Ob Single, klassische Familie oder Patchworkfamilie – es gibt heute zahlreiche Formen des Zusammenlebens und des „Familie-Seins“. Die traditionellen Formen von Partnerschaft und Familie befinden sich im Wandel. Individualität ist hier großgeschrieben. Das Angebot an Versicherungsprodukten für Familien ist genauso umfangreich wie die Formen des Zusammenlebens. Doch werden diese den individuellen Anforderungen und Erwartungen der Kunden gerecht? Und lassen sie sich flexibel an die unterschiedlichen Familienformen anpassen? Nach meiner Erfahrung handelt es sich in den meisten Fällen – sicherlich auch regulatorisch bedingt – „nur“ um Ausschnittsdeckungen mit einem eingeschränkten Maß an Flexibilität. Für mich stellt sich daher die Frage, wie die Versicherungswirtschaft mit den Veränderungen in der Gesellschaft am besten Schritt halten kann: Sollten bestehende Produkte weiterentwickelt werden? Muss die „Produktwelt“ komplett neu erfunden werden? Oder können vielleicht bestehende Produkt-Bausteine genutzt werden?

„Bestehende Bausteine nutzen“ – Diesen Ansatz finde ich unheimlich interessant. Ich bin der Meinung, es gibt bereits viele Grundlagen, Leistungen und Erfahrungen, die sich bewährt haben und vielleicht einfach nur neu kombiniert bzw. zusammengesetzt werden müssen. Stellt sich nur noch die Frage, wie man die beste Kombination identifiziert. Bei der Suche nach einer Antwort hierauf bin ich auf LEGO® SERIOUS PLAY® gestoßen. Diese Methode scheint mir am geeignetsten dafür zu sein. Wie LEGO® SERIOUS PLAY® funktioniert und warum bzw. wofür es gut geeignet ist, möchte ich im Folgenden erläutern…

 

Bild: Building new business © DragonImages - Fotolia.com

 

Die Methode: Mit den Händen denken

Da er nach einer innovativen Strategieentwicklungsmethode suchte, entwickelte Kjeld Kirk Kristiansen, Haupteigentümer von Lego®, ab 1996 gemeinsam mit zwei Professoren vom International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne LEGO® SERIOUS PLAY®. 2002 wurde die Methode der Öffentlichkeit präsentiert und seit 2010 ist sie unter einer Creative Commons Lizenz öffentlich nutzbar.

Was aber steckt hinter dieser Methode? LEGO® SERIOUS PLAY® wird meist in Rahmen von Workshops genutzt, um abstrakte und komplexe Sachverhalte einfach (und unterhaltsam) aufzubereiten und zeitnah Lösungen zu entwickeln. Ein zentrales Element dabei ist die Hand-Hirn-Verbindung zur Förderung von Kreativität. Essentiell für LEGO® SERIOUS PLAY® sind einerseits – wie zu vermuten – eine Vielzahl an LEGO-Bausteinen sowie ausreichend Raum und andererseits ein kompetenter und geübter Moderator, der durch den Workshop führt.

Grundsätzlich empfiehlt sich, die Methode zu Beginn des Workshops durch den Moderator erläutern zu lassen und erste kleinere Übungen mit den LEGO®-Steinen durchzuführen. Damit sollen die Teilnehmer mir der Arbeit mit LEGO® vertraut gemacht  und Potenziale aufgezeigt werden. Anschließend sollte die Problemstellung (z.B. die Entwicklung eines neuen Versicherungsproduktes) definiert werden.

Analysierte Aspekte oder Problemlösungen gilt es nun selbstständig mittels der Bausteine darzustellen. Das kann abstrakt in Form von Metaphern sein (z.B.: ein Steinhaufen für die hohe Zahl an Optionen, die ein Versicherungsprodukt bietet) oder auch ganz konkret (z.B.:  ein Mann, eine Frau und ein Kind als Verbildlichung einer Familie).

In großer Runde werden dann die „Werke“ präsentiert und besprochen. Das ist der Zeitpunkt für Rückfragen, Feedback und den persönlichen Austausch. Abschließend werden die Gedanken und Ideen zu einem gesamthaften Ergebnis zusammengetragen.

Die Vor- und Nachteile auf einen Blick

Vorteile von LEGO® SERIOUS PLAY®

  • komplexe Sachverhalte werden einfach, verständlich und einprägsam dargestellt
  • kritische Punkte werden auf spielerische Weise offen diskutiert
  • Kommunikation und Verständnis wird durch Visualisierung verbessert
  • Probleme werden verbildlicht und „greifbar“ gemacht
  • Probleme werden kreativ und direkt durch gemeinsames Bauen, Abstimmen, Priorisieren und Optimieren gelöst
  • neue Ideen werden gemeinsam erzeugt (Teamstärkung und Erhöhung der Motivation bei der Projektumsetzung)
  • unterschiedliche Entwicklungsszenarien werden unkompliziert getestet

Nachteile von LEGO® SERIOUS PLAY®

  • LEGO®-Bausteine werden benötigt (materialintensiv)
  • ausreichend Platz muss für das Bauen und Entfalten vorhanden sein (raumintensiv)
  • ein ausgebildeter Trainer sollte durch den Workshop führen
  • für manche Menschen kann dieser spielerisch-kreative Ansatz schwer zugänglich sein

Fazit

Ob Großunternehmen, Institutionen oder einzelne Unternehmenseinheiten  – LEGO® SERIOUS PLAY® findet immer größere Beliebtheit bei der Produkt-, Strategie- oder Teamentwicklung. Aktuelle Herausforderungen werden kreativ beleuchtet und können durch die Methode verständlich und konkret dargestellt werden. Mit LEGO® SERIOUS PLAY® erhält man einen anderen Blick auf Dinge und arbeitet gleichzeitig neue Ansätze heraus.


 

Das Konzept von LEGO® SERIOUS PLAY® lebt vom „Machen“ und von der Interaktion und ist deshalb nur schwer in Worte zu fassen. Wenn Sie also mitmachen und sehen wollen, wie man die Methode bei der Entwicklung von Produktideen einsetzen kann, schauen Sie bei unserer »Produktwerkstatt – Spartenübergreifend vom Kundenbedarf zum ganzheitlichen Lösungskonzept« am 04./05. Juli in Leipzig vorbei.

 

 

 

Justus Lücke
Justus Lücke, Jahrgang 1981, studierte an der Universität Göttingen Mathematik mit Schwerpunkt Stochastik/Statistik. Seine Laufbahn in der Versicherungswirtschaft begann in der aktuariellen Beratung, anschließend war er im Controlling eines internationalen Versicherungskonzerns tätig. Zuletzt verantwortete er bei einem mittelständischen Versicherungsunternehmen den Bereich Lebens- und Unfallversicherung.

Als Leiter des Kompetenzteams „Aktuariat, Produkt- und Risikomanagement“ beschäftigt sich Justus Lücke mit Themen rund um den Schwerpunkt Lebensversicherung sowie der Anwendung moderner aktuarieller Methoden in Produktkalkulation und Risikomanagement. Zum 1. Januar 2017 wurde Justus Lücke in die Position des Geschäftsführers berufen.