Die Versicherungsbranche rechnet schon heute mit Fachkräftemangel in der IT, wenn sie einen Fünfjahresausblick geben soll. Von 297 befragten Personalverantwortlichen gaben 59 Prozent an, dass der Fachkräftemangel während der kommenden fünf Jahre steigen wird. 37 Prozent gaben an, dass er gleich bleiben wird und nur 4 Prozent waren der Überzeugung, dass der Mangel abnehmen wird. Eine doch sehr pessimistische Aussicht. Doch die Gründe dieser Problematik sind nicht in Stein gemeißelt. Fachkräftemangel ist kein Zustand, mit dem sich die Versicherungsbranche und auch andere Branchen abfinden müssen.

In diesem Artikel wird mithilfe von Zahlen und Fakten verdeutlicht, wie es zum Fachkräftemangel kommen kann und welche verschiedenen Lösungsansätze im Bereich der Weiterbildung dem entgegenwirken.

Die Schnelllebigkeit der digitalen Welt fordert von Unternehmen immer kürzere Innovationszyklen und die Fähigkeit, sich rasch an Veränderungen anzupassen. Folgerichtig gewinnt die Weiterbildung des eigenen Personals zunehmend an Bedeutung, um Schritt halten zu können und um künftig die eigenen Fachkräfte zu sichern. Dessen sind sich auch die Mitarbeiter bewusst: Laut einer Befragung von Indeed  haben rund  84 Prozent der Angestellten Interesse an beruflicher Weiterbildung, doch ein Drittel der Befragten klagt auch darüber, keine Angebote zu bekommen. Auch dann nicht, wenn Wissenslücken angesprochen und Qualifizierungsmaßnahmen selbst vorgeschlagen werden. Nicht zuletzt ist ein Großteil der Arbeitnehmer dazu bereit selbst in die eigene Weiterbildung zu investieren und sich an den Kosten zu beteiligen: 49 Prozent würden auch am Wochenende lernen, 25 Prozent würden bis zu 10 Prozent der Kosten übernehmen.

Die Digitalisierung ebnet den Weg für innovative Weiterbildungsmöglichkeiten

Die Digitalisierung erweitert die Möglichkeiten zur Qualifizierung: Neue Medienformate wie Wikis, Videotutorials, Apps, Webinare oder Massive Open Online Curses sowie Techniken wie Virtual Reality oder Augmented Reality veranschaulichen und visualisieren Lerninhalte und bieten Möglichkeiten zur Interaktion. So können Angestellte immer mehr und vor allem auch spezielles technisches Wissen im Selbststudium ausbauen und ihr Lernen im eigenem Tempo selbst planen. E-Learning bietet dabei mehr Flexibilität bei der Wissensvermittlung und Wissensaneignung als andere Lernformen. Daher setzen immer mehr Unternehmen bei der Weiterbildung ihres Personals darauf, was dazu führt, dass seit 2007 die Umsätze der Branche kontinuierlich um durchschnittlich rund 12,44  Prozent steigen.  Mit E-Learning können sich die Lernende neues Wissen orts- und zeitunabhängig aneignen, beispielsweise während einer Zugfahrt mit einem Smartphone, Tablet oder Notebook. Die Inhalte lassen sich dank lokaler Speicherung auch ohne Internetverbindung abrufen. Ein weiterer Vorteil ist die Interaktivität: Neben Wissensvermittlung beinhaltet E-Learning praktische Übungen zum Selbsttest. Die aktive Beteiligung festigt dabei das Wissen. Nicht zuletzt können Lernende beim E-Learning einen persönlichen Lernpfad einschlagen, Lektionen überspringen oder intensiver bearbeiten. Das Tempo und die Lernintervalle richten sich dabei an den eigenen Bedürfnissen aus. Während die eine Kollegin in einer Woche eine Lektion abschließt, schafft die andere vielleicht schon zwei. Dabei nutzen sie das für sie stimmigste Format – Film, Text, einen Vortrag oder eine Mischung aus allem.

