Durch den Datenschutz unterliegt die Nutzung von Dashcams in Deutschland strengen Vorgaben, gerade in Bezug auf die Speicherung und Verbreitung von im Verkehr aufgenommenem Videomaterial. Wer sie einhält, kann jedoch nicht nur im Schadensfall von erheblichen Vorteilen profitieren.

Über gesetzeskonforme Nutzung, Rechtslage und Chancen für Fahrzeughalter, Versicherer und öffentliche Einrichtungen

Das Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) von Mai 2018 hat sie auch hierzulande zulässig gemacht: Dashcams – die kleinen Kameras an der Windschutzscheibe, deren Aufnahmen von Verkehrs-Rowdies, spektakulären Unfällen oder gar Meteoriteneinschlägen weltweit für Schlagzeilen sorgen. Doch bei der Verwendung ist grundsätzlich Vorsicht geboten – die Nutzung einer solchen Autokamera und damit einhergehend die Aufzeichnung von Videomaterial sind in Deutschland auch weiterhin nur bedingt gestattet, greift das Gerät doch unweigerlich in die Privatsphäre anderer Verkehrsteilnehmer ein. Laut BGH sind Videoaufzeichnungen nun trotz des Verstoßes gegen das Datenschutzrecht als Beweismittel vor Gericht verwertbar. Ausschlaggebend ist hierfür unter anderem die Beweisnot, die bei vielen Verkehrsdelikten vorliegt. Das Gericht weist jedoch darauf hin, dass permanente Aufzeichnungen ohne Anlass nicht erforderlich sind und gegen den Datenschutz verstoßen. Aber was genau ist nun laut BGH-Urteil erlaubt? Das Gerichtsurteil lässt kurze, anlassbezogene Aufnahmen zu, die Unfälle im Straßenverkehr dokumentieren und zur Klärung strittiger Unfallhergänge oder der Schuldfrage bei Gerichtsverfahren beitragen sollen. Nicht erlaubt sind jedoch wahllos und grundlos gesammelte Bilddateien anderer Verkehrsteilnehmer. Hierbei überwiegt nach wie vor der Datenschutz. Die Lösung für diese besondere Ausgangslage bietet das Loop-Recording, das die meisten Dashcam-Hersteller bereits in die Funktionspalette ihrer Geräte integriert haben. Bei dieser Aufnahmemethode werden die getätigten Aufzeichnungen kontinuierlich überschrieben und nur bei einem konkreten Vorfall durch den G-Sensor (ein Aufprall- und Bewegungssensor) oder eine manuelle Betätigung eines Knopfes an der Kamera selbst gespeichert und so vor dem Überschreiben geschützt. Die erlaubte Aufnahme- und Überschreibungsdauer ist nicht gesetzlich festgesetzt, so dass das Loop-Recording bei manchen Herstellern Aufnahmen erst bei einer vollständig belegten Speicherkarte ersetzt. Somit verbleiben gesammelte Aufnahmen jedoch oftmals zu lange auf der SD-Karte, wodurch wiederum gegen das Datenschutzgesetz verstoßen wird. Nextbase integriert in die neue Produktserie daher die „one minute loop only“-Funktion, durch die die gleiche Minute ständig überschrieben wird und so kein Bildmaterial auf der Dashcam zurückbleibt. Durch die derzeitige rechtliche Grauzone in Deutschland ist es besonders wichtig, diese vermeintlich kleinen Details bei der Nutzung von Autokameras zu berücksichtigen.

Vorteile von Dashcams im Versicherungswesen und Learnings vom britischen Versicherungsmarkt

Neben den generellen Vorteilen von Dashcams wie der Verwendung als Beweismittel vor Gericht oder dem Schutz vor Vandalismus durch intelligente Parksensoren, die bei entsprechender Erschütterung auch im stehenden Fahrzeug aufnehmen, hat das Urteil eine große Relevanz für den Versicherungsmarkt. Das gesamte Schadenmanagement –  also Erfassung, Schadensbearbeitung und Abwicklung – kann durch den entscheidenden Videobeweis erheblich verkürzt werden, wodurch sich hohe Kosten einsparen lassen. Zudem können Betrugsversuche sowie langwierige Koordinationen und Fehleinschätzungen zu lasten des Geschädigten vermieden werden. Versicherungsnehmer in anderen Ländern profitieren darüber hinaus bereits von Anpassungen ihrer Kfz-Policen: Wer eine Dashcam in seinem Auto installiert hat, erhält für die Nutzung attraktive Rabatte. In Großbritannien etwa akzeptieren alle großen Versicherer bereits Videomaterial im Schadenfall und belohnen eine Dashcam im Auto zum Teil sogar mit Rabatten auf den Versicherungsbeitrag mit bis zu 30 Prozent. Dort sind Dashcams schon seit Jahren in der überwiegenden Mehrheit der Fahrzeuge angekommen und sogar weiter verbreitet als Action-Kameras. Welche Relevanz die Windschutzscheibenkameras haben, zeigt auch, dass Nextbase in Großbritannien und Europa bereits mit 41 der größten Versicherungsanbietern zusammenarbeiten, um auch die Themen Verkehrssicherheit und Unfallaufklärung voranzutreiben. Marktprognosen von Orbis Research haben ergeben, dass der Dashcam Sektor bis zum Jahr 2023 einen globalen Gesamtmarktwert von über fünf Milliarden US-Dollar aufweisen wird. Die Zahl der Verkehrsunfälle nimmt weltweit zu, doch auch das Bewusstsein der Verbraucher und der Fokus auf Sicherheit wächst. All das beeinflusst das Marktwachstum, neben den neuen Technologien. Dashcams sind die am schnellsten wachsende Kategorie innerhalb der Consumer-Electronics-Sparte. Seit 2015 sind die Verkaufszahlen um 671 Prozent gestiegen. Nextbase begrüßt daher das Urteil des BGH und sieht Deutschland bei rund 46,5 Mio. angemeldeten Autos als essentiellen Markt. Ob und inwieweit Versicherungsnehmer auch in Deutschland von Rabatten durch die Dashcam-Nutzung profitieren können, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Derzeit werden bereits erste sehr positive Gespräche hierzulande sowie in Frankreich, Irland, Belgien und den Niederlanden geführt. Neben den bereits genannten Vorteilen im Schadenmanagement können Versicherer ihre Wertschöpfungskette erweitern, indem sie Kooperationen mit anderen Industrien eingehen. Diese sogenannten Cross-Industry-Ansätze werden derzeit etwa in den Bereichen Banken, Industrie 4.0 und Gesundheit realisiert. Die Digitalisierung sorgt für völlig neue Möglichkeiten beim Kundenkontakt und der Schadensabwicklung. Die Produkte und Dienstleistungen müssen aber so angepasst werden, dass sie den veränderten Erwartungen entsprechen, wodurch eine höhere Kundenzufriedenheit und letztlich sogar Wettbewerbsvorteile entstehen können.

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Allard Rustenhoven
Allard Rustenhoven, Head of European Communications bei Nextbase