Die Deutsche Bahn und die Berliner Verkehrsbetriebe tüfteln an autonomen Kleinbussen, Volvo arbeitet an einem autonomen System zur Müllentsorgung und auch die Versicherungsbranche stellt sich auf einen Wandel in der Mobilität ein. Im September 2016 nahm das Team MO14, bei welchem es sich um das erste Team im R+V Innovation Lab handelt, seine Arbeit auf. Der Schwerpunkt des Labs liegt auf dem Bereich Mobilität, insbesondere Connected Cars. Im Mittelpunkt stehen zukunftsträchtige Fragen: Wie sieht die Kfz-Versicherung von morgen aus? Welche Produkte und Dienstleistungen wünschen sich Kunden von ihrer Autoversicherung? Wird die Digitalisierung den klassischen Vertrieb abschaffen? Fragen, mit denen sich auch zahlreiche andere Vertreter der Versicherungsbranche beschäftigen.

Im Blogbeitrag wollen wir einen Blick auf die Mobilität der Deutschen werfen und schauen, wie sich diese im internationalen Vergleich schlägt.

Die Mobilität der Deutschen in Zahlen

Die Menschen werden immer mobiler: Laut dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sind 91,2 Prozent der Deutschen täglich unterwegs und Jahr für Jahr steigt die dabei zurückgelegte Strecke an. Das meistgenutzte Verkehrsmittel ist das Auto, über 70 Prozent der täglichen Wegstrecke wird damit zurückgelegt. Für das Jahr 2015 registrierte das BMVI eine Fahrleistung (Gesamtstrecke, die von Verkehrsmitteln wie Pkw pro Jahr zurückgelegt wird) für Kraftfahrzeuge von 752 Milliarden Kilometern.

Im Zuge von Digitalisierung und Vernetzung, aber auch ökologischen und ökonomischen Aspekten, verändert sich jedoch das Verständnis von Mobilität und umfasst heute mehr als nur das eigene Auto.

Deutschland (k)ein Leitmarkt für Elektromobilität?

Im Zuge der Ausweitung der weltweiten Mobilität rücken vermehrt Nachhaltigkeitsaspekte und Überlegungen zu klimafreundlichen Alternativen in den Fokus. Elektromobilität gilt hier vielfach als Schlüssel, dies zu erreichen. Weniger Lärm und Emissionen sowie eine sinkende Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen werden dazu als Argumente ins Feld geführt.

Um auch in Deutschland von diesen Vorteilen profitieren zu können, plant die Bundesregierung Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zufolge, Deutschland bis 2020 zu einem Leitmarkt der Elektromobilität zu entwickeln und mindestens eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. Aktuell scheint dieses Ziel jedoch in weiter Ferne zu sein: Zum Stichtag 1.1.2017 zählte das Kraftfahrt Bundesamt 34.022 Elektroautos im Bestand der Pkw, ein Anteil von weniger als 0,1 Prozent am gesamten Pkw-Bestand.

Neben fehlendem Engagement fehlt es hierzulande an der passenden Infrastruktur, um die Elektromobilität voranzutreiben. Als kleines Beispiel wird dazu häufig die Abdeckung mit öffentlichen Lademöglichkeiten ins Feld geführt. So kommt in den 50 größten deutschen Städten eine Ladesäule auf 11.800 Einwohner, viel zu wenig für eine flächendeckende Nutzung.

