Blickt man auf die Geschichte der Arbeitswelt zurück, erkennt man die stetigen Bemühungen der Menschen, ihre Arbeit effizienter zu gestalten. Technologische Entwicklungen und Innovationen verwirklichen diesen Wunsch und erfordern gleichzeitig Anpassungen bestehender Strukturen und Anforderungen der Arbeitswelt.

Wir befinden uns in einem Wandel, der durch die Digitalisierung und Globalisierung hervorgerufen wird und unsere Arbeit, wie wir sie kennen, neu definiert. Neue Formen der Zusammenarbeit und Organisationsstruktur finden in vielen Unternehmen weltweit Anwendung. Der Schlüsselbegriff hierfür lautet  New Work.

Werte wie Wertschätzung, Mitbestimmung, Sinnhaftigkeit und Autonomie prägen die strukturellen Anpassungsversuche zahlreicher Unternehmen und dienen den noch Ratsuchenden als Orientierungshilfe. In diesem Kontext werden die klassischen, starren Organisationsstrukturen und Arbeitsprozesse durch flexible, dynamische und agile Formen ersetzt. In der neuen Arbeitswelt entstehen Freiräume, so dass die Arbeitnehmer – dank der vollständigen Automatisierung und Digitalisierung – ihre Zeit und Energie sinnstiftenden, anspruchsvollen Tätigkeiten widmen und sich selbstbestimmt und frei entfalten können.

Der New-Work-Ansatz stellt die Beschäftigten und deren Bedürfnisse in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Hierbei gewinnen die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden der Erwerbstätigen zunehmend an Relevanz.

Psychische Gesundheit und Prävention

Dass Gesundheit und Wohlbefinden an Relevanz gewinnen ist nachvollziehbar. Seit Jahren berichten Krankenkassen von der konstant steigenden Prävalenz von psychischen Erkrankungen unter Erwerbstätigen. Die Enttabuisierung psychischer Probleme spielt dabei sicherlich eine Rolle. Dennoch ist es nicht abzustreiten, dass bestimmte Aspekte der vorhandenen Rahmenbedingungen als auschlaggebende Einflussfaktoren dienen.

Die gesundheitliche Prävention im Betrieb soll dementsprechend sowohl auf der individuellen als auch auf der strukturellen Ebene umgesetzt werden. Neben den verhaltensbezogenen Maßnahmen für Individuen sollen die Risiken- und Schutzfaktoren innerhalb der Rahmenbedingungen genau analysiert und den Bedürfnissen der Beschäftigten entsprechend optimiert oder erneuert werden. So können arbeitsbezogene psychische Probleme wie Burnout oder Boreout verhindert und rechtzeitig behandelt werden.

Mit New-Work-Ansätzen gegen Burnout

In Deutschland fühlt sich jeder Zweite vom Burnout bedroht, berichtet das Ärzteblatt. Burnout ist keine eigenständige klinische Diagnose, sondern beschreibt den Leidenszustand der berufsbedingten Überforderung und Erschöpfung. Das geltende Klassifikationssystem der psychischen Erkrankungen (ICD-10, Kapital V) ordnet Burnout in die Diagnosekategorie „Problemen mit Bezug auf Lebensbewältigung“ (Z73) ein.

Die Betroffenen zeigen diverse körperliche, emotionale, kognitive und soziale Erschöpfungssymptome, welche starke Überlappungen mit klinischer Depression, Angsterkrankungen und somatischen Störungen aufweisen. Die Betroffenen fühlen sich häufig antriebslos und müde. Sie leiden unter somatischen Symptomen wie Schlaflosigkeit und (akuten) Schmerzen. Leistungsabfälle im Beruf und das Erleben von Sinnlosigkeit gehören ebenfalls zu den Symptomen. In vielen Fällen werden die Betroffenen leicht reizbar und ungeduldig, sodass zwischenmenschliche Konflikte mit Kollegen, Kunden und Vorgesetzten zunehmen.

Als Ursache wird ein dauerhaftes Ungleichgewicht zwischen den äußeren Anforderungen und den persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten genannt. Zu den Bewältigungsmöglichkeiten zählen sowohl persönliche Eigenschaften wie Optimismus, ein positives Selbstbild und Besonnenheit, als auch Fertigkeiten und Fähigkeiten wie soziale Kompetenzen und Problemlösefähigkeiten. Darüber hinaus spielen finanzielle und soziale Ressourcen, wie Freunde, Familie und Kollegen, ebenfalls eine wichtige Rolle.

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Umstände, wie hohe Arbeitsbelastungen, fehlende Wertschätzung, mangelnde Handlungs- und Entscheidungsfreiheit und ein problematisches Vorgesetzten- und Kollegenverhalten, sowie sonstige Stressoren in der Arbeitsumgebung wie Lärm, Lichtverhältnisse und so weiter zählen zu den äußeren Faktoren. In Kombination mit weiteren Belastungen aus anderen Lebensbereichen (Familie, Partnerschaft etc.) führen berufsbedingte Überbelastungen zu starken Rollenkonflikten und chronischem Stress.

Als Arbeitgeber können Unternehmen dagegen gezielte, präventive Maßnahmen einsetzen. Zum einen können verhaltensbezogene Maßnahmen angeboten werden, die sich auf Veränderungen auf der individuellen Ebene beziehen. In der Praxis werden Schulungen, Programme und Anleitungen zum Selbstmanagement, Zeitmanagement, Stressbewältigung und Entspannungstechniken gängiger. Zum anderen können strukturelle Veränderungen, wie die Flexibilisierung der Arbeitszeit und Arbeitsmodelle (Vier-Tage-Woche, Fünf-Stunden-Regelarbeitszeit, Homeoffice etc.), langfristig positive Auswirkungen zeigen. Zudem ermöglichen Angebote wie ein Sabbatical den Betroffenen, eine Auszeit vom Berufsleben nehmen zu können, um sich zu regenerieren.Die steigende Prävalenz psychischer Erkrankungen unter Erwerbstätigen erfordert gesundheitliche Prävention auf mehreren Ebenen. Die Etablierung einer gesundheitsförderlichen Unternehmenskultur und deren Ausleben im beruflichen Alltag sind für die Prävention von besonderer Bedeutung. Die Rahmenbedingungen des New-Work-Ansatzes sind dabei ein wichtiger Schritt.

In meinem nächsten Beitrag werde ich Boreout thematisieren und diskutieren, wie New-Work-Ansätze hier präventiv wirken.

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Munkhbuyant Tsogt-Erdene
Munkhbuyant Tsogt-Erdene studiert Psychologie an der Universität Leipzig und ist seit Juni 2019 bei den Versicherungsforen Leipzig. Sie unterstützt als Projektassistentin das Team „Vertrieb und Service“.