Unsere Interviewreihe anlässlich des diesjährigen Partnerkongresses geht in die nächste Runde. Dieses Mal standen mir Christian Schreiber und Martin Groschke von CORE Rede und Antwort. Unter Einbezug von Wissenschaft und Forschung unterstützt CORE Unternehmen aus dem Finanzumfeld, ihre IT fit für die Zukunft zu machen. Was das genau bedeutet, verraten die beiden im Interview.

 

CORE beschreibt sich selbst als ein auf IT-Transformationen spezialisierter Think Tank. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Christian Schreiber: Die Einschätzung, Bewertung und Absicherung von Risiken stellt das Kerngeschäft von Versicherungen dar. Dieses Geschäft wird weitgehend durch IT unterstützt. Wir sehen jedoch, dass Geschwindigkeit und Umfang von IT-Innovationen die organisatorische Adaptionsfähigkeit der Versicherungsinstitute überfordern. Die Veränderungskomplexität steigt weiter, Kunden und Zulieferer emanzipieren sich. Im Ergebnis sind bisher stabile Wertschöpfungsketten rapiden Veränderungen unterworfen, klassische Ertragsdispositionen werden zunehmend in Mitleidenschaft gezogen.

Um das aktuelle Potenzial der Technologieentwicklung heben zu können, sind erhebliche organisatorische Veränderungen der Marktteilnehmer einzuleiten: von den Aufsichtsräten und Vorständen über das Seniormanagement bis hin zur Teamebene, wo Vorgehensmodelle und Organisationsformen umzustellen, Mitarbeiterstrukturen zu entwickeln sowie Methoden und Prozesse einzuführen sind, die bisherige Erfahrungswelten der Versicherungsindustrie erheblich erweitern.

 

CORE

Martin Groschke (rechts) im Gespräch

 

All diese Themen haben mittelbar etwas mit Technologie zu tun, unmittelbar stellen sie aber ein komplexes Netzwerk an Zusammenhängen dar, das strukturiert und pro Themenfeld mit inhaltlichem Tiefgang weiterzuentwickeln ist. Da es – auch international – wenige Erfahrungswerte gibt und bisherige Modelle nur eingeschränkt bis gar nicht helfen, ist an vielen Stellen Forschungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten. Weniger in der Akzeptanz der Herausforderung, vielmehr operativ in ihrer Bewältigung. Mit diesen Aufgabenstellungen beschäftigt sich CORE seit seiner Gründung im Jahr 2009.

Martin Groschke: Der Ansatz von CORE besteht darin, Unternehmen in strategischen, erfolgskritischen IT-Transformationsprojekten zu beraten. Wir fokussieren uns dabei auf die Finanzindustrie, d.h. Banken und Versicherungen. Somit rücken übergreifende Themen wie zukunftsweisende IT-Strategien, agile Projektmanagement-Methoden, die IT-Security oder die Befreiung von IT-Legacy in den Fokus. Think Tank beschreibt die übergreifende Betrachtung der Herausforderung einer Branche zu relevanten Themen.

 

Beratung allein greift aber bestimmt zu kurz, oder? Was zeichnet CORE aus?

Martin Groschke: Unser Ansatz geht darüber hinaus. Wir verstehen uns nicht nur als Berater, sondern sehen uns durchaus in der Verantwortung, die Problemstellung umfassend zu beschreiben, die Handlungsoptionen zu entwickeln und dafür Sorge zu tragen, dass die identifizierten Herausforderungen tatsächlich operativ umgesetzt werden. Das geht weit über die Arbeit mit PowerPoint hinaus, weswegen wir ein Institut für die Forschungsarbeit betreiben, aber auch hervorragende Softwareingenieure in unseren Reihen wissen, die sich dem Software- und Systemengineering widmen, und auch Infrastruktur-Manager, die eigene High End-Rechenzentren betreiben, in denen unsere Entwicklungssysteme und Lösungen der Klienten produziert werden. Die Beratung spielt dabei eine verbindende, aber eher eine didaktische Rolle. Mit diesem Ansatz sind wir in Deutschland, aber auch international sehr erfolgreich und wachsen seit Jahren stabil im zweistelligen Bereich.

Zudem verfolgen wir in der Beratung einen innovativen Ansatz, das scheinbar Unvereinbare zu vereinen. Die zwei Ausprägungen unserer Karrierepfade bei CORE Generalist und Spezialist führen wir in jedem unserer Projekte zusammen, um für unsere Klienten den bestmöglichen Nutzen zu erzielen. Die Mehrzahl unserer Engagements umfasst eine Vielzahl von inhaltlich getriebenen und hoch komplexen Fragestellungen der Finanzindustrie. Diese reichen von der klassisch zu entwickelnden IT-Strategie über ein komplexes Multi-Programm-Management unter Einsatz agiler Methoden und die Umsetzung von regulatorischen Anforderungen mittels IT bis hin zur Steuerung von Implementierungen.

 

Das sind dann bestimmt die hybriden Teams, von denen ich im Vorfeld des Interviews gelesen habe. Worin liegen die Vorteile solcher Teamkonstellationen?

