation setzen, um den Postversand auf ein Minimum zu reduzieren. Auch die Mitarbeiter werden aktiv in die Prozesse eingebunden, um den Nachhaltigkeitsgedanken weiterhin fest ins Unternehmensleitbild zu integrieren. Unter anderem haben sich diese verpflichtet, möglichst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu kommen. Zusätzlich unterstützen wir immer wieder auch außerhalb unserer nachhaltigen Produkte regionale Projekte wie Plant-my-tree.

Was sind zentrale Stellhebel, um sich mit Produkten und Prozessen nachhaltiger auszurichten?

Die Prozesse sollten sich im Wesentlichen nicht von der vorhandenen Struktur unterscheiden. Zudem ist die Digitalisierung ein Schlüssel zum Erfolg. Bei unserem Vertrieb  setzen wir auf eine Mischung aus guter Beratung, dem einfachen Abschluss und einer attraktiven Preisgestaltung. Nachhaltige Produkte sollten als fester Bestandteil in das Produktportfolio integriert werden. Erst dann ist es für Kunden und Vertriebspartner möglich, sich dem Thema anzunehmen. Würden wir zum Beispiel eine gänzlich andere Vertriebsstruktur für die nachhaltigen Versicherungsprodukte wählen, würde die Transparenz und Flexibilität verloren gehen.

Diskutieren Sie mit Lydia May zum Thema Nachhaltigkeit im Schadenmanagement beim Messekongress Schadenmanagement & Assistance


Wann hat One damit begonnen, Nachhaltigkeitsaspekte zu integrieren, und wie seid ihr vorgegangen?

Mit der Planung und Umsetzung haben wir uns schon seit unserer Gründung beschäftigt. Ein wichtiger Meilenstein war sicherlich der Beginn unserer Partnerschaft mit „grün versichert“. Konkret sind wir am 01.01.2020 mit unser grünen Kfz-Versicherung gestartet. Kurze Zeit später haben wir dies ebenfalls für unsere Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung angeboten. Ziel ist es, zu jedem Versicherungsprodukt eine nachhaltige Alternative zu bieten.

Wie reagieren Makler und Kunden auf die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten?

Noch ganz unterschiedlich. Kunden oder Makler, die sich generell mit diesem Thema auseinandersetzen, waren natürlich begeistert und sind gerne bereit, ihr Portfolio auf die nachhaltige Alternative umzudecken. Generell liegt noch ein Stück Aufklärungsarbeit vor uns. Vielen Kunden ist noch nicht bewusst, welchen Mehrwert solch eine Versicherung bringt. Wir setzen hier gezielt auf eine Maklervertriebsstruktur, um die Kunden dahingehend ausreichend zu beraten.

Beim Messekongress Schadenmanagement & Assistance berichten Sie zum Thema nachhaltige Schadenregulierung. Wie sieht eine nachhaltige Schadenregulierung aus?

Nehmen wir das Beispiel unserer Hausratversicherung. Hier erhält der Kunde unter anderem Mehrleistungen, wenn er sich für das energieeffizienteste Gerät oder ein Gerät aus nachhaltiger Herstellung entscheidet. Kommen beide Punkte zusammen, wird er nochmal zusätzlich mit bis zu 60 Prozent Mehrleistung belohnt. In Zusammenarbeit mit unseren Dienstleistern bauen wir derzeit die nachhaltige Schadensanierung aus, um auch die Kunden aktiv vor Ort unterstützen zu können. Hier fokussieren wir uns insbesondere auf die Verwendung von nachhaltigen Materialien. Viele unserer Dienstleister haben es sich schon selbst auf die Fahne geschrieben, sich nachhaltig auszurichten z.B. durch eine effiziente Koordination ihrer Einsatzfahrzeuge. 

Glaubwürdige Nachhaltigkeit erhält man nur durch die richtige Transparenz.

Wie gelingt es One, dass die nachhaltige Ausrichtung vom Kunden als authentisch wahrgenommen wird?

Wichtig ist hier, nicht nur ein nachhaltiges Versicherungsprodukt anzubieten, sondern Nachhaltigkeit auch als Unternehmen selbst zu leben. Deshalb gehen unsere gesamten Kapitalanlagen ausschließlich in nachhaltige Fonds und Anlageprodukte. Für jeden verkauften Vertrag wird in Zusammenarbeit mit grün versichert und WeForest ein Baum gepflanzt. Die Renaturierung des Waldes schafft neue Arbeitsplätze vor Ort, wirkt dem Klimawandel entgegen und schützt die Biodiversität. Mit unserer Kooperation wurden so bereits 28.000 Bäume gepflanzt. Dieses Projekt kann jeder Kunde auf der Website oder den sozialen Medien live mitverfolgen. Glaubwürdige Nachhaltigkeit erhält man nur durch die richtige Transparenz.

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Bärbel Büttner
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.