Transparenz, Manipulationssicherheit, Dezentralisierung, Reduktion unnötiger IT-Infrastruktur und geringe Transaktionskosten – die Blockchain verspricht aktuell allerhand Vorteile, die für Unternehmen äußerst attraktiv sind. Auch in der Versicherungsbranche ist die Technologie in aller Munde, jedoch gibt es erst wenig konkrete Einsatzszenarien und Versicherungsprodukte auf Basis von Blockchain finden sich nur vereinzelt. Viele Unternehmen sind mit der neuen Technologie oftmals noch nicht sehr vertraut und Use Cases, bei denen die Blockchain der Assekuranz tatsächlichen Nutzen liefert, sind nicht einfach zu finden. Auch für die ITERGO Informationstechnologie GmbH (ERGO Global IT Architecture, Bernhard F. Kraft) stellte sich die Frage, wie man diese vielversprechende Technologie einsetzen kann. Da es im ersten Schritt jedoch nicht nur an überzeugenden Use Cases fehlte, sondern die Mitarbeiter mit der Technologie und ihren Möglichkeiten auch noch zusätzliches Wissen aufbauen wollten, entschied man sich, in einem Projekt die Blockchain-Technologie auszutesten. Ziel war es, die Technologie und ihre Möglichkeiten kennenzulernen, besser zu verstehen, im konkreten Einsatz zu testen und einen realen Anwendungsfall als Lernprojekt für die Mitarbeiter im Konzern umzusetzen.

Maximaler Lerneffekt mit einer Blockchain-App

Die ITERGO beauftragte die Versicherungsforen Leipzig, zunächst geeignete Anwendungsfälle zu evaluieren. Gemeinsam wurde aus über 20 Szenarien eine Shortlist erstellt, aus der nach umfassender Bewertung ein erster Use Case zur Umsetzung ausgewählt wurde. Auf Basis der Blockchain wurde die iOS-Anwendung „Thank You“ programmiert, mit der Mitarbeiter der ITERGO sich gegenseitig in Form von virtuellen Coins anonym bedanken und belohnen können. Diese Coins können später mittels eines angebunden Shops in kleine Sachprämien eingetauscht werden. Für die Anwendung wurden zahlreiche Blockchain-Frameworks evaluiert und schließlich (public) Ethereum ausgewählt. Die ITERGO und die Versicherungsforen entschieden sich bewusst für ein öffentliches Framework, um den technischen Implementierungsaufwand so gering wie möglich und den Lerneffekt so groß wie möglich zu gestalten. Projektzeitraum vom Kick-off bis zum Rollout des MVP (Minimal Viable Product) war September bis Dezember 2018. Die enge Zeitschiene war von der ITERGO ausdrücklich so gewünscht, um innerhalb kürzester Zeit Lerneffekte für die Mitarbeiter zu generieren. Gemeinsam entschied man sich deshalb für ein agiles Projektvorgehen mit 14-tägigen Sprints. Product Owner und Scrum Master wurden von der ITERGO gestellt. Für die Umsetzung der Blockchain-App arbeiteten die Versicherungsforen Leipzig eng mit den Partnern aus ihrem Netzwerk, den Digital Impact Labs sowie der Appsfactory, zusammen. Die ITERGO-Mitarbeiter fertigten zudem parallel die Dokumentation an, wodurch der Lerneffekt nochmals vergrößert wurde.

Mit „Thank You“ die Blockchain-Abläufe im Blick

Mit der App „Thank You“ hat die ITERGO innerhalb kürzester Zeit eine reale Anwendung auf Basis der Blockchain umgesetzt. Im sogenannten Expertenmodus der App (Etherscan u. a.) ist es technisch interessierten Mitarbeitern auch weiterhin möglich, die internen Abläufe innerhalb der Blockchain (z. B. das Mining) zu analysieren und ihr Wissen somit kontinuierlich auszubauen. Die aus dem Projekt entstandene Kompetenzen und Erfahrungen werden nun eigensetzt, um weitere, versicherungsspezifische Use Cases im Assekuranzumfeld zu identifizieren und umzusetzen.

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Vincent Wolff-Marting
Vincent Wolff-Marting ist seit 2013 bei den Versicherungsforen Leipzig, wo er die Leitung des Kompetenzteams »Digitalisierung & Innovation« übernommen hat. Nachdem er einige Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Essen und Leipzig tätig war, bringt er nun sein fundiertes (IT-)Wissen in der Versicherungspraxis ein. Er ist Ansprechpartner für alle Themen im Bereich der Versicherungsinformatik, Digitalisierung und Innovation und begleitet Versicherungsunternehmen bei Strategie- und Entwicklungsprojekten.