Es fehlt an Nachwuchs! Auch wenn die Geburtenzahlen mittlerweile leicht steigen, qualifizierter Nachwuchs ist in der Versicherungsbranche dennoch nur schwer zu finden. Das Stelleninserat in der örtlichen Tageszeitung gehört schon lange der Vergangenheit an. Xing, LinkedIn, aber auch Facebook und Twitter haben der Suche nach Mitarbeitern einen neuen Anstrich verpasst. Social Recruiting ist das neue Zauberwort. Einige Trends dieser neuen Entwicklung möchte ich heute vorstellen.

 

Social Recruiting, Bild: web © Julien Eichinger - Fotolia.com

 

Social Selling als Lösung für den Fachkräftemangel?

Die meisten Talente sind nicht aktiv auf Jobsuche, sondern eher sogenannte ‚passive Kandidaten‘. Diese Talente sind die Zielgruppe für den ersten vielversprechenden Recruiting-Trend: das Social Selling. Hier soll mit interessanten und mehrwertigen Inhalten das Interesse der potenziellen Kandidaten geweckt und ihre Aufmerksamkeit auf das Unternehmen gelenkt werden. Das Unternehmen muss sich also gut „verkaufen“ durch die professionelle Darbietung von Content, wobei man dabei insbesondere auf das Social Web setzt.[1]

Die hohe Reichweite sozialer Netzwerke hat noch einen weiteren Vorteil: Unternehmen erreichen nicht nur die genannten passiven Kandidaten, sondern auch die ‚Empfehler‘, also beispielsweise Freunde und Bekannte, die auf das Potential des Unternehmens als Arbeitgeber aufmerksam machen. Social Selling bietet damit die Chance, eine größere und wertvollere Gruppe von Talenten, nämlich die, die nicht aktiv auf der Suche sind, über soziale Netzwerke (z.B. LinkedIn, XING etc.) anzusprechen.

 

Mobile Recruiting – Smart bewerben

80% der Bewerber setzen mittlerweile ihr Smartphone zur Jobsuche ein.[2] Somit gewinnt, wie fast in jedem Bereich, das Thema mobil auch im Recruiting immer mehr an Bedeutung. Mobile Recruiting kann mithilfe von eigenen Apps, mobilen Stellenanzeigen oder einem mobilen Bewerbungsprozess über LinkedIn- und Xing-Verknüpfungen realisiert werden. Die Vorteile: Jobsuchende und Interessierte erhalten wichtige Informationen schnell und unkompliziert. Neben der gesteigerten Flexibilität und den Kostenersparnissen zählt auch die extrem hohe Reichweite zu den Vorzügen. Zusätzlich beweisen Unternehmen, die Mobile Recruiting nutzen, dass sie gegenüber Innovationen offen sind und den Geist der Zeit erfasst haben. Bevor Mobile Recruiting Teil der Personalmarketingstrategie wird, sollte auch den Nachteilen Beachtung geschenkt werden, zu denen insbesondere die hohen technischen Anforderungen zählen, die überwunden werden müssen. Neben einer für das Smartphone angepassten Darstellung der Website gilt es auch, die übermittelten Datenmengen so gering wie möglich zu halten. Auf eine permanente Aktualisierung der Inhalte darf dabei jedoch nicht verzichtet werden.[3]

Mittlerweile wurde auch der Nachrichtendienst WhatsApp als Bewerbungstool entdeckt. Als Vorreiter ist hier die Daimler AG zu nennen, die Anfang letzten Jahres eine bislang einmalige Aktion startete: Potenzielle Bewerber durften innerhalb eines WhatsApp-Gruppenchats Mitarbeiterin Edith einen Tag lang begleiten und Fragen zu ihrem Arbeitsalltag und zum Arbeitgeber stellen. Die Teilnehmerzahl war auf 100 beschränkt – mehr Nutzer passen nicht in einen Chat – der Erfolg jedoch war groß. Daimler erntete viel Lob für dieses Vorgehen und im Nachhinein konnten zahlreiche Bewerberkontakte hergestellt und vertieft werden.[4]

