Bei der Recherche zum Thema  „Generation Z“ findet man zahlreiche Beiträge, in denen es um Besonderheiten bei Persönlichkeit, Einstellungen und Werten der Generation geht. Leider findet man dabei nicht selten negativ konnotierte Zuschreibungen wie Selbstdarstellung, kurze Konzentrations- und Aufmerksamkeitsspanne, geringe Motivation und so weiter.

Aus der Wissenschaft melden sich diesbezüglich kritische Stimmen: beispielsweise hält Prof. Dr. Hannes Zacher, Arbeits- und Organisationspsychologe von der Universität Leipzig, solche Zuschreibungen für einfache Vorurteile und Stereotypisierung. Ihm zufolge sind die Aussagen über stabile Merkmale einer Generation äußerst problematisch. Es ist jedoch auch nicht abzustreiten, dass es bestimmte Unterschiede zwischen älteren und jüngeren Menschen gibt. Diese Unterschiede lassen sich beispielsweise durch die altersbedingten Veränderungen auf der individuellen Ebene erklären – so werden die Menschen mit zunehmenden Alter gewissenhafter und verträglicher, ergänzt der Wissenschaftler. Zudem beeinflusst uns die rasante Veränderung der Umwelt. So macht man heutzutage schon in sehr jungen Jahren Erfahrungen mit neuen Technologien und ist mit deren stetiger Weiterentwicklung vertraut.

Zusammengefasst ist es nicht ganz fair, eine ganze Generation aufgrund weniger Adjektive zu beschreiben und in eine Schublade zu stecken. Schließlich sind interindividuelle Gemeinsamkeiten zwischen Vertretern unterschiedlicher Generationen genauso groß wie die Unterschiede innerhalb einer Generation. Nichtdestotrotz wäre es ein Versuch wert, unter Berücksichtigung der prägenden gesellschaftlichen Ereignisse und technologischer Entwicklungen, eine Generation grob zu beschreiben.

Selbstbewusst, unabhängig, Digital Native

Mit der Gen Z (1995/1998 bis 2012/2016, variabel, je nach Quelle) tritt eine neue Generation auf den Arbeitsmarkt, die Anpassungsfähigkeiten auf Seiten der Arbeitgeber erfordert. Mit der Nutzung von sozialen Medien für Stellenausschreibungen ist es im Falle der Gen Z nicht getan. Unternehmen müssen sich insbesondere bei der Arbeitsgestaltung und Organisationsstruktur anpassen.

Die Gen Z hat mehrheitlich Eltern aus der Generation X. Deren Erziehungsweise durch viel Anerkennung und Gleichberechtigung gekennzeichnet ist, was möglicherweise dazu führt, dass die Gen Z eine sehr selbstbewusste und unabhängige Generation ist. Zudem legt die Gen Z großen Wert auf Authentizität und Individualität. Als sogenannte Digital Natives 2.0 kennt die Generation die Zeit nicht, in der es kein Internet gab. So besitzen laut der Marketingagentur Mediakix 98% dieser Generation ein Smartphone und verbringt schätzungsweise mehr als zehn Stunden täglich online. Smartphone und Internet sind für viele feste Bestandteile ihres täglichen Lebens. Sie sind darüber hinaus auf diversen sozialen Medien aktiv und dadurch sehr gut miteinander vernetzt. Ein Social-Media-Verbot am Arbeitsplatz kommt daher bei der Gen Z sicherlich nicht so gut an.

Neue Werte und starkes Sicherheitsbedürfnis

Werte wie Gerechtigkeit, Vielfalt, Gleichstellung, Nachhaltigkeit und Tierschutz liegen der jungen Generation besonders am Herzen. Diverse weltweite Bewegungen und Demonstrationen für Klimaschutz oder gegen Diskriminierung sind Beweis dafür, dass sich die Gen Z auch für ihre Werte einsetzen kann. Unternehmen sollten diese Werte respektieren, teilen und Diskriminierungen aller Art nicht tolerieren. Laut der Fachzeitschrift „Personalwirtschaft“ sollen die Unternehmen grundsätzlich mehr Wert auf soziale Verantwortung legen und sozial eingestellt sein, um für die Gen Z als Arbeitgeber interessant zu sein.

