Die immensen Umsatzzunahmen von Wearables, Fitness-Trackern und Gesundheitsapps zeigen deutlich: Datensammler und „Selbstoptimierer“ sind auf dem Vormarsch. Das Verständnis für die Leistungsfähigkeit des eigenen Körpers und das steigende Interesse, diese optimal auszunutzen, zählen zu den Trendthemen der heutigen Zeit.

Dass sich dieses Interesse nicht nur auf den Gesundheitsbereich beschränken wird, davon ist das Start-up drivOmeter überzeugt. Das junge Unternehmen entwickelt eine App, mit der die eigene „Fahrer-Fitness“ beobachtet, bewertet und optimiert und gleichzeitig für mehr Rücksicht im Straßenverkehr gesorgt werden kann. Im Interview verrät uns Geschäftsführer und Gründer Arno Wolter mehr über die Idee hinter drivOmeter und welche Ziele das Unternehmen verfolgt.

 

Arno Wolter

Geschäftsführer und Gründer von drivOmeter Arno Wolter

 

Fehlerhaftes Fahrverhalten ist die Unfallursache Nummer eins auf deutschen Straßen. drivOmeter verfolgt das Ziel, die Unfallrate um gut ein Drittel zu senken. Wie kann dieses Ziel erreicht werden? Erklären Sie uns kurz welche Idee hinter drivOmeter steckt!

drivOmeter ist eine App, die als Fahrstil-Coach agiert und den Autofahrer in dreierlei Hinsicht unterstützt: Zum einen soll drivOmeter helfen, das eigene Fahrverhalten besser einzuschätzen. Hierzu werden On-Board-Tracking-Daten wie das Beschleunigungs- und Bremsverhalten erhoben, analysiert und dem Fahrer zur Verfügung gestellt.

Der zweite Aspekt beinhaltet die Möglichkeit, andere Fahrer mittels drivOmeter positiv zu beeinflussen. Zum einen kann man Communities mit Freunden oder der Familie bilden und innerhalb dieser Gruppe die sichere Fahrweise aller Mitglieder im Blick behalten. Zum anderen besteht die Möglichkeit über die Fahrerbewertungsfunktion, Beobachtungen zu anderen Autofahrern mit Hilfe eines Ampelsystems mitzuteilen und sichtbar zu machen. Dies soll insbesondere zu mehr Rücksicht im Straßenverkehr animieren.

Der dritte Aspekt umfasst den Kontext, in dem sich ein Autofahrer bewegt. Während der Fahrt weist die drivOmeter-App auf Gefahrenstellen hin, die beispielsweise von der Unfallkommission der Bundesländer oder durch die Nutzerschaft identifiziert wurden.

 

Wie werden die On-Board-Tracking-Daten genau erfasst?

Anders als bei den meisten anderen Systemen, die die Daten über eine Schnittstelle aus dem Fahrzeug auslesen, erfassen wir die Daten direkt über das Telefon. Es läuft also alles über das Smartphone, sodass der User keine große Technikaffinität besitzen oder irgendwelche Kabel im Auto verlegen muss.
Da jedoch immer mehr Autohersteller und auch Versicherer diese Schnittstellen im Auto nutzen möchten, wird es zudem die Möglichkeit geben, die Daten der Systeme der jeweiligen Kooperationspartner in die drivOmeter-App zu überspielen und auszuwerten.

 

Da möchte ich doch gleich die Kooperationspartner aufgreifen: Wie können Versicherer von der drivOmeter-App profitieren und welche Kooperationsansätze verfolgen Sie bereits?

Für potentielle Partner empfinden wir zwei Punkte als besonders interessant. Einerseits kann man über die App Zugang zu einer spannenden und schnell wachsenden User-Gruppe bekommen, denn drivOmeter vereint Autofahrer, die sicherheitssensitiv agieren und gerne mehr über ihren Fahrstil erfahren möchten.

Andererseits werden natürlich eine Vielzahl von Daten über die App generiert, die den Fahrstil der Nutzer beschreiben. Aus Datenschutzgründen werden diese zwar in ihrer Gesamtheit erfasst, Auswertungen lassen sich im ersten Schritt jedoch beispielsweise nur auf Automarken oder Regionen herunterbrechen und nicht auf einzelne Fahrer, es sei denn, diese geben ihre Einwilligung dafür. Liegt einer Versicherung eine solche Einwilligung vor, besteht natürlich die Möglichkeit Vergünstigungen etc. anzubieten.

Konkrete Kooperationspartner kann ich zwar noch nicht nennen, wir sind jedoch mit verschiedenen Versicherern im Gespräch, die großes Interesse gerade an dem Zugang zu dieser speziellen sicherheitssensitiven Fahrergruppe zeigen.

 

drivOmeter-App

drivOmeter-App

 

Wie entstand die Idee zu drivOmeter und können Sie was zu der bisherigen Entwicklung der App erzählen?

Sowohl unsere eigenen Erfahrungen als auch verschiedene Umfragen zeigen, dass es auf den deutschen Straßen immer aggressiver zugeht. Das führt leider auch immer noch zu vielen Unfällen mit ca. 300.000 Verletzten und 3.400 Toten im Jahr. Obwohl diese Zahlen im Vergleich zu früher drastisch gesunken sind, stagnieren sie in den letzten Jahren. Ich sehe eben diese Aggressivität und Hektik im Straßenverkehr als einen der Gründe dafür an. Die Leute haben einfach kein richtiges Gespür mehr dafür, wie sie unterwegs sind und wie man sich im Straßenverkehr respektiert. Da wollten meine Brüder und ich irgendwie gegensteuern.

