Wissen Sie, was ein Digital Designer macht? In der IT-Szene wird das neue Berufsbild des Digital Designers immer öfter diskutiert, denn er könnte die Brücke zwischen Fachlichkeit und IT schlagen. Einer Task Force des Bitkom e.V. zufolge „gestaltet und optimiert der ‚Digital Designer‘ digitale Produkte, Systeme und Dienstleistungen. Sie berücksichtigen dabei das Spannungsfeld zwischen den Wünschen und Bedürfnissen der Nutzer, den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den technischen Möglichkeiten. Digital Designer führen den Entwicklungsprozess durch Skizzen, Modelle, Spezifikationen und Prototypen. Sie arbeiten dabei in multidisziplinären Gruppen mit dem Management, dem Marketing, der Entwicklung und dem Betrieb von Software.“ Der Digital Designer nimmt eine zentrale Rolle ein und fungiert auch als Visionär mit Blick auf das aktuell Machbare.

Wem das alles noch zu theoretisch und unverständlich war, der sollte sich das Videointerview mit Dr. Marcus Trapp, Abteilungsleiter User Experience & Requirements Engineering (UXR) vom Fraunhofer IESE, ansehen. Trapp gehört zum Bitkom-Arbeitskreis Digital Design und macht sich für das neue Berufsbild des Digital Designers stark. Im Interview verrät er uns, was sich hinter diesem verbirgt.

Das Transkript des Interviews finden Sie unterhalb des Videos.

Sie plädieren für die Schaffung eines neuen Berufsbildes, nämlich den Digital Designer. Was sind die Aufgaben des Digital Designers?

Also Berufsbild ist erstmal halbwegs richtig. Wir sprechen lieber von der Profession. Aber wenn man von Berufsbild spricht, dann denkt man häufig an eine neue Rolle. Wir wollen keine neue Rolle schaffen, sondern eine Profession, Leute, die das wirklich wollen. Zu Ihrer Frage, was der Digital Designer macht: Stellen Sie sich vor, Sie bauen für Ihr Unternehmen eine neue Unternehmenszentrale. Viele Menschen sind involviert, die das für Sie machen und unterstützen. Bauingenieure kennen sich mit Beton aus, die wissen, wie man Treppen baut, wie die Innengestaltung aussieht, wie man den Garten dazu anlegt, was Stahlbeton tragen kann. Aber mit denen reden Sie eigentlich nie, wenn Sie eine Gebäudezentrale aufbauen. Sie reden mit dem Gebäudearchitekten. Dieser Gebäudearchitekt hat eine Eigenschaft: Der hilft Ihnen nicht nur dabei, Ihre Wünsche aufzunehmen, die Sie gerne hätten für ihr neues Unternehmen, sondern er hilft Ihnen auch bei der Gestaltung. Er weiß, wie man Gebäude baut und nimmt nicht nur Ihre Wünsche entgegen, sondern gibt Tipps, wie man es moderner, zeitgemäßer und nachhaltiger gestalten kann. Er kennt sich aber auch technisch so gut aus, dass er sich mit den Bauingenieuren verständigen kann. Die technischen Dinge kennt der auch sehr gut. In der Software haben wir das eigentlich nicht so wirklich. Da redet oftmals der Kunde, der ein großes Unternehmenssystem bauen will, direkt mit denen, die es am Ende umsetzen. Da gibt es zwar auch Software-Architekten, die sind aber oftmals auf der Bauingenieurebene aufgestellt. Er hilft nur wenig bei der Gestaltung. Hier in dieser Zwischenwelt, da brauchen wir jemanden. Und das haben wir in dem Bitkom-Arbeitskreis Digital Designer genannt, der sowohl über Gestaltungswillen verfügt, als auch gutes Materialwissen hat, nur dass unser Material, um Systeme zu bauen, digital ist.

Aber gibt es nicht bereits Berufsbilder, die das auch abdecken, wie beispielsweise den Facharchitekten? Was unterscheidet den Designer denn von dem? Was macht er anders?