Die wirklichen Leitmärkte in Sachen Elektromobilität

Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick über unsere Ländergrenzen hinweg. So kommen in Amsterdam 650 Einwohner auf eine Ladesäule und in Oslo müssen sich sogar nur 488 Einwohner eine Ladesäule teilen. Norwegen hat mit 37 Prozent den größten Elektroautomarktanteil weltweit, wie Marktdaten des Center of Automotive Management (CAM) zeigen. Allerdings fördert die norwegische Regierung auch gezielt die Verbreitung der Elektromobilität, um ihr ehrgeiziges Ziel – bis 2025 sollen alle neu zugelassenen Autos in Norwegen Nullemissionsfahrzeuge sein – auch zu erreichen.Spitzenreiter beim Verkauf von E-Autos ist China. 770.000 Elektro- und Hybrid-Autos wurden 2017 im Land der Mitte erstmals für den Straßenverkehr zugelassen, eine Steigerung von über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für 2018 wird mit mehr als einer Million neuer Elektro- und Hybridfahrzeuge gerechnet. Damit liegt China weit vor den Absatzzahlen anderer Länder, besitzt mit gut 24 Millionen Pkw-Neuzulassungen pro Jahr aber auch den größten Automarkt weltweit. Der konsequente Ausbau der Elektromobilität wird auch in China von der Regierung vorangetrieben. Dazu verabschiedete diese im vergangenen Jahr die Einführung einer E-Auto-Quote: Ab 2019 müssen Autohersteller, die mehr als 30.000 Fahrzeuge pro Jahr im Land der Mitte verkaufen, für mindestens zehn Prozent ihrer Fahrzeuge eine Elektroquote nachweisen. Für 2020 ist eine Anhebung der Quote auf zwölf Prozent geplant.

Renaissance des Rades?

Neben der Elektromobilität gilt auch das Fahrrad als klimafreundliche Mobilitätsalternative und wird politisch unterstützt und gefördert. Laut dem Bericht 2015/16 des deutschen Mobilitätspanels wurden 2015 11,8 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt. Ein Wert, den das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) erhöhen möchte. Vorbilder seien hier unsere Nachbarländer Dänemark und die Niederlande. In diesen liegt der Radverkehrsanteil bei 18 bzw. 27 Prozent.

ÖPNV als Alternative zum Auto?

Während die Fahrradnutzung in den letzten Jahren eher konstant blieb, konnte sich der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) über Zugewinne freuen. 11,2 Milliarden Fahrgäste transportierte Angaben des VDV (Branchenverband des ÖPNV) zufolge der Liniennahverkehr 2016, was 30,7 Millionen Fahrgästen pro Tag entspricht. Die ca. 450 Mitgliedsunternehmen des VDV decken gut 90 Prozent dieses Verkehrsaufkommens ab.Laut VDV ersetzte der ÖPNV mit diesen Werten 2016 rund 20 Millionen Autofahrten täglich. Von den Verkehrsleistungen, die mittels Auto erbracht werden, ist der ÖPNV jedoch noch weit entfernt.

Connected Car

Wenn es um die Zukunft der Mobilität geht, scheint kein Thema gefragter zu sein als das vernetzte Fahrzeug. Einer Untersuchung von Deloitte zufolge lag der Umsatz mit Connected Car Services (CCS) in Europa 2016 bei 62 Millionen EUR, für 2021 wird ein Marktvolumen von 715 Millionen EUR prognostiziert.

Quellen:

BMWI: http://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Industrie/rahmenbedingungen-und-anreize-fuer-elektrofahrzeuge.html

http://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/elektromobilitaet.html

Kraftfahrt-Bundesamt: https://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/Bestand/Umwelt/b_umwelt_z.html?nn=663524

Zeit.de: http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-10/elektromobilitaet-ladestationen-deutschland-staedte

Handelsblatt.com: http://www.handelsblatt.com/auto/nachrichten/norwegen-elektroauto-boom-dank-staatlicher-foerderung/12211510.html

Auto Institut: http://auto-institut.de/pm_studien.htm

Focus.de: https://www.focus.de/auto/elektroauto/regierung-raet-vom-stromer-kauf-ab-keine-steckdose-mehr-frei-elektro-land-norwegen-hat-ein-massives-problem_id_7605175.html

Süddeutsche.de: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/e-mobilitaet-china-fuehrt-quote-fuer-e-autos-ein-1.3687137

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Magdalena Dröse
Magdalena Dröse unterstützt seit 2013 das Team „Unternehmenskommunikation und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Neben ihren redaktionellen Tätigkeiten für das Online-Wissensportal und die Themendossiers der Versicherungsforen Leipzig, ist sie für die Betreuung der Forenpartner verantwortlich. Zudem unterstützt sie die Fachteams bei der Erstellung von Studien und Whitepapern.