Kundenzentrierte Produktentwicklung und individuelle Tarifierung finden immer mehr ihren Weg in die Versicherungswelt. One-Size-fits-all-Produkte waren gestern. Heute schaut man sich den Kunden genau an und versucht, ihm ein möglichst individuelles Angebot zu unterbreiten. Auf der Fachkonferenz „Big Data und Data Analytics – Auf dem Weg zum datengetriebenen Versicherer“ trafen wir Ilko Müller-Garrels, Leiter Business Development bei der BD24 Berlin Direkt Versicherung AG. Mit ihm haben wir über das Vorgehen einer kundenorientierten Produktentwicklung im Reiseversicherungssegment gesprochen. Er beschreibt, wie man es schafft, zeitgemäß als Versicherer zu agieren und weg von einem One-Size-fits-all-Produkt hin zu einem individuellen Versicherungsangebot zu kommen.

Ein Transkript des Interviews finden Sie unterhalb des Videos.

Das Interview wurde im Rahmen der Fachkonferenz „Big Data und Data Analytics“ geführt. Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich um ein Transkript des Videointerviews.

Herr Müller-Garrels, in einem Vortrag haben Sie gesagt, die BD24 ist ein Versicherer mit vielen Verträgen zu kleinen Prämien und Sie möchten versuchen, diese Verträge an die Kundenbedürfnisse anzupassen. Wie möchten Sie hier vorgehen?

Es ist heute leider so, dass der Reiseversicherungsmarkt, in dem wir aktiv sind, sehr ausgelastet ist. Da ist nicht mehr viel Raum für neue Strukturen. Was aber auch immer passiert, ist, dass es ein Produkt für alle Kunden gibt. Es gibt dieses One-size-fits-all-Produkt, was unserer Meinung nach einfach nicht mehr funktioniert und nicht mehr zeitgemäß ist. Wir wollen dem Kunden individuell auf seine Reise, auf sein individuelles Bedürfnis das passende Produkt zusammenstellen und ihm zeigen, das ist es, was du eigentlich absichern möchtest, deswegen buche das bitte.

Die Daten, die Sie nutzen, um  dem Kunden das passende Produkt anzubieten, wo bekommen Sie diese her?

Im ersten Schritt werden wir die Daten des Reisevermittlers nutzen. Das heißt, sämtliche Daten, die der Kunde beim Buchen einer Reise angibt, werden wir nutzen, um eine adäquate Aussage zum passenden Produkt zu treffen. Wir werden zukünftig aber auch externe Datenquellen nutzen. Seien es Wetterdaten, seien es Informationen über Flugairlines, die eine Rolle spielen können, um am Ende eine risikoadäquate Prämie zu entwickeln.

Sie tarifieren während der Reisebuchung, wie sieht dieser Prozess aus?

Die große Herausforderung ist natürlich, das Ganze in Echtzeit zu realisieren, so, dass dem Kunden letztlich gar nicht auffällt, dass nicht mehr der Reisevermittler die Versicherung ausspielt, sondern wir als Versicherer dahinter stehen. Der Prozess wird tatsächlich so aussehen: Wir erhalten Informationen von dem Reiseanbieter, wenn der Kunde seine Daten eingibt. Mit diesen Daten werden wir in nahezu Echtzeit zu einer Entscheidung finden und im gleichen Schritt werden wir dann ermitteln, welches Produkt wir zu welcher Prämie ausspielen können. Dem Kunden in seiner Buchungsstrecke fällt das gar nicht auf.

Welche Risikofaktoren berücksichtigen Sie bei der Tarifierung?

Wir haben heute ein relativ starres Set an Risikofaktoren, was klassische Reiseprodukte angeht. Sei es das Alter und ob es sich um eine Familie allgemein oder um eine Einzelperson handelt. Das wollen wir aufbrechen. Wir wollen da wirklich sehr dynamisch unterwegs sein, das heißt, völlig neue Risikofaktoren nutzen. Angefangen bei den Stornostaffeln der Reiseveranstalter, über, wie schon gesagt, Airline-Ausfallrisiken, über Wetterdaten, die eine Rolle spielen können. Wenn wir wissen, dass es unglaublich viel regnen wird zu einer Reisezeit, vielleicht ist dann auch das Risiko eines Reiseabbruchs höher. All diese Quellen wollen wir nutzen, um am Ende eine passende, dem Risiko angemessene Prämie ermitteln zu können.

Dankeschön.

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Bärbel Büttner
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.