Darüber hinaus wünscht sich die Generation Z eine optimale Balance und klare Differenzierung zwischen Arbeitsleben und Freizeit. Sie möchte ausreichend Zeit für sich selbst und die Familie haben. Selbst wenn sie aktuell noch keine eigene Familie gegründet hat, bezeichnen sich die Vertreter dieser Generation mehrheitlich als „Familienmensch“. So scheint das Familienbewusstsein der zukünftigen Arbeitgeber ein wichtiges Kriterium bei der Jobsuche zu sein.

Zudem spielt das Thema Gesundheit bei dieser Generation eine große Rolle. Die Experten von der Techniker Krankenkasse beschreiben die Gen Z als „selbstfokussierter und gesundheitsbewusster“. So ernähren sich die jungen Beschäftigten gesünder und bleiben  zu Hause, wenn sie krank sind. Statistisch gesehen seien sie zwar häufiger krankgemeldet, aber dafür kürzer. Mögliche negative Konsequenzen von Präsentismus (Anwesenheit trotz der Krankheit), wie Unfallgefahr oder Ansteckung weiterer Arbeitskräfte, werden dadurch vermieden.

Die Gehaltshöhe ist bei der Gen Z nicht unbedingt ein ausschlaggebender Motivator. In diesem Zusammenhang betonen diverse Quellen, dass sich diese Generation sowohl in der Arbeit als auch in der Freizeit selbstverwirklichen und Freude an ihrer Tätigkeit haben möchte.

Laut einer Studie von Campus M21 ist die Mehrheit der befragten jungen Menschen (92 Prozent) bereit, Überstunden zu machen, falls es erforderlich ist. Für Karrierechancen und die Aussicht auf eine Gehaltserhöhung wäre die Mehrheit ebenfalls bereit, länger zu arbeiten. Dennoch möchten 71 Prozent der Teilnehmer ihre Arbeitszeiten flexibel einteilen und ihren Arbeitsort selbst wählen. Zusammengefasst wünscht sich die Gen Z Flexibilität und freie Entfaltung innerhalb fester Rahmenbedingungen.

Der Generation Z sind die Ungerechtigkeit und Komplexität dieser Welt bekannt. Sie macht sich Gedanken über die Zukunft und schätzt Sicherheit und Stabilität. Eine sichere Jobperspektive, die Übernahme nach der Ausbildung, unbefristete Arbeitsverträge sowie geregelte Arbeitszeiten sind somit wesentlich für die Gen Z, sagen die Experten.  Darüber hinaus kennt die Gen Z ihre Möglichkeiten und eigenen Wert und scheut nicht, nach passenden Arbeitszeitmodellen und Entwicklungsmöglichkeiten zu fragen. Home Office und Office Sharing sowie Unternehmen, die digital auf dem neuesten Stand sind, werden für Digital Natives 2.0 attraktiv sein.

Die neue Arbeitswelt: viele Generationen und neue Konflikte

Es wird prophezeit, dass die Gen Z eine fehlende emotionale Bindung zum Unternehmen haben wird. Dementsprechend wird es eine Herausforderung sein, die Motivation der Generation anderweitig anzuregen. Interessante, herausfordernde Projekte und regelmäßiges Feedback können gute Grundlagen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sein. Grundsätzlich ist es für Unternehmen überlebenswichtig, ihre Mitarbeiter – unabhängig von der Generation – auf stetige Veränderungen in der Arbeitswelt vorzubereiten. Eine Karriere in nur einem Unternehmen wird für viele, insbesondere die Gen Z, als unrealistisch betrachtet.

Mit dem Berufseintritt der Gen Z wird die Debatte um die Konflikte zwischen unterschiedlichen Generationen im Berufsleben intensiviert. Die jungen Arbeitnehmer (Generation Y und Z) werden von ihren älteren Kollegen als weniger motiviert und weniger leistungsfähig beschrieben. Der Grund für den Konflikt liegt möglicherweise nicht nur bei den Jungen, sondern auch bei der negativen Einstellung gegenüber ihnen, schreibt die Zeitschrift Forbes. Statt zu kritisieren, sollte man demnach einfach akzeptieren, dass die jungen Menschen andere Arbeitsstrategien haben. Nicht zuletzt ist es wichtig, eigene Erwartungen an die jungen Menschen zu hinterfragen, ihnen den Freiraum für die Umsetzung eigener Ideen zu geben und mehr Verantwortung bei der Problemlösung zu überlassen.