Für digitale Weiterbildung muss der Weg im Unternehmen geebnet werden

Durch den Einsatz von E-Learning verschiebt sich die fachliche Kompetenzerweiterung in die Eigenverantwortung der Mitarbeiter. Das schafft neue Aufgaben für Unternehmen, denn sie müssen einen Rahmen fürs Lernen schaffen, damit dieses auch Erfolge zeigt. Lernen braucht Zeit und Konzentration, und zwar nicht nur für das Konsumieren der Lerninhalte, sondern mehr noch, um das Gelernte zu verarbeiten und umzusetzen. Im Unternehmensalltag erschweren jedoch Projektstress und Zeitmangel den Lernprozess. So entstehen enorme Motivationsprobleme: Wenn Mitarbeiter Stoff nicht verstehen, weil sie sich darauf nicht in Ruhe konzentrieren können, verlieren sie schnell den Anschluss und damit die Lust. Wenn Stoff zwar aufgenommen wurde, aber keine Zeit bleibt, neue Techniken im Alltag auszuprobieren, können Führungskräfte nicht erkennen, was gelernt wurde. Als Folge sinkt die Lust am Lernen, dabei zwingt die Digitalisierung alle Beteiligten zu neuen Methoden, Arbeitsabläufen und Techniken. Lernen ist daher ein Motor der Transformation.

Um den Spaß am Lernen zu erhalten, können Unternehmen ihren Mitarbeitern daher explizit Arbeitstage zum Lernen und Experimentieren zur Verfügung stellen. Auch mit Zertifikaten lassen sich Mitarbeiter zum Lernen animieren. Zertifikate dienen der Erfolgskontrolle und treiben Karriereschritte voran. Dadurch bekommen Bildungsmaßnahmen eine Struktur, auch wenn Lernende weiterhin frei in der Zeiteinteilung bleiben. Mit Hilfe von Gamification lässt sich die Motivation der Lernenden noch einmal steigern – und zwar auf didaktischer wie auf Unternehmensebene: So lassen sich die Teilnehmer eines E-Learning-Kurses durch ein System aus Level, Punkten, Rangabzeichen und Herausforderungen schneller und leichter zum Lernen motivieren. Werden im Programm auch noch die Best-Leistungen anderer Teilnehmer sichtbar und gemeldet, spornt das zur Nachahmung und zum Ausprobieren an. Oft genug setzen sich die Lernenden außerdem in den Pausen über persönliche Lernerfolge auseinander und finden dabei Möglichkeiten das Gelernte zu vertiefen und im Alltag umzusetzen. Was spielerisch beim Lernen gelingt, kann auf Unternehmensebene dabei helfen, einen Kulturwandel einzuläuten: Wenn mit Hilfe eines Punktesystems Lernen ausgezeichnet und mit einem Incentive belohnt wird, bleibt Weiterbildung attraktiv und wird in den Alltag integriert. Mit Zeitvorgaben verknüpft, werden die Lernpunkte außerdem zu einem spielerischen Kontrollsystem für Lernerfolge. Vorgesetzte können so leichter planen, ab wann neue Arbeitsmethoden in gewohnte Abläufe eingeplant werden können.

Ein Gastbeitrag vom CampusLab, ein etablierter Dienstleister im Bereich der beruflichen Weiterqualifizierung für Rollen und Aufgaben in IT-Projekten und in industriellen Softwareprozessen.

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Prof. Dr. Tobias Brückmann
Prof. Dr. Tobias Brückmann ist Gründer und Geschäftsführer der CampusLab GmbH, einem Spin-off der Universität Duisburg-Essen. Als Hochschullehrer und Gründer arbeitet Tobias Brückmann kontinuierlich an der Professionalisierung und Optimierung von industriellen Softwareprozessen. Zum einen als Trainer und Consultant bei CampusLab. Zum anderen als Professor für das Fachgebiet Software Engineering in der Wirtschaftsinformatik an der Internationalen Hochschule Bad Honnef (IUBH).