Martin Groschke: Durch die Zusammenführung unserer Kollegen mit den beiden Ausprägungen des Generalisten und Spezialisten sind wir fortwährend in der Lage, Expertenteams zusammenstellen und diese additiv, also projektbegleitend oder fallbezogen hinzuziehen zu können. So stellen wir sicher, jederzeit methodisch und inhaltlich präzise agieren zu können.

Christian Schreiber: Durch die heterogenen Konstellationen der Teams sind wir in der Lage, unterschiedliche Schwerpunkte mit gleicher Qualität zu bearbeiten. Uns ist die Diversität in unseren Teams sehr wichtig. Wir versuchen jedes Projekt so zu besetzen, dass wir die spezifischen Herausforderungen adressieren. Ein In-Memory-Datenbank-Architekt fühlt sich per Selbstverständnis in der IT-Strategiearbeit nicht wohl, wird aber schnell Oberflächlichkeiten bisheriger IT-strategischer Ableitungen identifizieren. Daraus ziehen unsere Kunden großen Nutzen in den aktuellen Management-Diskussionen. Im Ergebnis steigt die Entscheidungsqualität proportional mit der Wahrscheinlichkeit des Erfolgs im Einsatz ohnehin mittlerweile sehr knapper Ressourcen.

 

Arbeitet CORE mit festen Mitarbeitern oder gibt es eine Art „Talentpool“, aus dem Mitarbeiter dann projektbezogen angestellt werden?

Martin Groschke: Wir legen bei CORE großen Wert darauf, dass unsere Mitarbeiter sich explizit als Teil der Firma verstehen und die Werte der Firma vertreten. Deshalb arbeiten ausschließlich festangestellte Kollegen bei CORE. Dies prägt unsere Identität. Gegenüber unseren Klienten sind wir unseren Werten „Performance, Trust & Expertise“ verpflichtet; unsere Mitarbeiter sind dabei unser wichtigstes Kommunikationsmittel.

 

CORE

CORE zur Jahresklausur im Bauhaus Dessau

 

Unter dem Mantel von CORE scheinen verschiedene Einheiten zu stecken. COREinstitute, COREtransform, COREengineering… Was hat es mit den einzelnen Bereichen auf sich?

Martin Groschke: CORE versteht sich als professionelle Klammer und die einzelnen Entitäten verdeutlichen unsere thematische Vielfalt sowie den innovativen Ansatz. Die Entitäten dienen dazu, sich sowohl intern als auch nach außen inhaltlich präzise aufzustellen. Das COREinstitute ist eine Denkfabrik und entwickelt für den Markt relevante Themenstellungen. Bspw. haben wir für die deutsche Kreditwirtschaft die heute aktuell diskutierten Zahlungsverfahren vor mehr als drei Jahren analysiert und auf Basis dieser Arbeiten sind weitreichende Entscheidungen marktübergreifend getroffen worden. Ebenfalls veröffentlichen wir wissenschaftliche Aufsätze, begleiten Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten, pflegen Kooperationen mit Hochschulen und sind Gastgeber für Kongresse und Netzwerke. Weiterhin betreiben wir mit dem COREtechmonitor einen Blog, in dem regelmäßig zu aktuellen Fragestellungen Stellung bezogen wird. COREtransform steht für unser Beratungsgeschäft. Im COREengineering widmen wir uns der Entwicklung individueller Softwarelösungen für unsere Klienten. Dabei sind wir in der Lage, sowohl die Steuerung von IT-Umsetzungen als auch die eigentliche Entwicklung zu übernehmen. Daneben gibt es noch COREoperating, welches den Betrieb der Systeme sicherstellt.

 

Sie haben es gerade schon angedeutet, dass CORE mit verschiedenen Partnern aus der Wissenschaft zusammenarbeitet und sich an verschiedenen Studien- und Forschungsprojekten beteiligt. Warum ist Ihnen ein Engagement in diesem Bereich wichtig und welche Ziele verfolgen Sie damit?

Martin Groschke: „Competence leads“, dies ist unser Slogan und zugleich das Versprechen für unsere Klienten. Daher besitzen der Wissenstransfer sowie die wissenschaftliche Arbeit für uns eine hohe Bedeutung. Wir haben den Anspruch, nicht nur inhaltlich relevant, sondern auch führend zu sein. Wir heben uns dadurch ab, dass wir durch Analysen von Trends, Ereignissen und Studien sowohl für unsere Klienten als auch für die persönliche Entwicklung unserer Mitarbeiter einen Mehrwert liefern. Dieses Ziel verfolgen wir ebenso in Kooperationen, z.B. dem BIAN (Banking International Architecture Framework) oder mit der ESMT (European School of Management and Technology) in Berlin.