In Kombination mit der Erkenntnis, dass ein großes Interesse daran besteht Fahrassistenztools – das Navi ist ja beispielsweise schon weit verbreitet – zu nutzen, die sich zudem mit bestimmten Zusatzfunktionen ausstatten lassen, entstand dann die Idee zu drivOmeter. Wir sehen drivOmeter als eine Art Schweizer Taschenmesser des Autofahrers, das die verschiedensten Funktionen kombiniert und dem User die Wahl lässt was er gerne nutzen möchte, sei es jetzt der aktuelle Tachostand, Verkehrsmeldungen oder eine Dashcam.

Aktuell befinden wir uns in der zweiten Entwicklungsstufe der App. Wir haben vor gut einem Jahr als Pilotprojekt mit fahrerbewertung.de als einer Teilfunktion des drivOmeter angefangen. Da haben wir viel Zeit und Mühe hineingesteckt, das Projekt immer wieder angepasst und verbessert und uns auch in den engen Useraustausch begeben. Dabei haben wir Funktionen gesammelt, die die Nutzer hilfreich finden würden, und basierend auf den Ergebnissen dieser Untersuchungen sind wir jetzt an der Entwicklung der weiteren Features. Mit der vollständigen drivOmeter-App planen wir dann in knapp zwei Monaten, nach der aktuellen Testphase, an den Start zu gehen.

 

Die App selbst soll ja kostenfrei zur Verfügung stehen. Darf ich fragen, wie Sie sich finanzieren möchten?

Ja, natürlich. Die App wird generell kostenlos sein, es wird jedoch auch bestimmte Funktionen geben, die man über In-App-Käufe zu geringen Beträgen erwerben kann. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um kleine technische Finessen, z.B. wie viel Speicherplatz der Dashcam-Funktion zur Verfügung gestellt wird oder wie detailliert die Auswertungen der On-Board-Tracking-Systeme ausfallen.

Bei Kooperationen mit Versicherern oder Autoherstellern würden wir dann natürlich auch entsprechende Vergütungsmodelle mit unseren Kooperationspartnern aushandeln.

 

Mittlerweile gibt es ja bereits mehrere Anbieter auf dem Markt, die das Fahrverhalten auswerten und beispielsweise Versicherern zur Verfügung stellen. Wie unterscheidet sich drivOmeter von diesen Konkurrenten?

Das ist ganz klar unser enduserorientierter Ansatz. Andere Telematikkonzepte laufen i.d.R. darauf hinaus, dass die Hersteller beispielsweise Daten erheben, die sie für die Weiterentwicklung ihrer Fahrzeugtechnik und somit dem Fahrzeug an sich verwenden können. Die Versicherer möchten die Daten zur Optimierung ihrer Tarife nutzen und erheben entsprechend auch nur die Informationen, die sie dafür brauchen.

Wir haben unser Produkt jedoch nicht in erster Linie für den Versicherer oder Autohersteller konzipiert, sondern wir fokussieren uns auf den Endkunden. Deshalb verfolgen wir auch das primäre Ziel, den Enduser zufrieden zu stellen und die App möglichst weit zu verbreiten. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass unsere wachsende Nutzerschaft und die Statistiken vor allem auch für Versicherungspartner interessant sind. Daher sollen im zweiten Schritt dann die bereits erwähnten Kooperationsansätze mit den entsprechenden Partnern folgen.

 

Jörn, Arno und Henrik Wolter

Arno Wolter (m.) mit seinen Brüdern und Mitbegründern von drivOmeter Jörn (l.) und Henrik (r.)

 

Was wünschen Sie sich für den offiziellen Start von drivOmeter in ein bis zwei Monaten?

Wir würden uns wünschen, dass wir die Unfallstatistiken zukünftig wirklich positiv beeinflussen können. Dazu hoffen wir natürlich auf die weitere Verbreitung und Zuspruch unserer App. Wir haben derzeit knapp 300.000 Nutzer und streben eine Million Nutzer im nächsten Jahr an. drivOmeter soll irgendwann ein gängiges Zusatztool wie das Navi werden oder dieses sogar integrieren. Bei einer entsprechenden Nutzerschaft könnte so wirklich das Bewusstsein für mehr Rücksicht auf der Straße geschürt und die Stagnation in den Unfallzahlen der letzten Jahre durchbrochen werden.

 

Hinweis

Die Interviewreihe „Start-ups in der Versicherungsbranche“ entsteht im Rahmen unseres alljährlich stattfindenden Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig. Wie auch schon im letzten Jahr steht dieser im Zeichen der Innovation. Neben zahlreichen Akteuren der Versicherungsbranche, begrüßen wir zudem einige Start-ups, die den Versicherungsmarkt mit ihren Produkten innovieren wollen. Auf unserem Fachblog für die Assekuranz stellen wir alle zwei Wochen ein neues Start-up vor und werfen dabei einen Blick hinter die Kulissen.

Die Interviews finden Sie in unserer Rubrik „Innovation & Trend“.


 

Magdalena Dröse
Magdalena Dröse unterstützt seit 2013 das Team „Unternehmenskommunikation und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Neben ihren redaktionellen Tätigkeiten für das Online-Wissensportal und die Themendossiers der Versicherungsforen Leipzig, ist sie für die Betreuung der Forenpartner verantwortlich. Zudem unterstützt sie die Fachteams bei der Erstellung von Studien und Whitepapern.