Viele Versicherer sind aktuell dabei, innovative Produkte zu entwickeln, die den veränderten Anforderungen der Kunden gerecht werden und das etwas „angestaubte“ Produkt ‚Versicherung‘ in die heutige Zeit bringen sollen. Mit Blick auf das Thema Smart Home ist die Wohngebäudeversicherung u.a. ein gutes Beispiel, in der sich schon so einiges tut: So bietet etwa die AXA ihren Kunden in Kooperation mit RWE einen Smarthome-Tarif – eine Kombination aus Wohngebäudeversicherung und Gerätesteuerung, die Wasserschäden mindert und schnelle Hilfe im Schadenfall leistet. Davon profitieren sowohl Versicherer als auch Kunde. Aber wie entstehen solche neuen Ideen überhaupt und wie können sie in neue Produkte gegossen werden? Fragen, denen ich in meinem heutigen Beitrag nachgehen möchte.

Es braucht nicht zwangsläufig eine Agentur, um neue Ideen zu generieren, auch im innerbetrieblichen Kontext gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Diverse Innovations- bzw. Kreativitätstechniken bieten die Chance, komplexe Fragestellungen, wie die Entwicklung neuer Produktideen, aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, eine davon ist Six Thinking Hats. Was sich dahinter verbirgt, lässt sich am Beispiel von Smart-Home-Konzepten leicht verdeutlichen.

 

Bild: Hat trick © olly - Fotolia.com

 

Die Methode: Mal einen anderen Hut aufsetzen

Die Six-Thinking-Hats-Methode stellt ein Werkzeug dar, das es mit sechs verschiedenfarbigen Hüten allen Mitgliedern einer Gruppendiskussion ermöglicht, eine Fragestellung oder ein Thema umfassend zu durchdenken. Jede Hutfarbe charakterisiert dabei eine andere Denkweise bzw. Blickwinkel, die das jeweilige Gruppenmitglied in einer Rolle wiedergibt. Mit dieser Methode gelingt ein effizienter Diskurs, ohne dass die Gefahr besteht, einen für die Lösung relevanten Blickwinkel außer Acht zu lassen oder sich in einer Sichtweise gar zu sehr festzulegen. Die sechs Hüte stehen für folgende Rollen:

  • Weißer Hut – Fakten
    • Neutral, analytisch und objektiv werden alle sachlichen Fakten und Zahlen zusammengetragen.
    • Beispielargument: Smart-Home-Systeme werden derzeit viel diskutiert und finden zunehmend Anwendung in Versicherungsprodukten.
  • Roter Hut – Emotionen
    • Emotionen und Gefühle dominieren die Frage oder das Thema.
    • Beispielargument: Ich habe Angst, mich durch Smart Home-Geräte transparent und kontrollierbar zu machen.
  • Schwarzer Hut – Kritik
    • Pessimistisch, kritisch und vorsichtig denkend werden faktenbasiert die Nachteile aufgedeckt.
    • Beispielargument: Smart Home-Systeme sind durch Hacker angreifbar.
  • Gelber Hut – Positives Denken
    • Optimistisch werden alle Chancen, Vorteile und der best case betrachtet.
    • Beispielargument: Smarte Sicherheitssysteme bieten Schutz und Kontrolle – auch von unterwegs.
  • Grüner Hut – Kreativität
    • Innovativ, provokativ und kreativ wird das Thema betrachtet und neue Ideen generiert.
    • Beispielargument: Mit Smart Home kann ich meine Türen und Fenster auch im Urlaub überwachen.
  • Blauer Hut – Überblick
    • Mittels der Meta-Ebene wird der Denkprozess aller kontrolliert und organisiert.
    • Beispielargument: Die Smart Home-Lösung ist ein zukunftsfähiges Modell, das Ängste und Verunsicherung bei potenziellen Versicherungsnehmern auslösen kann. Gleichzeitig bietet sie hohe Flexibilität und individuelle Sicherheitskonzepte für den Wohnraum. Datenschutz- und Sicherheitsrisiken müssen vor der Produkteinführung genauestens geprüft werden.

 

Die Six Thinking Hats wurden in den 1980ern von Edward de Bono erfunden, der fest davon überzeugt war, dass die traditionellen Denkansätze für unsere dynamische Welt nicht mehr ausreichend sind. Die bis dahin und heute üblichen Denkansätze wurden lange Zeit nicht auf ihre Tauglichkeit geprüft und verleiten häufig dazu, dass der Betrachter zu viele Aspekte gleichzeitig berücksichtigt, diese bewertet und nach neuen Ideen sucht. Das wiederum führte zu Verwirrung und Ineffektivität.

Das der Six-Thinking-Hats-Methode zugrunde liegende Konzept des parallelen Denkens dient hingegen der kraftschonenden und toleranten Problembetrachtung und -lösung. Das parallele Denken beschreibt die Fähigkeit, in Bezug auf ein beliebiges Projekt systematisch verschiedene Wahrnehmungs- und Denkperspektiven einzunehmen, wobei alle Teilnehmer zu einem gegebenen Zeitpunkt in die gleiche, „parallele“ Richtung denken. De Bono ist überzeugt, dass diese Methode zum kreativeren und fokussierteren Denken beiträgt und folglich zur besseren Kommunikation und besseren Entscheidungen führt.

 

Chancen und Herausforderungen der Six Thinking Hats

 

Fazit

Die Six Thinking Hats ist eine effektive Methode, um sich schnell ein umfassendes Bild zu einem bestimmten Thema, wie z.B. der aktuellen Situation in der Wohngebäudeversicherung, zu machen und neue Ideen und Trends aus verschiedenen Perspektiven zu prüfen.

Besonders gut daran: Das sonst so zeitraubende Verteidigen von Meinungen und Einfällen wird durch das Rollenspiel eliminiert. Die Teilnehmer sind gezwungen, sich von ihrem persönlichen Standpunkt zu lösen und die Sichtweise des jeweiligen Hutes anzunehmen. Im Ergebnis entsteht kooperative Exploration statt kontroverser Konfrontation und konträre oder „verrückte“ Denkspiele finden auch ihren Raum, etwas das auf keinen Fall schaden kann!


Was ich hier in Ansätzen einmal durchgespielt habe, möchte ich am 04./05. Juli 2016 in Leipzig im Rahmen unserer »Produktwerkstatt – Spartenübergreifend vom Kundenbedarf zum ganzheitlichen Lösungskonzept« vertiefen.

Marianne Kühne
Marianne Kühne ist seit November 2015 bei den Versicherungsforen Leipzig als Referentin im Kompetenzteam „Digitalisierung und Innovation“ tätig. Frau Kühne ist Betriebswirtin mit einem Master-Abschluss der Universität Leipzig im Fachbereich „Banken und Versicherungen“. Während ihres Studiums war Frau Kühne im Haus der Victoria Versicherung AG und später der Ergo Versicherung AG in verschiedenen Bereichen tätig. Im Rahmen ihrer Tätigkeit bei den Versicherungsforen Leipzig betreut Marianne Kühne aktuell den Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig, der jährlich veranstaltet wird.