 

CORE

Christian Schreiber(2. v.r.) im Workshop mit Studenten

 

Christian Schreiber: Die Idee des Bauhauses leitet unsere Arbeit: Die Form folgt der Funktion. Nicht ohne Grund findet unsere Jahresklausur wiederkehrend im Bauhaus in Dessau statt. Im Vordergrund steht dort die Verbindung von Handwerk und Design mit funktionaler Prägung. Für mich sind die gegenseitige Inspiration und der übergreifende Ansatz wesentlich, um den immensen Herausforderungen im IT-Management gerecht werden zu können. Bei CORE verfolgen wir die gleichen Ziele, indem wir IT und Betriebswirtschaft zusammenführen. Die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Ansätzen gehört selbstredend dazu.

 

Bisher kommen die Klienten von CORE ja insbesondere aus dem Bankenbereich. Welche Anknüpfungspunkte bestehen zwischen CORE und der Versicherungswirtschaft? Gibt es bereits erste Projektideen, zu denen Sie etwas erzählen dürfen?

Martin Groschke: Banken und Versicherungen sind zwei verschiedene Branchen, sie stehen jedoch vor ähnlichen Herausforderungen: Die IT-Systeme sind vielfach historisch gewachsen, durch die Architektur-Sedimentierung komplex, weisen hohe Kosten auf, sind fehleranfällig und für künftige Herausforderungen des Marktes weitgehend ungeeignet. Neben Niedrigzins und Regulatorik erhöhen auch aktuelle technologische Entwicklungen und das sich verändernde Kundenverhalten den Wettbewerbsdruck. Ebenfalls erscheinen neue bzw. branchenfremde Wettbewerber auf dem Markt, die Teile der Wertschöpfungskette als eigenes Angebot formulieren. Es gibt zahlreiche Anknüpfungspunkte für CORE im Versicherungsbereich. Unsere Studien und Projekte haben gezeigt, dass die Erfahrungen aus der Arbeit bei Banken auch in vergleichbaren Situationen der Versicherungen einen Mehrwert bieten und konkret unterstützen, den Geschäftserfolg auch zukünftig abzusichern.

Christian Schreiber: Ein kleiner Einblick in unsere Projekte verdeutlicht die oben beschriebene Bandbreite: Bisher haben wir u.a. IT-Strategien sowie langfristig orientierte Projekte zur Steigerung der Lieferfähigkeit der IT bei Allspartenversicherern begleiten dürfen. Außerdem unterstützen wir – übrigens umfänglich in agilen Methoden aufgesetzt – die Erneuerung der nahezu kompletten IT-Anwendungslandschaft bei einem Spezialversicherungsinstitut.

 

Zum Abschluss noch ein kleiner Blick zurück und nach vorn. Wie entstand die Geschäftsidee von CORE, wie hat sich das Unternehmen seitdem entwickelt und welche Pläne verfolgt CORE für die Zukunft?

Martin Groschke: CORE wurde 2009 mit der Idee gegründet, strategische Beratung und IT-Kompetenz kraftschlüssig zu vereinen. Diese Idee verfolgen wir konsequent weiter. Sowohl Umsatz als auch Mitarbeiter wachsen seit der Gründung jährlich deutlich über dem Marktwachstum. Zudem werden wir zunehmend als Experten in Gremien berufen und neben dem Beratungsgeschäft konnten wir uns erfolgreich als Experten auf internationalen Kongressen positionieren, was sich in Anfragen für Impulsvorträge oder als Sprecher widerspiegelt.

Christian Schreiber: Unser Wachstum hat es uns ermöglicht, den Branchenfokus von Banken auf Versicherungen zu erweitern. Wir erschließen uns weitere Themengebiete innerhalb unserer Branche, aber suchen ebenso aktiv nach weiteren Überschneidungen mit anderen Branchen. Oftmals werden Themen wie zum Beispiel agile Management-Ansätze nicht ausschließlich bei Banken und Versicherungen diskutiert.

Unserer „Startidee“ werden wir in der Zukunft in jedem Fall treu bleiben. Beratung sollte aus unserer Sicht stets mit hoher fachlicher Kompetenz untermauert werden. Wir verstehen uns als trusted Advisor in den geschäftspolitisch sensiblen Bereichen der Finanzbranche.


 

Das Interview entstand anlässlich unseres alljährlich stattfindenden Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig. Wie auch schon im letzten Jahr steht dieser im Zeichen der Innovation. Neben zahlreichen Akteuren der Versicherungsbranche, begrüßen wir zudem einige Unternehmen, die den Versicherungsmarkt mit neuen Produkt- und Serviceideen aufmischen wollen. Auf unserem Fachblog für die Assekuranz stellen wir diese vor und werfen einen Blick hinter die Kulissen.

Die Interviews finden Sie in unserer Rubrik „Innovation & Trend“.

 

Magdalena Dröse
Magdalena Dröse unterstützt seit 2013 das Team „Unternehmenskommunikation und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Neben ihren redaktionellen Tätigkeiten für das Online-Wissensportal und die Themendossiers der Versicherungsforen Leipzig, ist sie für die Betreuung der Forenpartner verantwortlich. Zudem unterstützt sie die Fachteams bei der Erstellung von Studien und Whitepapern.