Dennoch sollten auch die Schattenseiten der Nutzung von WhatsApp zur Bewerberkommunikation bedacht werden. Aus Sicht vieler Datenschützer ist die Nutzung mehr als bedenklich. Zum einen, da die Nutzung von WhatsApp für kommerzielle Zwecke nicht gestattet ist. Zum anderen ist es gemäß Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) nicht erlaubt, Daten im Rahmen der WhatsApp-Nutzung zu erheben, zu speichern oder zu verwenden. Eine deutlich datenschutzkonformere Alternative ist der Messenger-Dienst Smoope. Die ursprünglich für den Kundenservice entwickelte App soll das Prinzip des Instant Messaging aus dem privaten Bereich herausholen und die Nutzung für den geschäftlichen Bereich fördern. Erste Unternehmen haben bereits das Potenzial von Smoope für den Bewerberprozess erkannt. So setzt der Sender Sky die App im Recruiting-Prozess ein. Bewerber können die App nutzen, um wichtige Fragen über ihre (potenzielle) Karriere loszuwerden und den Stand ihrer Bewerbung abzufragen. Im Gegensatz zu WhatsApp weist Smoope explizit auf seine Datenschutzrichtlinien hin und kann aus diesem Grund problemlos für die Kunden- und Bewerberkommunikation eingesetzt werden. Die zahlreichen Vorteile von Smoope – zu denen eine unkomplizierte und vor allem zeitgemäße Kommunikation zwischen Unternehmen und Bewerber zählt – haben mittlerweile auch die Schweizer Bundesbahnen, das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich und die Versicherung AXA Winterthur überzeugt.

 

Mit Videos zum Erfolg: Whatchado

Dass Videos auch im Social Recruiting ziehen, zeigt das Start-up Whatchado. Die Online-Plattform, die sich als „Handbuch der Lebensgeschichten“ bezeichnet, gibt Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Arbeitsuchenden die Chance, sich mit kurzen Videos vorzustellen und die eigene Geschichte zu erzählen. Dies geschieht anhand von Fragen, die das Whatchado-Team seinen Mitgliedern stellt, wobei besonders darauf geachtet wird, ein authentisches Bild der User zu vermitteln. Das Online-Portal zielt allerdings nicht nur auf die reine Vermittlung zwischen Unternehmen und potenziellen Arbeitnehmern ab, vielmehr soll die Plattform als Orientierungshilfe dienen, die falschen Vorstellungen gegenüber Unternehmen und potenziellen Arbeitgebern entgegenwirkt. Über 5000 Stories aus über 30 Ländern wurden mittlerweile auf der Plattform veröffentlicht und machen diese zu einem enormen Erfolg für die Entwickler. Zu den vertretenen Unternehmen zählen neben der Polizei Berlin und dem Tropical Island Resort auch namhafte Versicherer wie die Direct Line Versicherung, der Axa Konzern und die Generali Gruppe Österreich.

Die vorgestellten Trends und Beispiele zeigen, dass die Möglichkeiten für ein modernes, erfolgreiches Recruiting vielfältig sind und deren Stellenwert nicht vernachlässigt werden sollte. Auch für die Versicherungsindustrie als eher traditionelle Branche lohnt es sich, den Schritt ins Social Recruiting zu wagen!


 

Neue Wege im Recruiting sind auch ein Schwerpunktthema im Rahmen unserer User Group „Human Resources in der Versicherungswirtschaft“ am 8./9. November 2016. Diskutieren Sie mit!

 

[1] Vgl. Barbara Braehmer: Die 7 zentralen Social Recruiting Trends 2016, 05.01.2016, online unter: http://intercessio.de/die-7-zentralen-social-recruiting-trends-2016/

[2] ebd.

[3] Vgl. Christiane Siemann: Mobile Recruiting – Mit Twitter und SMS zu neuen Bewerbern, online unter: http://www.jobware.de/Karriere/Mobile-Recruiting-Mit-Twitter-und-SMS-zu-neuen-Bewerbern.html

[4] Vgl. Katharina Dorp: Recruiting-Trends: Mit Snapchat und Whatsapp zu neuem Personal?, 10.11.2015, online unter: http://blog.zukunft-personal.de/de/2015/11/10/recruiting-trends-mit-snapchat-und-whatsapp-zu-neuem-personal/

Julia Ende
Julia Ende war 2014 bis 2017 im Team „Unternehmenskommunikation und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig als Werkstudentin tätig. Sie unterstützte die redaktionellen Arbeiten für den Trendletter der Versicherungsforen Leipzig sowie die Betreuung der Forenpartner und die redaktionelle Pflege der Webseite.