Anfang der Woche zog es uns mit über 8.000 weiteren Social-Media-Verfechtern und Online-Freunden nach Berlin zur zehnten re:publica. Netzpolitik, Soziale Medien, Mobilitätskonzepte, Bildung und Arbeiten 4.0 oder Virtual Reality (VR) – mit knapp 500 Sessions war das Programm prall gefüllt und zeigte sich erneut unglaublich vielfältig. Alles konnten wir angesichts dieser Fülle zwar nicht besuchen, einen kleinen Einblick in unsere Highlights möchten wir dennoch geben.

 

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Neue Welten dank Brille und Kopfhörer

Letztes Jahr noch kaum vertreten, brauchte man in diesem Jahr nur drei Schritte in eine beliebige Richtung zu machen und stand vor dem nächsten Besucher mit einem schwarzen Kasten vor den Augen. VR-Brillen waren zweifelsfrei eines DER Dinge auf der re:publica. Von Filmen über virtuelle Museumsbesuche bis hin zu Spielen in fremden Welten, es ist wirklich erstaunlich was heute schon möglich ist. Dass es wirklich so einfach ist, in eine fremde Welt abzutauchen, haben wir zu Beginn ehrlich gesagt nicht recht geglaubt. Der eine oder andere Selbstversuch hat uns jedoch schnell vom Gegenteil überzeugt und gezeigt, welches Potential in dieser Technologie steckt. Kein Wunder also, dass digitale Vorreiter wie Facebook kräftig in das Thema virtuelle Realität investieren.

 

Tipps für Social-Media-Strategen

Als Bloggerkonferenz gestartet, bot die re:publica wieder jede Menge Tipps für die sozialen Netze. Besonders viele Besucher zog das Thema Snapchat an. Kein Wunder, gilt das Netzwerk mit dem kleinen Geist doch als exklusives Refugium der unter 24-Jährigen, das sich dem Rest der Welt nicht ganz erschließt. Doch 200 Millionen Nutzer weltweit und schnellere Wachstumsraten, als sie Facebook, Twitter und Instagram an den Tag legen, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Neben privaten Nutzern, zieht es auch immer mehr Unternehmen in dieses Netzwerk. Dass auch Organisationen dieses nutzen können, zeigte Franziska Broich und stellte die Snapchat-Aktivitäten des Europaparlaments vor. Wichtigste Erkenntnisse: Die Themen müssen sich an der jungen Zielgruppe orientieren, Blicke hinter die Kulissen werden gerne gesehen und man sollte aktiv mit seinen Followern interagieren. So wird ein Follower auch schon mal durch das Parlament geführt, natürlich wiederum begleitet durch Snapchat-Videos.

Ronald Horstmann hatte hingegen Tipps für mehr Klicks bei Youtube im Gepäck. Hier helfen die Kooperation, Einbindung oder Interaktion mit bereits bekannten Youtube-Größen, relevante Themen, die den Geist und Trend der Zeit aufgreifen (momentan z. B. DIY), Empfehlungen in anderen sozialen Netzen wie Facebook oder Snapchat und spannende Thumbnails, die Nutzer auf den eigenen Kanal zu locken.

 

Gibt es das Auto bald kostenlos dazu?

Auch das Thema Mobilität zog sich quer durch die re:publica. Es standen jedoch weniger technische Aspekte im Vordergrund, denn die Arbeit an autonomen Fahrzeugen ist kein Geheimnis mehr. Vielmehr widmete man sich Anschlussfragen: Wie verändert sich das Verhältnis zwischen Fahrzeugnutzer und Fahrzeughersteller, wenn selbstfahrende Autos das Straßenbild bestimmen? Und was macht der „Fahrer“ mit der gewonnen Zeit, in der er sich nicht mehr um die Fahrt selbst kümmern muss? Werden andere Services, z. B. Entertainment, Entspannung oder Gesundheitschecks, die Fortbewegung zur Nebensächlichkeit verkommen lassen und gibt es gar das Auto der Zukunft als eine Art Give-away zu diesen Services dazu?

 

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„Wird es das Auto bald kostenlos dazu geben?“ Präsentation von Daimler

 

Auch die Firma Bosch forscht und entwickelt Lösungsszenarien, wie der künftige „Fahrer“ seine freie Zeit beim Fahren nutzen kann. Unter dem Begriff „3rd Living Space“ stellt Bosch die User Experience während der Fahrt in den Fokus. Videokonferenzen mit Geschäftspartnern oder die Kommunikation mit dem eigenen Smart Home sind dabei nur einige der Einsatzszenarien. Die eigentliche Frage, die sich vielen stellt, ist, ob das Auto noch ein Fahrzeug zur Fortbewegung bleibt, oder sich zu etwas anderem entwickelt, wie auch das Handy durch die Entwicklung des iPhones heute viel mehr ist als ein Gerät zum Telefonieren, nämlich Telefon, Adressbuch, Kamera, Lexikon, Kommunikationsmittel, Zerstreuung und, und, und.

Spannende Fragen, die einmal mehr zeigen, dass autonomes Fahren ganze Branchen umgestalten wird.

 

Start-ups stellen ihre Ideen vor

Unter den Gästen, Referenten und Ausstellern tummelten sich auch jede Menge Start-ups. So bunt wie die re:publica selbst waren auch deren vorgestellte Ideen. So zeigte beispielsweise die deutsche Bahn, dass der Accelerator-Gedanke sehr gut aufgehen kann und stellte den Reisebuddy vor. Der digitale Reisebegleiter, der bei Routenplanung, Buchung und unerwarteten Zwischenfällen hilft, wurde in nur 33 Tagen, von der ersten Idee bis zum Launch, ins Leben gerufen.

Besonders beeindruckend war das Londoner Start-up doppel, welches ein Armband entwickelt, dass eine Art Herzschlag simuliert. Direkt am Handgelenk getragen, beeinflusst das Wearable die Gemütslage und sorgt beispielsweise für mehr Konzentration bei der Arbeit, Beruhigung vor Prüfungen oder Ansporn beim Sport. Ein ähnliches Wearable kommt vom Start-up Soundbrenner. Das Soundbrenner Pulse vibriert ebenfalls am Handgelenk im gewählten Rhythmus, ist aber hauptsächlich für Musiker interessant. Wie ein weiterentwickeltes Metronom gibt das Wearable mit Vibration den eingestellten Takt an den Körper weiter und unterstützt das rhythmische Spielen.

 

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Aber egal ob Vortrag, Paneldiskussion oder Workshop, egal ob Start-up, CTO oder Bundesminister auf der Bühne, die re:publica hat mal wieder gezeigt, dass sie auch in ihrer zehnten Auflage als Konferenz für Menschen, die in einer digitalisierten Welt groß geworden sind und sich als Digitalexperten bezeichnen, eine Menge Überraschungen bereithält. Welche der gezeigten und diskutierten Zukunftsvisionen und -technologien es in unseren Alltag schafft, bleibt abzuwarten. Wer sich aber schon jetzt damit auseinandersetzen möchte, findet einen Großteil der Sessions im Videoarchiv.

Autoren: Katharina Thiemann & Magdalena Dröse


 

Magdalena Dröse
Magdalena Dröse unterstützt seit 2013 das Team „Unternehmenskommunikation und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Neben ihren redaktionellen Tätigkeiten für das Online-Wissensportal und die Themendossiers der Versicherungsforen Leipzig, ist sie für die Betreuung der Forenpartner verantwortlich. Zudem unterstützt sie die Fachteams bei der Erstellung von Studien und Whitepapern.