Trotz einiger Herausforderungen wird die Gen Z die Arbeitswelt sicher nachhaltig bereichern. Ihre Affinität zu Technik und Medien, die Vertrautheit mit schnellem Wandel sowie ein starker Netzwerkgedanke machen die Gen Z – im Gegensatz zu den vorherrschenden Vorurteilen –  für die Arbeitswelt interessant.

Quellenverzeichnis

Generation XYZ – der Überblick über die Generationen auf dem Arbeitsmarkt., https://www.absolventa.de/karriereguide/berufseinsteiger-wissen/xyz-generationen-arbeitsmarkt-ueberblick (letzter Zugriff am 4.11.2019 )

Meet Generation Z: The Newest Member to the Workforce, https://www.visualcapitalist.com/meet-generation-z-the-newest-member-to-the-workforce/ (letzter Zugriff am 4.11.2019)

Was Generation Z vom Berufsleben erwartet, https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/bildung/article152993066/Was-Generation-Z-vom-Berufsleben-erwartet.html (Zugriff am 7.11.2019)

Generations Y plus Generation  Z, https://www.humanresourcesmanager.de/news/eine-neue-generation-betritt-den-arbeitsmarkt-die-generation-z.html (Zugriff am 7.11.2019)

Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie, https://www.wirtschaftspsychologie-aktuell.de/nachrichten/nachrichten-20180619-generationsunterschiede-sind-ein-mythos.html (Zugriff am 8.11.2019)

Leipziger Psychologie: Generationsunterschiede sind nur Vorurteile, https://www.mdr.de/wissen/generationsunterschiede-sind-nur-vorurteile-100.html (Zugriff am 8.11.2019)

There are only 2 ways to view Millennials and Gen Z, https://www.forbes.com/sites/markcperna/2019/10/29/only-2-ways-to-view-millennials-and-gen-z/#2c9b0f9811a2 (Zugriff am 1.11.2019)

The 11 generation Z statistics advertisers must know, https://mediakix.com/blog/the-generation-z-statistics-you-should-know/ (Zugriff am 15.10.2019)

Trend #4 – Work-Life-Separation: Sorry, Chef, das muss echt warten!, https://www.xing.com/news/klartext/generation-z-leidenschaft-uber-balance-2863 (Zugriff am 11.11.2019)

Flaws und Features der Generation Z, https://www.xing.com/news/insiders/articles/flaws-und-features-der-generation-z-2104812 (Zugriff am 11.11.2019)

Generation Z- Metastudie über die kommende Generation, https://tripleateam.ch/wp-content/uploads/2016/06/Generation_Z_Metastudie.pdf (Zugriff am 15.10.2019)

Generation Z: Arbeitswelt-Optimierer?, http://www.xing-news.com/reader/news/articles/2077631?newsletter_id=41946&toolbar=true&xng_share_origin=web (Zugriff am 1.11.2019)

Mitarbeitergesundheit: Generation Z steht nicht auf Work-Life-Blending, https://www.tk.de/presse/themen/praevention/mitarbeitergesundheit-2060060 (Zugriff am 12.11.2019)

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Munkhbuyant Tsogt-Erdene
Munkhbuyant Tsogt-Erdene studiert Psychologie an der Universität Leipzig und ist seit Juni 2019 bei den Versicherungsforen Leipzig. Sie unterstützt als Projektassistentin das Team „Vertrieb und Service“.
Kai Wedekind
Kai Wedekind ist seit 2006 für die Versicherungsforen Leipzig tätig und leitet das Kompetenzfeld »Customer Relationship Management« und »Customer Care Center Management«. Zu diesen Themen arbeitet er eng mit Versicherungsunternehmen, Universitäten und Dienstleistern der Branche zusammen und begleitet als Projektmanager zahlreiche Studien sowie Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Zudem ist er fachlicher Leiter von themenbezogenen User Groups und Konferenzen.