Diese Woche wurde die fünfte InsurTech-Übersicht des New Players Network veröffentlicht. Die Übersicht zeigt, dass insbesondere im Schadenbereich die InsurTechs mit digitalen Lösungen glänzen. Eines dieser Start-ups ist das Unternehmen Tractable, das sich der Bilderkennung via künstlicher Intelligenz (KI) verschrieben hat. Beim Messekongress „Schadenmanagement & Assistance“ Ende September wird Tractable sein Geschäftsmodell im Rahmen des Claims Rockstar Awards pitchen, welcher jedes Jahr vom New Players Network verliehen wird. Im Interview mit Tractable Co-Gründer Adrien Cohen wollen wir das Start-up bereits jetzt vorstellen.

Adrien Cohen

Adrien Cohen

Co-Gründer, Tractable

„Wir sehen grundsätzlich im Versicherungsmarkt InsurTechs, die sich selber als Versicherer etablieren wollen – wie Metromile oder Oscar – und solche, die existierenden Versicherern in ihren Prozessen helfen. Während erstere oft die Aufmerksamkeit der Presse auf sich ziehen, sind die erfolgreichen oft diejenigen, die existierende Probleme für Versicherer mit neuen Technologien lösen und es ihnen ermöglichen, ihre Kunden besser zu bedienen.“

Bitte beschreib kurz, wo Tractable bei Versicherern zum Einsatz kommt?

Tractable unterstützt mit einer auf Bilderkennung fokussierten KI-Software Versicherer in ihrem Kfz-Schadenmanagement. Wir ermöglichen unseren Kunden – darunter einige der größten Kfz-Versicherungen der Welt – direkt zum Zeitpunkt der Schadenmeldung auf Basis erhaltener Fotos eine komplette Bewertung des Schadens zu erstellen. Das umfasst eine Bewertung benötigter Reparaturmaßnahmen und der Kosten. Unsere Technologie beschleunigt somit die Schadenregulierung, verbessert die Genauigkeit, verkürzt die Bearbeitungszeit und bietet Versicherungsnehmern ein substanziell besseres Erlebnis im Schadenfall.

Versicherungen, die Tractable verwenden, können ihren Kunden direkt am Telefon eine fiktive Abrechnung oder eine Direktfreigabe für eine Reparatur anbieten. Auch Totalschäden können früh erkannt und somit direkt die relevanten nächsten Schritte eingeleitet werden.

Beim Einsatz von KI ist die Datenbasis häufig ein Problem. Auf welche Daten greift ihr zurück und wie umfangreich sind diese?

Die Analyse von Kfz-Schäden ist im Kern eine visuelle Aufgabe. Mit dem richtigen Datensatz und Training kann eine KI-Software wie ein menschlicher Experte Bilder interpretieren und Schlussfolgerungen ziehen.

Unsere KI wurde auf Grundlage mehrerer Millionen Schadenfotos von unseren Kunden und Partnern trainiert und lernt mit jedem Schaden weiter. Somit sind wir auch in der Lage, unterschiedlichste Bildqualitäten, Bilder mit mehreren Fahrzeugen, Nahaufnahmen oder störende Wetterelemente wie Schnee zu berücksichtigen.

Wie hoch ist die Trefferquote eurer KI und überprüft ihr das?

„Trefferquote“ kann man sehr unterschiedlich definieren. Dies kann zum Beispiel das Erkennen der beschädigten Außenteile sein, die optimale Reparaturmethode oder das Ansetzen der richtigen Kostenwerte. Selbst menschliche Sachverständige unterscheiden sich hier bei denselben Schäden oft deutlich in ihren Bewertungen. Wir versuchen mit unserer Technologie, den Schadenbeurteilungen der besten internen Sachverständigen unserer Kunden zu entsprechen und testen dies stetig mit unseren Kunden. Hierbei gehen wir zu Beginn durch einen gemeinsamen Prüfprozess, bei dem unsere Software anhand von hunderten von Schadenfällen auf die jeweiligen Reparaturstandards unseres Kunden kalibriert und danach im Blindverfahren getestet wird.

Ihr seid nicht die ersten, die auf KI in der Schadenerkennung setzen. Wo unterscheidet ihr euch von den anderen Lösungen?

KI-basierte Bilderkennungslösungen werden zunehmend in der Versicherungsbranche mit dem Versprechen vermarktet, zu wesentlichen Verbesserungen im Schadenmanagement zu führen. Es ist jedoch Versicherern oft völlig unklar, wie gut die jeweiligen Lösungen in der Praxis funktionieren und welchen Mehrwert sie liefern. Unsere Lösungen sind bereits bei einigen der weltweit größten Versicherer erfolgreich in deren Live-Schadenprozess im Einsatz und somit vielfältig erprobt.

Wir empfehlen allen Versicherern, die angebotenen KI-Lösungen in einem ersten Schritt live zu testen, um sich selbst ein Bild zu machen. Wir können zum Beispiel in Live-Demos anhand der individuellen Schadenbilder der Versicherer innerhalb weniger Minuten eine volle Kostenkalkulation durchführen.

Ihr habt gerade eine große Finanzierungsrunde hinter euch gebracht. Was macht ihr mit dem neuen Kapital?

Die Investition wird die Expansion von Tractable in neue Märkte außerhalb der elf Länder, in denen wir derzeit tätig sind, weiter beschleunigen. Wir wollen somit unseren Wettbewerbsvorsprung als weltweiter Marktführer bei der Anwendung von KI-Bilderkennung bei Kfz-Schäden nachhaltig festigen. Darüber hinaus werden wir kontinuierlich in Forschung und Entwicklung investieren.

Jetzt mal noch eine ganz andere Frage zum Abschluss: Was glaubt ihr, ist das nächste große Ding in der Versicherungsbranche?

Wir sehen grundsätzlich im Versicherungsmarkt InsurTechs, die sich selber als Versicherer etablieren wollen – wie Metromile oder Oscar – und solche, die existierenden Versicherern in ihren Prozessen helfen. Während erstere oft die Aufmerksamkeit der Presse auf sich ziehen, sind die erfolgreichen oft diejenigen, die existierende Probleme für Versicherer mit neuen Technologien lösen und es ihnen ermöglichen, ihre Kunden besser zu bedienen. Wir sehen speziell in diesem Zusammenhang viele Bereiche, die Raum für Wachstum bieten, wie beispielsweise die Tarifierung. Bezogen auf Kfz-Versicherungen könnte hier eine automatische visuelle Prüfung auf Vorschäden bei Gebrauchtwagen einen direkten Mehrwert liefern. Wir implementieren dies bereits heute mit den ersten Versicherungen.

Erleben Sie Start-ups wie Tractable live beim Messekongress Schadenmanagement und Assistance

Der Claims Rockstar Award is sponsored by 3C und arvato Bertelsmann.

Bärbel Büttner
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.