Diese Rechnung fasst den Zweck von Hack-Marathons (kurz: Hackathons) für die Assekuranz zusammen: In lockerer Atmosphäre und einer vorgegebenen Zeitspanne erarbeiten Entwickler, Programmierer und fachliche Experten innovative Softwarelösungen. Anschließend werden diese in einem Pitch vorgestellt und von einer Jury bewertet. Mit dem InsurHack und #_hackNEXT haben sich bereits zwei Veranstaltungen dieser Art in der Versicherungsbranche etabliert. Grund genug, die Gipfeltreffen der Assekuranz-Innovatoren einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

InsurHack – der Pionier der Versicherungs-Hackathons

Vom 18. bis zum 20. November 2016 richtete die Zurich Gruppe Deutschland mit dem InsurHack den ersten Hackathon der Versicherungsbranche aus. In 48 Stunden galt es einen Prototyp zu entwickeln, der auf Basis des neuen Bestandssystems bei Zurich, der Guidewire InsuranceSuiteTM, funktioniert. Dafür erhielten die Teams (übrigens 30 an der Zahl, in denen über 130 Teilnehmer arbeiteten) kontrollierten Zugang zu den API.  Über 50.000 Euro Preisgeld konnte sich das Team „Hacker Mates“ freuen. Das Team entwickelte ein System, das mit Hilfe eines lernenden Algorithmus E-Mails von Kunden analysieren kann und automatisch mit personalisierten Versicherungsempfehlungen antwortet. Der Erfolg des ersten Versicherungs-Hackathons hatte eine baldige Wiederholung zur Folge: Der InsurHack 2.0 fand erst kürzlich im RheinEnergieSTADION in Köln statt. Vom 6. bis zum 8. Oktober 2017 tüftelten 130 Teilnehmer aus 17 Ländern in 26 Teams an Softwarelösungen zu den Themen Open Data und Everyday Insurance. Den ersten Preis in der Kategorie Everyday Insurance gewann das Team Trojan Hörses: Das Team programmierte eine App, die den Kunden auf eine Unwetterwarnung hinweist. Den zweiten Platz konnte eine Versicherungsberatung per Sprachsteuerung erringen und Platz drei ein Schadenregulierungssystem, das Fahrzeugschäden über einen Sensor erfasst und automatisch an den Versicherer weiterleitet.

#_hackNEXT – Münchens Antwort auf den InsurHack

Ein weiterer Hackathon fand vom 24. bis 25. März 2017 in München statt. Die Allianz, ZEB, Franke und Bornberg und DataArt organisierten den #_hackNEXT 2017, an dem 13 Teams teilnahmen. 30 Stunden lang tüftelten die Teilnehmer für 10.000 Euro und die Chance, die Innovation beim ExecInsurtech zu pitchen. Das Gipfeltreffen stellte drei Challenges bereit:

  1. „New Customer Experience“: Wie kann es Versicherern mit Hilfe digitaler Lösungen gelingen, Kundenerlebnisse mit echtem Mehrwert zu generieren und damit die Loyalität und Weiterempfehlungsbereitschaft zu verbessern?
  2. „Best Ager – Silver Surfer“: Wie können sich Versicherer ihren Platz in der Lebenswelt dieser wichtigen und zunehmend digitalen Zielgruppe sichern?
  3. „Internet of Things“: Wie können Sachversicherer IoT-basierte Geschäftsmodelle und Technologien zum Vorteil ihrer Kunden einsetzen?

Laut der Webseite von #_hackNEXT wurden die entwickelten Lösungen anhand von vier Kriterien bewertet: Der Hack musste Kundenprobleme lösen, innovativ für die Versicherungsbranche sein, die Jury überraschen und eine gute Qualität des Codes aufweisen. Diese Kriterien erfüllte die Lösung Meta@Hack am besten. Dabei handelt es sich um ein Tool, mit dessen Hilfe Patienten von Alexa automatisch über ihre einzunehmende Medikation benachrichtigt werden. Platz 2 ging an Carlexa, ein Tool zur Schadenregulierung per Sprachassistentin Alexa. Platz 3 errang ein Chatbot, der vermietete Gegenstände versichert.

Versicherungs-Hackathons – Erstes Zwischenfazit nach zwölf Monaten

Ein Jahr nach dem ersten InsurHack kann das Potenzial von Hackathons für die Assekuranz nicht mehr bestritten werden. Fachliche und technische Expertise werden für die Entwicklung und Programmierung einer Software gebündelt. Dabei wird innerhalb kürzester Zeit ein Prototyp angefertigt. Die Versicherer haben die Notwendigkeit des Innovierens also erkannt und lassen die Phase, nur über Veränderungen zu sprechen, hinter sich. Die im Titel des Beitrags vorgeschlagene Rechnung geht aber nur auf, wenn die entwickelten Softwarelösungen von den Versicherern auch implementiert werden.

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Julian Planitzer
Julian Planitzer war von 2015 bis 2018 im Team „Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig als Werkstudent tätig. Er unterstützte die redaktionelle Pflege der Website sowie die Betreuung der Forenpartner und war für die statistische Auswertung der Websitezugriffe zuständig.