Wir dürfen ein neues Start-up auf dem deutschen Versicherungsmarkt begrüßen. 2020 möchte das ungarische InsurTech Cherrisk hierzulande durchstarten. Cherrisk ist ein Tochterunternehmen des österreichischen Versicherers Uniqa. Im Gepäck hat der Online-Versicherer digitale Hausrat-, Reise- und Unfallversicherungen. Das an sich ist nichts Neues. Das Belohnungssystem von Cherrisk jedoch schon. Mit einer App belohnt das Unternehmen seine Kunden mit virtuellen Kirschen für gesundheitsbewusstes und sichereres Verhalten. Diese können dann in Warengutscheine und Prämienrabatte eingetauscht oder gespendet werden. Das sogenannte „Cherry Picking“ verhilft dem Versicherer nach eigener Aussage zu mehr Kundeninteraktion und zu einer besseren Schadenquote.

Wir wollten den neuen Player auf dem Markt etwas besser kennenlernen und haben hierzu Krisztián Kurtisz, CEO bei Cherrisk, interviewt.

Cherrisk_Kristian K.

Cherrisk ist ein Tochterunternehmen der Uniqa. Warum hat sich die Uniqua dazu entschlossen, das Start-up erst in Ungarn und jetzt in Deutschland zu etablieren? Ist der österreichische Versicherungsmarkt weniger empfänglich für Online-Versicherungen? 

UNIQA entschied sich ursprünglich für Ungarn als Pilotland für CHERRISK, da die Idee dort vom lokalen CEO geboren wurde. Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt wurde deutlich, dass wir, wenn wir einen großen Einfluss auf das Leben der Menschen und die gesamte Gesellschaft haben wollen, auf eine große Bevölkerungszahl in Europa setzen sollten, und Deutschland ist in dieser Hinsicht zufällig das vielversprechendste Land. Es sind tiefe Gewässer, aber wenn man darin schwimmen lernt, kann man es überall tun. 

Cherrisk ist vor zwei Jahren in Ungarn an den Start gegangen. Wie hat der Markt euch angenommen? 

Die Reaktion des Marktes war von Anfang an sehr positiv. Es bestand ein echter Bedarf an einer durchgängigen digitalen Versicherungslösung. Der Gemeinschaftsaspekt machte das Ganze für die Menschen einfach interessanter. Es war für uns aufregend zu sehen, wie es uns gelungen ist, den Menschen ein Werkzeug in die Hand zu geben, um Wohltätigkeitsprojekte zu unterstützen und gleichzeitig eine gesündere und bewusstere Version von sich selbst zu werden. Die gesamte CHERRISK-Community wuchs in diesem Zeitraum auf über 150.000 Mitglieder an. Mit Hilfe unserer Gemeinschaft wurden 21 Wohltätigkeitsprojekte realisiert, an denen mehr als 20.000 Menschen beteiligt waren. 

Unterscheidet sich das deutsche Angebot von dem ungarischen oder habt ihr das Konzept 1-zu-1 übernommen? 

Die Grundlinie des CHERRISK-Modells besteht darin, Standardversicherungsprodukte zu schaffen, die den Bedürfnissen von Menschen dienen, die in ähnlichen Umständen leben. Unsere Logik war, dass, wenn wir in Europa die gleichen Autos fahren, die gleichen Möbel und Elektrogeräte für unsere Häuser kaufen, warum könnten wir dann nicht auch weltweit standardisierte Versicherungsprodukte für Privatkunden haben? Dieser These zufolge ist das Angebot in Ungarn dem deutschen sehr ähnlich, aber natürlich haben wir einige Elemente wie die Entschädigungsbeträge an den deutschen Standard angepasst. 

In einem Artikel habe ich gelesen, dass ihr im Jahr bis zu 50 Kundenkontakte habt. Wie sehen diese aus? 

Die CHERRISK GO-App ermöglicht es uns, Menschen auf spielerische Art und Weise zu involvieren. Es ist jedoch wichtig, hervorzuheben, dass der Großteil dieser Interaktionen auf den Reaktionen unserer Kunden beruht.

Die Benutzerreisen können auf viele verschiedene Arten verlaufen: Wenn sich jemand an der CHERRISK GO-App beteiligt und wohltätige Zwecke unterstützt, erhält er Updates und Fallstudien zu dem Projekt, für das er seine Kirschen gespendet hat. Eine andere Person wiederum kann Teil der CHERRISK-Gemeinschaft sein und wir würden diese über die Sicherheit in seinem Haus aufklären. Je nachdem, für welche Art von Informationen eine Person offen ist, können sie andere relevante Inhalte erhalten. 

Ihr belohnt positives Kundenverhalten wie umsichtiges Fahren oder Sport. Wie könnt ihr sicherstellen, dass der Versicherungskunde selbst joggen war und nicht der Mitbewohner?  

Ziel der CHERRISK GO-App ist es, Menschen dabei zu unterstützen, gesünder und sicherer zu leben, indem sie für jeden Schritt auf dem Weg dorthin belohnt werden. Diese Plattform ist nicht exklusiv für die Nutzer der CHERRISK-Versicherung, daher gibt es keine preisliche Verbindung zwischen den Plattformen. Wir überwachen nicht, wer was tut, und wenn jemand seinen Mitbewohner bittet, Kirschen für ihn zu sammeln, betrügt er sich nur selbst, nicht uns. Am Ende des Tages ist jemand ein bisschen gesünder geworden, und das ist für die ganze Gemeinschaft von Vorteil. 

Ihr seid auf dem deutschen Markt rein virtuell zu finden. Kundensupport und Management erfolgen aus Ungarn. Viel passiert digital. Erzähl uns kurz was über das CHERRISK-Team. 

Unser Team ist in gewisser Weise einzigartig, da wir aus verschiedenen Bereichen und eigentlich nicht viele von uns aus dem Versicherungssektor kommen. Kundenorientierung und Benutzererfahrung sind der Schlüssel zum Erfolg für jede virtuelle Plattform und diese Denkweise verfolgen auch unsere Mitarbeiter. Wir sind ein wachsendes Unternehmen: vor drei Jahren waren es nur fünf Leute, die auf einem roten Sofa saßen und planten, die Welt zu verändern. Jetzt sind wir etwa 50 Leute in einem Büro – oder im Falle einer Pandemie, zu 100% von zu Hause aus arbeitend – und zahlreiche Partner, die an der Entwicklung von CHERRISK mitwirken. Wir sind ein aktiver Haufen und treiben gerne Sport, wandern und machen sogar gemeinsam Quizabende! 

Wenn ihr in Deutschland durchstartet, welcher Markt wird als nächstes folgen? Kannst du uns das schon verraten? 

Unser Schwerpunkt liegt jetzt auf Deutschland und Ungarn, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass wir keine Pläne für die Zukunft haben. Es ist von größter Wichtigkeit, dass wir mit unserem maßstabsgetreuen Prototyp in Deutschland Erfolg haben, aber das CHERRISK-Modell wurde so konzipiert, dass es eine Mehrländerplattform wird. Wir planen nicht, mit zwei Ländern aufzuhören. Es ist noch nichts in Stein gemeißelt, dazu gibt es in den nächsten Monaten weitere Informationen. 

Vielen Dank!

Blog abonnieren und keinen Beitrag verpassen!

Bärbel Büttner
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.