Kommentar zum Artikel „Analyst im Wirrwarr der Wohngebäude-Versicherung“ im Tagesreport der Versicherungswirtschaft:

 

Letzte Woche bin ich in einem Artikel des Tagesreports der Versicherungswirtschaft über eine Untersuchung der Esslinger Marktforscher Research Tools gestolpert. Diese besagt, dass der Vergleich von Wohngebäudeversicherungen nahezu unmöglich sei. Nicht nur, weil diese meist nur vereinzelt gelistet werden, auch die Informationen hinsichtlich Versicherungsumfang und -summe oder Selbstbehalt seien sehr heterogen. Mir hat sich beim Lesen des Artikels jedoch folgende Frage aufgedrängt, die ich gerne aufgreifen möchte: Wieso ist ein Vergleich überhaupt erforderlich?

Ja, eine große Zahl der Kunden informiert sich über Vergleichsportale. Diese vermeintliche Vergleichbarkeit ist aber schon allein dadurch getrübt, dass nicht alle Anbieter auf allen Portalen – die bisweilen von Versicherungsgesellschaften gestützt sind – aktiv sind. Und selbst wenn einzelne Produkte und Leistungen miteinander verglichen werden sollen, wird es aufgrund der unterschiedlichen Strukturen immer schwieriger. Warum das so ist? Im Prinzip wollen Versicherer nicht vergleichbar sein. Versicherer wollen Alleinstellungsmerkmale; sie wollen sich von der Masse abheben. Warum sonst werden immer wieder innovative Ansätze im Vertrieb und der Produktenwicklung verfolgt? Der Preis allein ist schon längst kein Differenzierungsmerkmal mehr.

Und ist es nicht auch das, was der Kunde möchte? Studien belegen, dass Versicherungsnehmer nicht ausschließlich preisorientiert handeln. Sie suchen nach der für sie optimalen Lösung. Aktuelle Diskussionen über das veränderte Kundenverhalten deuten darauf hin, dass das Thema Vergleichbarkeit langsam, aber sicher von individuellen und bedarfsgerechten Problemlösungen überholt wird. Kunden denken nicht in Produkten. Kunden denken in Themen, die weit umfassender sind als einzelne Tarife. Daher werden m.E. standardisierte Vergleiche künftig an Bedeutung verlieren. Wer im Gegenzug den Bedarf des Kunden richtig erkennt und passgenauen Versicherungsschutz oder gar vollumfängliche Problemlösungen anbietet, kann für ihn ein wichtiger Partner in all seinen Lebenslagen werden.

 

Wie würden Sie die eingangs gestellte Frage beantworten, hat der standardisierte Versicherungsvergleich in ihren Augen überhaupt noch eine Zukunft?


 

Regina Rudolph
Regina Rudolph verantwortet bei den Versicherungsforen Leipzig das Kompetenzfeld »Produktmanagement in der Versicherungswirtschaft«. Ihr Fokus liegt insbesondere auf aktuellen und brisanten Themen der Kompositversicherung. Sie ist Ansprechpartnerin für alle Fragen im Bereich des strategischen und operativen Produktmanagements, angefangen bei der Produktentwicklung und -gestaltung bis hin zur Produktbewertung und -analyse. Im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsprojekten konnte sie ihre Kompetenzen bereits in zahlreichen verschiedenen Unternehmen der Assekuranz einbringen. Darüber hinaus zählen die Themen Immobilienmanagement und Human Resources zu ihren fachlichen Schwerpunkten.