Zahlreiche Branchen erproben und erforschen mit Pilotprojekten oder MVPs die Realisierbarkeit und den Nutzen der Blockchain. In der Assekuranz ist die Anzahl an Praxisbeispielen zum jetzigen Zeitpunkt noch sehr überschaubar. Daher möchte ich einmal exemplarisch zwei Use Cases beleuchten. Zum einen aus Sicht der Rückversicherer und zum anderen aus dem Bereich der parametrischen Versicherung.

Um das Potenzial der Blockchain-Technologie in die Assekuranz auszuloten, schlossen sich 2016 einige globale Versicherer und Rückversicherer zusammen und gründeten die Brancheninitiative B3i (BlockchainInsurance Industry Initiative). Ziel des Konsortiums ist es, gemeinsame Erfahrungen im Umgang mit der Blockchain-Technologie an versicherungsspezifischen Anwendungsfällen zu sammeln. Mittlerweile sind 15 Versicherer und Rückversicherer involviert.

Use Case #1: Smart Contract für Rückversicherungstransaktionen

Die Initiative entwickelte als ersten Prototypen einen Smart Contract für Rückversicherungstransaktionen (für Experten: Property Cat XoL-Verträge). Diese Art von Verträgen erfordert i. d. R. umfangreiche und häufige Abstimmungen der Gegenparteien. Bisher erfolgen diese größtenteils mit Hilfe von E-Mails, PDFs und Tabellenkalkulationen. Um den Abstimmungsaufwand zu reduzieren und alle Beteiligten mit zuverlässigen Daten zu versorgen, überführte B3i diesen Prozess in die Blockchain. Diese bildet aber nicht nur den Prozess ab, sondern führt auch die Berechnung aus, übernimmt das Audit und dient als Kommunikationsmedium, welches direkte Einträge in die Blockchain vornimmt. Alle Mitglieder können diesen Prototyp uneingeschränkt testen und prüfen.

In der Testphase konnte eine deutliche Effizienzsteigerung (um bis zu 30 Prozent) gegenüber den bisherigen Methoden erzielt werden. Mit der Gründung der B3i Services AG will man nun auch unabhängiger agieren und neue Entwicklungen eigenständig vorantreiben und vertreiben. Gerade diese Ausgründung zeigt nicht nur den Erfolg der Initiative, sondern auch das enorme Potenzial, welches der Blockchain-Technologie zugeschrieben wird. 

Use Case #2: parametrischen Versicherung

Ein anderer Anwendungsfall befasst sich mit der Abbildung einer parametrischen Versicherung. Der Versicherungskonzern AXA benutzt die Blockchain, um seinen Kunden eine Flugverspätungsversicherung anzubieten. Die Plattform namens Fizzy kümmert sich durch Eingabe der Ticketnummer und der persönlichen Daten eigenständig um die Entschädigung bei einer Flugverspätung. In der Blockchain sind sogenannte Trigger-Ereignisse hinterlegt. Diese Trigger-Ereignisse lösen beim Eintreffen eine festgelegte Vertragsklausel aus. Im Speziellen regelt Fizzy die Entschädigung bei Flügen, die sich um mehr als zwei Stunden verspäten. Die Plattform greift dazu in Echtzeit auf eine öffentliche Flugverkehrsdatenbank zu und leitet beim Einlösen des Trigger-Ereignisses die Auszahlung ein. Nach spätestens sieben Tagen wird das Geld dann auf das angegebene Konto ausgezahlt. Die Entschädigung ist unabhängig vom Grund der Verspätung und richtet sich rein nach der Verspätungsdauer. Der komplette Schadenabwicklungsprozess ist somit vollautomatisiert in der Blockchain hinterlegt.

In Zukunft werden noch weitere Anwendungsfälle in der Blockchain abgebildet werden. Sowohl die AXA, B3i und andere Versicherer erarbeiten und erforschen weitere Umsetzungsmöglichkeiten. Inwieweit diese Technologie tatsächlich den Markt durchdringt, muss sich aber noch zeigen. Fakt ist, das Potenzial dazu hat sie definitiv. Wir dürfen also auf die die nächsten Jahre sehr gespannt sein.

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Marco Müller
Marco Müller ist seit September 2016 als Data Scientist bei den Versicherungsforen Leipzig tätig. Zu seinen Tätigkeitsbereichen gehören die Datenaufbereitung, Datenauswertung und Modellierung. Im Kompetenzteam »Digitalisierung und Innovation« beschäftigt er sich zudem mit den Themen Big Data, Machine Learning und künstlicher Intelligenz.