Nach Schätzungen des GDV verursachen Betrugsfälle bei den Versicherern jährlich Schäden in Höhe von 5 Mrd. Euro. Durch die Digitalisierung, Automatisierung und die Beschleunigung der Schadenbearbeitung drohen den Versicherern neue Arten des Versicherungsbetrugs, denn auch solche Systeme können überlistet und systematisch ausgenutzt werden. Es gilt, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, damit Betrug ausgeschlossen werden kann.

Die Versicherer automatisieren ihre Prozesse und sie gehen dabei auf sehr unterschiedliche Art und Weise vor. Die Allianz beispielsweise lässt Dateieingaben im System von Robotern durchführen und testet sogenannte „Bots“ zum Verwalten von Briefen, Mails und Anrufen. Lemonade setzt Chatbots bei der Bedarfsanalyse ein und automatisiert die Schadenregulierung mit Hilfe von Algorithmen.

Was den Einsatz künstlicher Intelligenz anbetrifft, steckt die Versicherungsbranche noch in den Kinderschuhen. Doch das Interesse ist groß. Schätzungen zufolge investieren Versicherer weltweit jährlich mehr als 100 Mio. Euro in künstliche Intelligenz; das Engagement der Versicherer ist deutlich größer als in anderen Branchen. Die Versicherungskammer Bayern beispielsweise managt Kundenbeschwerden mithilfe künstlicher Intelligenz und die Inter Versicherungsgruppe setzt künstliche Intelligenz in der Angebotserstellung ein. Ambitioniert ist das US-Start-up Lapetus Solutions, das versucht, mithilfe von künstlicher Intelligenz den Gesundheitszustand eines Menschen anhand eines Selfies zu analysieren und daraus Rückschlüsse auf die Lebenserwartung abzuleiten. Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, das Underwriting in der Personenversicherung radikal zu verändern.

Intelligente Betrugssoftware kann helfen

Versicherer machen derzeit große Fortschritte bei der Automatisierung der Schadenbearbeitung. Doch die schnelle Schadenbearbeitung birgt auch Risiken. Sie kann Versicherungsbetrug begünstigen, wenn man auf den Einsatz moderner Techniken verzichtet. Betrügernetzwerke sind in der Lage, die Schwachstellen der Bearbeitungsautomatismen herausfinden und diese für ihre kriminellen Zwecke ausnutzen. Dies führt aktuell zu einer Zunahme der Betrugsfälle. Eine Reihe von jungen Unternehmen bietet Versicherern neue Lösungen zur Betrugserkennung an. Einige dieser Instrumente zur digitalen Betrugsbekämpfung zeigen im Praxistest jedoch Schwächen. Die Fehlalarmquote ist hoch, in manchen Fällen erweisen sich bis zu 65 % aller angezeigten Betrugsfälle letztendlich als unbedenklich. Intelligente Betrugssoftware-Lösungen haben auf diese Probleme eine Antwort. Doch auch hier ist der genaue Blick auf den Anbieter notwendig.

Kernsysteme setzten bei den Prozessen an

Man sollte bei der Neuaufstellung der Betrugsbekämpfung nicht vergessen, dass moderne Kernsysteme Versicherern bereits viel Unterstützung geben. Einer der entscheidenden Vorteile besteht darin, dass sie nicht nur bei der IT ansetzen, sondern auch bei der Betriebsorganisation wertvolle Hilfestellung geben. Diese Systeme sind in vielen Ländern und über lange Zeiträume erprobt. Ganze Prozessketten zur Betrugsbekämpfung kann man mit ihrer Hilfe implementieren. Dadurch begegnet man dem Problem viel grundlegender, als mit so mancher Applikation.

Fachkonferenz „Versicherungsbetrug: Effektives Betrugsmanagement in der Assekuranz“ am 25./26. September 2018 in Leipzig

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Grzegorz Obszański
Grzegorz Obszański ist Lead Consultant bei Sollers Consulting. Als Projektmanager und erfahrener Scrum Master unterstützt er Versicherungsunternehmen bei ihrer digitalen Transformation, hauptsächlich in Verbindung mit großen IT-Implementierungsprojekten. Obszański hat Projekte in Großbritannien und Polen unterstützt. Seit mehreren Jahren ist er in Deutschland tätig und begleitet die Erschließung neuer Geschäftsmöglichkeiten.