In der Versicherungswelt wird das Thema Cloud Computing mit Interesse verfolgt. Allerdings ist man bislang eher zurückhaltend, wenn es um die konkrete Umsetzung in den eigenen Häusern geht. So hinkt man im Branchenvergleich immer noch weit hinterher. Nur jedes zweite Versicherungsunternehmen hat sich dem Thema bislang vorsichtig angenähert. Die Ursache hierfür ist vor allem in den hohen Anforderungen an Datensicherheit zu sehen. Die Bedenken hinsichtlich Compliance und Datenschutz sind insbesondere im Umgang mit privaten Daten hoch. Fehltritte wären für eine Branche, die in hohem Maße von Vertrauen lebt, fatal und hätten hohe Reputationsverluste zur Folge. Die Cloud-Anbieter gehen mittlerweile auf die spezifischen Anforderungen der Versicherer ein. Durch den Aufbau von Rechenzentren in Deutschland, die den regulatorischen und technischen Anforderungen entsprechen, konnte man viele Skeptiker überzeugen.

Erste Schritte in die Cloud

Bei genauerem Hinsehen ist langsam ein Wandel zu erkennen. So hat sich die Provinzial Rheinland beim Aufbau eines skalierbaren Kundenportals für die Microsoft Cloud entschieden. Dieses Projekt ist besonders bemerkenswert, da es auch die Speicherung sensibler Kundendaten umfasst. Die Munich RE setzt für die Berechnung von Risiken auf Cloud-basierte Datenanalyse. Hier profitiert der Versicherer von der enormen und flexibel abrufbaren Rechenleistung.

Mehr Flexibilität und kürzere Time-to-Market

Cloud-Computing muss als wichtiger Pfeiler einer erfolgreichen Transformationsstrategie verstanden werden. So werden neue, leicht skalierbare Geschäftsmodelle ermöglicht und der Weg für eine sinnvolle Nutzung von Technologien wie KI oder Big Data geebnet. Durch die hohe Skalierbarkeit stellt man die Weichen für künftiges Wachstum. Ohne das dauerhafte Vorhalten einer entsprechend großen Infrastruktur können Lastspitzen flexibel abgefangen werden. So werden nicht genutzte eigene Serverkapazitäten minimiert. Vor dem Hintergrund knapper Ressourcen stehen die IT-Verantwortlichen der Versicherungsbranche vor der undankbaren Aufgabe, mit ihrer IT viel schneller neue Möglichkeiten auszuschöpfen. Dies ist bei einem Festhalten an in die Jahre gekommenen On-Premise-Lösungen kaum erfüllbar. Für Versicherer wird es entscheidend sein, sich durch saubere Schnittstellen schnell digital zu vernetzen und die IT-Architektur flexibel zu gestalten.

 

Mehr Cloud wagen

Viele Umsysteme liegen schon jetzt in der Cloud. Auch werden einige das Kerngeschäft unterstützende Anwendungen vermehrt in die Cloud ausgelagert. Große Potenziale verspricht die Migration von Kernprozessen wie Policierung und Schadenmanagement in die Cloud. Solch ein radikaler Schritt ist mit einer konsequenten Standardisierung verbunden. Vorteile liegen zudem in einer maximalen Verfügbarkeit und einem Umgehen der Upgrade-Problematik durch attraktive Lizenzmodelle. Eine ganzheitliche Cloud-Strategie bedeutet eine Abkehr von etablierten Prozessen und Strukturen und erfordert mehr Agilität und die Etablierung einer DevOps-Kultur. Es würde der Assekuranz guttun, wenn sie den Einsatz von Cloud-Computing konsequent vorantreibt und sich den globalen Entwicklungen nicht verschließt.

Tobias Hildebrandt
Tobias Hildebrandt ist New Business Consultant bei der Sollers Consulting GmbH in Köln. Er hält einen Master of Science in Betriebswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit Fokus auf Entrepreneurship und Marketing. Für Sollers Consulting analysiert er den digitalen Wandel in der Assekuranz und trifft Prognosen für zukünftige Trends und Entwicklungen. Tobias Hildebrandt begleitet die Erschließung neuer Geschäftsmöglichkeiten und die strategische Weiterentwicklung der Aktivitäten auf dem DACH-Markt.