Gerade haben wir das Jahr 2019 verabschiedet, dass neben den Dauerbrennerthemen Niedrigzinsumfeld und Digitalisierung auch ein paar Überraschungen für die (Versicherungs-) Welt bereithielt.

Eine kleine Auswahl der wirtschaftlichen, politischen, technischen und gesellschaftlichen Themen, die die Assekuranz im vergangenen Jahr beschäftigten, zeigt der Jahresrückblick.

Streiken fürs Klima

Kaum ein Thema hat die politische Agenda und Weltöffentlichkeit 2019 so sehr beschäftigt wie der Klimawandel. 2018 als einzelner Protest der schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg gestartet, gewann die Fridays-for-Future- Bewegung im Laufe des Jahres immer mehr Anhänger und führte zu weltweiten Klimaprotesten. Hunderttausende Menschen demonstrierten zuletzt Ende November für die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens. Die  Versicherungswirtschaft hat allein aufgrund der von ihr verwalteten Finanzsummen eine immense Hebelwirkung durch nachhaltige Investitionsentscheidungen.

Schadenjahr 2019

Weltweit verlief das erste Halbjahr verhältnismäßig schadenarm. Auf 42 Milliarden USD schätzte die Munich Re die Schadenbilanz von Naturkatastrophen zur Mitte des Jahres, deutlich weniger als der langjährige Durchschnitt von 69 Milliarden USD. Versichert waren davon rund 15 Milliarden USD. Ereignisse wie die schweren Überflutungen in China oder Hurrikan Dorian, der Schäden von bis zu zehn Milliarden EUR verursachte, sind in diesen Zahlen allerdings noch nicht berücksichtigt worden. Für einen Schadenfall der besonderen Art sorgte im April der Brand in der französischen Kathedrale Notre-Dame, dem u. a. der berühmte Vierungsturm zum Opfer fiel. Auch Dachstuhl und Mauerwerk wurden von Temperaturen von bis zu 1.000 Grad, Rauch und Löschwasser stark beschädigt. Wie hoch der Schaden genau ausfällt, lässt sich auch heute noch nicht sagen und ist vermutlich erst nach erfolgreichem Wiederaufbau genau bezifferbar.

Neusten Meldungen des GDV zu Folge waren die in Deutschland durch Naturkatastrophen verursachten Schäden „leicht unterdurchschnittlich“. Diese belaufen sich aufseiten der Versicherer auf 3,2 Milliarden Euro. Besorgniserregend sei dem Verband nach die wachsende Unberechenbarkeit der Extrem-Ereignisse. Insbesondere, da nur 43 Prozent der Hausbesitzer gegen Naturgefahren wie Starkregen und Hochwasser abgesichert sind.

Diskussionen um Provisionsdeckel gehen weiter

Für Unruhe bei den Vermittlern sorgte dieses Jahr die Arbeit am Gesetz zur Deckelung der Abschlussprovision von Lebensversicherungen und von Restschuldversicherungen (LVRG II). Im April legte das Bundesfinanzministerium einen Referentenentwurf vor, wonach sicherzustellen ist, „dass Versicherungsvertreiber nicht in einer Weise vergütet werden oder die Leistung ihrer Angestellten nicht in einer Weise vergüten oder bewerten, die mit ihrer Pflicht, im bestmöglichen Interesse ihrer Kunden zu handeln, kollidiert.“  Zu den Umsetzungsmaßnahmen zählt u. a. die Begrenzung der gewährten Abschlussprovisionen bei den meisten Lebensversicherungsprodukten auf generell höchstens 2,5 Prozent der Bruttobeitragssumme. Der erste Entwurf stieß auf viel Kritik und Überarbeitungen folgten, wenn auch ohne bisherige finale Einigung der Regierungsparteien. Das Inkrafttreten des LVRG II ist aktuell für Januar 2021 geplant. Da die Lesungen über den Gesetzesentwurf allerdings höchstwahrscheinlich erst 2020  stattfinden können, wird dieses Datum als unrealistisch eingestuft.

Solvency II – auf ein Neues?

Man hat schon länger nichts mehr von Solvency II gehört, da wird es jetzt mal wieder Zeit! Bereits in der Solvency-II-Rahmenrichtlinie wurde festgelegt, dass bestimmte Themengebiete spätestens fünf Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung überprüft und ggf. überarbeitet werden sollen. 2020 ist es nun soweit. Deshalb fanden in diesem Jahr vom 12. Juli bis zum 18. Oktober sowie aktuell noch bis zum 15. Januar zwei Konsultationsphasen statt. Unter Berücksichtigung der eingereichten Rückmeldungen wird die EIOPA im Juni 2020 der Europäischen Kommission Überarbeitungsvorschläge einreichen.

Neu im Regal

Ob die Verkehrszulassung für Elektrokleinstfahrzeuge oder die steigende Gefahr vor Cyberangriffen – das Jahr 2019 bot den Versicherern viel Potential, ihr Produktportfolio aufzustocken. Was in den Produktschmieden geschaffen wurde, hat Larissa Wassermann in ihrem Artikel „Wissen, was den Markt bewegt – innovative Produkttrends, -strategien und Serviceangebote“ etwas genauer unter die Lupe genommen.

Wie der Beitrag zeigt, langweilig wurde es der Versicherungsbranche 2019 nicht und auch 2020 verspricht interessant zu werden. Regulatorisch scheint einiges auf die Branche zuzukommen. Auch die Brexit-Frage und was deren Antwort für die Wirtschaft Europas bedeutet, bleibt vorerst ungeklärt. Unabhängig von der Politik wird die Versicherungsbranche sicherlich ihre Digitalisierungsbemühungen weiter vorantreiben. Wir dürfen also gespannt bleiben, was das neue Jahr bringen wird!

Der Beitrag erschien zuerst in unserem Trendletter!

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Magdalena Dröse
Magdalena Dröse unterstützt seit 2013 das Team „Unternehmenskommunikation und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Neben ihren redaktionellen Tätigkeiten für das Online-Wissensportal und die Themendossiers der Versicherungsforen Leipzig, ist sie für die Betreuung der Forenpartner verantwortlich. Zudem unterstützt sie die Fachteams bei der Erstellung von Studien und Whitepapern.