Im Grunde ist die Versicherungsbranche in ihrem Kerngeschäft nachhaltig, indem sie Risiken in ihr Kollektiv übernimmt und so den Kunden bspw. eine zugesicherte finanzielle Sicherheit im Alter bis zum Tode ermöglicht. Aber auch über den Versicherungsgedanken hinaus beschäftigen sich Versicherer mit Nachhaltigkeit und übernehmen Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern, ihren Stakeholdern, in der Kapitalanlage sowie in anderen Bereichen durch soziales Engagement oder ökologisch relevante Aspekte. Aktuell sind die Versicherer in Sachen Nachhaltigkeit aber noch recht unterschiedlich aufgestellt und weit. Die regulatorische Entwicklung zwingt die Unternehmen mittlerweile jedoch, sich in zunehmendem Maße mit dem Thema auseinanderzusetzen und ihre Strategie dahingehend offenzulegen. Spätestens mit dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) fiel für die Unternehmen 2017 der Startschuss.

Quelle: :response/Versicherungsforen (6/2019): Ergebnisse einer Befragung „Wesentlichkeitsanalysen in der Versicherungsbranche“

Wesentlichkeitsanalyse priorisiert Nachhaltigkeitsstrategie, Handlungsfelder und Maßnahmen

Ein wichtiges Analyseinstrument stellt in diesem Zusammenhang die Wesentlichkeitsanalyse dar. Sie hilft Unternehmen und auch deren Stakeholdern, die für das Unternehmen wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen zu bestimmen und daraufhin  Handlungsfelder und Maßnahmen für eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwerfen bzw. diese weiterzuentwickeln. Im Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Global Reporting Initiative (GRI) wird die Durchführung einer Wesentlichkeitsanalyse gefordert und auch der Deutsche Nachhaltigkeitskodex – den derzeit die meisten Versicherer als Berichtstandard nutzen – empfiehlt diese.

Oftmals sind viele Hierarchieebenen an der Durchführung der Analyse beteiligt, vom Mitarbeiter ohne Führungsfunktion bis hin zum Vorstand. Zunächst wird eine Liste möglicher wesentlicher Themen intern bezüglich der Relevanz für das Unternehmen und dessen Einfluss auf die Unternehmensumwelt diskutiert. Anschließend befragt der Versicherer seine externen Stakeholder, wie Kunden, Geschäftspartner, Vertreter aus Politik, Behörden, Branchenverbänden, Wissenschaft, NGOs oder Ratingagenturen, zu deren Einschätzung der wesentlichen Themen in Bezug auf die Nachhaltigkeit des Unternehmens. Auf Grundlage der Rückmeldungen – aber auch oftmals unter Berücksichtigung zusätzlicher Marktforschungsergebnisse und Medienanalysen – erstellt das Unternehmen eine Übersicht der Themen oder Handlungsfelder. Die Darstellungsweisen variieren sehr stark, von der Matrix über Tabellen bis hin zu Auflistungen in Textform. Die fünf übergeordneten Handlungsfelder von Versicherungsunternehmen sind verantwortungsvolle Unternehmensführung, Mitarbeiter, Umweltschutz und Klimawandel, Kunden und gesellschaftlicher Wertbeitrag. Hinter diesen Punkten stehen wiederum eine Vielzahl von einzelnen Unterkategorien und dazugehörige Ziele und Maßnahmen. Auch hier ist der Detailgrad noch sehr heterogen.

Quelle: :response/Versicherungsforen (6/2019): Ergebnisse einer Befragung „Wesentlichkeitsanalysen in der Versicherungs-branche“

Die Nachhaltigkeitsstrategie verknüpfen und Augenmerk auf die Kommunikation haben

Versicherungsunternehmen, die sich schon länger mit der Nachhaltigkeit ihres Unternehmens beschäftigen, haben mitunter schon eine ausgereiftere Nachhaltigkeitsstrategie. Ergebnisse einer gemeinsamen Umfrage der Versicherungsforen und des Beratungsunternehmens :response zeigen, dass die Nachhaltigkeitsstrategie bei mehr als der Hälfte der befragten Unternehmen in einzelnen Anknüpfungspunkten mit der Unternehmensstrategie verbunden ist, bei 20 Prozent hat bereits eine enge Verknüpfung stattgefunden. Aber auch hier lässt sich ein deutlicher Fortschritt seit 2017 erkennen.

Quelle: :response/Versicherungsforen (6/2019): Ergebnisse einer Befragung „Wesentlichkeitsanalysen in der Versicherungs-branche“

Während der Umsetzung der Strategie spielen nicht nur die einzelnen Maßnahmen, sondern auch die interne und externe Kommunikation dieser eine wesentliche Rolle. Fragen, die sich die Unternehmen dabei stellen, sind: Wie transportiere ich das Thema ohne Gefahr zu laufen, Greenwashing zu betreiben? Gehe ich damit erst an die Öffentlichkeit, wenn ich schon viel vorweisen kann oder berichte ich kontinuierlich von Anfang an? Intern gilt es klar einen Verantwortlichen als Ansprechpartner zu benennen (entspricht meist dem Nachhaltigkeitsbeauftragten) und stets am Ball zu bleiben, indem fortlaufend auf Umsetzungsmaßnahmen und mit Aktionen auf das Nachhaltigkeitsbewusstsein des Unternehmens hingewiesen wird. So kann – angelehnt an die gewählte Nachhaltigkeitsstrategie – die gewünschte Wahrnehmung des Unternehmens im Sinne der übernommenen Verantwortung gegenüber den Kunden, Mitarbeitern und anderen Stakeholdern sowie der Einfluss des Unternehmens auf dessen Umwelt erzielt werden.

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Bei unserer User Group "Nachhaltigkeitsmanagement"
Eva-Maria Ringel
Eva-Maria Ringel ist seit 2006 bei den Versicherungsforen Leipzig tätig. Sie ist Projektmanagerin im Team Aktuariat, Produkt- & Risikomanagement. Dort verantwortet Sie u. a. die fachliche Leitung für die User Groups „Business Continuity Management“, „Rechnungslegung“ und "Nachhaltigkeitsmanagement". Zudem ist Sie an der Erstellung zahlreicher Studien beteiligt.