Sie könnten jetzt sehr viele Rollen aufzählen, wo ich, wenn ich sie treffe und mit den Leuten rede, wahrscheinlich sagen würde, ja, stimmt, diese Person würde ich als Digital Designer bezeichnen. Der Großteil ist aber in der Regel auf eine bestimmte Richtung spezialisiert. Entweder sind sie sehr gut in der Technik, also in der Materialkunde und haben nur sehr wenig bis gar kein Gestaltungswissen. Oder sie sind sehr gut in der Gestaltung, verfügen aber nur über wenig Wissen bei der technologischen Umsetzung. Das führt bei großen Systemen, vor allem wenn wir etwas ganz neues machen wollen, was in der Art und Weise noch nie gemacht wurde, oftmals zu Problemen. Aber ich möchte auf gar keinen Fall sagen, dass es mit dem Profil, wie wir uns den Digital Designer vorstellen, aktuell  niemanden da draußen gibt. Es gibt nur viel zu wenige davon. Deswegen möchten wir uns dafür einsetzen, dass mehr von diesen Leuten existieren werden, weil wir diese brauchen, um die neuen Systeme für die Zukunft zu bauen.

Es gibt also wahrscheinlich schon den Digital Designer, der hat halt nur eine andere Bezeichnung und Ausbildung. Es gibt z. B. den Studiengang  „Digitale Medien“ den man in Furtwangen studieren kann, Interaktionsgestaltung oder Informations-Design kann man studieren. Das sind wahrscheinlich auch am Ende alles Digital Designer, die diese Studiengänge abschließen. Was würde denn Ihrer Meinung nach in einer Stellenausschreibung stehen?

Ob die alle das Digital-Designer-Profil haben, das weiß ich nicht. Wir haben uns sehr stark mit diesem Ausbildungsthema beschäftigt. Wir haben auch eine große Studie dazu gemacht und uns alle Informatikstudiengänge angesehen. Da gibt es sehr viele, mehrere Hundert. Wir haben geschaut, in wie vielen Studiengängen tatsächlich auch Gestaltung vermittelt wird. Und das sind, wenn man von einem Drittel Gestaltungsanteil ausgeht, nur 1,6 Prozent, also fast gar nichts. Bei 4,6 Prozent wird der Gestaltungsteil zumindest mal erwähnt. Also ein sehr verschwindend geringer Anteil. Die Studiengänge, die sie genannt haben, sind sehr stark bei Gestaltungsthemen und es sind alles Fachhochschulen. Wir haben keine einzige Universität gefunden, die in diese Richtung ausbildet. Es fehlt oftmals dieser digital-technische Teil, also wie es wirklich technisch umgesetzt wird. Es wird zwar ein Verständnis dafür vermittelt, aber da würden wir uns gerne noch mehr wünschen. Aber Sie haben Recht, es gibt einige Studiengänge, die gehen schon in diese Richtung. Am Ende muss man sich das Profil ansehen: Was können die Leute? Können die sowohl diesen digital, also Materialteil verstehen, und verfügen über Gestaltungskompetenz. Und natürlich gehört in der heutigen Zeit eine Querschnittskompetenz mit dazu: Man muss gut mit Leuten reden können, motivieren können, Dinge rüberbringen können und immer auf den Punkt bringen können. Das gilt aber überall.

Besteht die Gefahr, durch die neue Profession den Überblick zu verlieren? Wird es mit dem Digital Designer noch komplexer und komplizierter oder kann er als zentraler Ansprechpartner fungieren?

In wie vielen Projekten das skaliert, dass er der alleinige Ansprechpartner ist, ist schwer zu sagen. Ähnlich wie bei Großprojekten gibt es jedoch immer diesen einen Chefarchitekten. Der dann noch andere unter sich hat und bestimmte Dinge weiterdelegiert. Im Automobilbereich ist das der Chef-Designer. Der hat ein ganzes Team unter sich, die viele seiner Aufgaben übernehmen. Aber er ist trotzdem der Ansprechpartner, der die Kommunikation zwischen Kunde und Technik oder zwischen Auftraggeber und der umsetzenden Organisation macht. Und da kann hoffentlich die Profession des Digital Designers uns zukünftig weiterhelfen.

Dankeschön.

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Bärbel Büttner
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.