Schon in mehreren Blog-Posts haben wir das Thema „Blogging“ an dieser Stelle auf die Agenda gehoben. Heute möchten wir das Thema noch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Als erfahrener Journalist, der unter anderem bei der Münchner Abendzeitung und dem Axel Springer Verlag arbeitete, beschäftigt sich Pit Gottschalk schon lange intensiv mit dem Thema „Blogging“ und schult unter anderem junge Journalisten.

Worauf es beim Bloggen wirklich ankommt, verrät er uns heute im Interview.

 

 

Pit Gottschalk

 

Was ist das Erste, das Sie Unternehmen raten, die vor der Einrichtung eines Blogs stehen?

Pit Gottschalk: Es sind immer dieselben drei Fragen, auf die man zuerst eine Antwort finden muss: (a) Wer ist meine Zielgruppe, und (b) welches Problem oder Bedürfnis hat diese Zielgruppe? Dann kann ich auch (c) die Frage beantworten, wie mein Blog dieses Problem lösen oder das Bedürfnis befriedigen kann, wie ich also mit Bloggen einen Mehrwert schaffe.

 

Gibt es Branchen, für die Bloggen weniger relevant ist oder kann man das so pauschal nicht sagen?

Wo immer es ein Problem gibt, und das gibt es in jeder Branche, sollte es einen Problemlöser geben. So funktioniert die Wirtschaft ja. Ein Blog hilft, eine persönliche Beziehung aufzubauen, um dieses Problem zu lösen. Und wo hilft die nicht? Jedes Unternehmen kann von guter Kommunikation profitieren.

 

Das Motto Ihres Projekts „Mediapreneure“ lautet „Wie Journalisten im Internet Geld verdienen“. Kann Bloggen irgendwann die klassische Presse- und Medienarbeit ersetzen? Immerhin kann man seine Zielgruppe auf diese Weise direkt erreichen.

Nein, nicht ersetzen. Nur ergänzen. Offizielle Stellungnahmen und Informationen sind schon aus formalen Gründen unersetzlich, denken wir nur an die Berichtspflicht von Firmen, die an der Börse gelistet sind oder sich der Transparenz gegenüber dem Markt und den Kunden verpflichtet haben. Aber Bloggen kann zum Beispiel ein hilfreiches Instrument für Diskussionen sein. Oder eine vielleicht persönlichere Art, Inhalte mitzuteilen. Intel machte dort sehr gute Erfahrungen und holte sich über das Bloggen ehrliches Feedback von Kunden ein. Eine sehr günstige Form der Marktbeobachtung. Bei Journalisten geht es in der Medienkrise darum, mit selbstbestimmtem Publizieren journalistisch weiterarbeiten und davon leben zu können. Das ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Mit unserem Angebot auf http://mediapreneure.de wollen wir Journalisten helfen, ihrer gesellschaftlichen Aufgabe gerecht werden zu können. Sie müssen Geld verdienen.

 

Schätzen Sie Blogging als die Zukunft des Journalismus ein oder ist es eher die schärfste Konkurrenz?

Blogger sind tatsächlich eine Herausforderung für Journalisten, weil sich die meisten Blogger weniger Zwängen unterworfen fühlen, zum Beispiel beim Pressekodex, und schneller bei der Verbreitung und Bewertung von Informationen sind. Nein, ersetzen werden Blogger die Journalisten nicht – aber ergänzen. Meine Empfehlung: Journalisten sollten die Arbeitsweisen von Bloggern kennenlernen, um selbst besser zu werden.

 

Beim Bloggen geht es um Aktualität und Mehrwert. Wie findet man regelmäßig relevante Themen?

Bei vielen Blogs geht es um Aktualität und Mehrwert. Zum Beispiel Kara Swishers Recode im Silicon Valley. An ihr kommt niemand vorbei, weil sie genau hinhört, welche Themen ihre Zielgruppe beschäftigen, und dann schreibt sie News und Meinungen darüber, die diese Themen weitertreiben. Wie man regelmäßig Themen findet? Auf vier Wegen: 1. Bei Google Trends Begriffe zur Zielgruppe eingeben und anschließend im Keyword Planner checken, ob das Suchvolumen zu diesen Begriffen groß ist, um festzustellen, ob sich viele Leute dafür im Netz interessieren. 2. Diese Themen bei Facebook oder Twitter zur Diskussion stellen und die Reaktion abwarten. Viele Kommentare bedeuten großes Interesse. 3. Mit Kollegen und Bloggern weiterführende Aspekte diskutieren. 4. Auf das Bauchgefühl hören. Wenn man zum Beispiel Schwierigkeiten hat, das Thema zu erklären, dann ist es nicht relevant. Im Journalismus gibt es dafür den sogenannten Küchenzuruf. Wenn ich im Sessel sitze und Elisabeth in der Küche nicht mit einem Zuruf erklären kann, was mich beschäftigt (zum Beispiel der Artikel in der Zeitung oder der Blogpost im iPad), dann ist das Thema nicht relevant.

 

Wir freuen uns, dass wir Pit Gottschalk als Workshopgruppenleiter für unseren Workshop „Bloggen in der Assekuranz“ am 12. November 2015 in Frankfurt gewinnen konnten. Dort wird er noch viele weitere spannende Erfahrungen seiner journalistischen Laufbahn weitergeben und mit den Teilnehmern über Erfolgsstrategien für das Aufsetzen eines Blogs diskutieren. Mehr Informationen finden Sie unter www.versicherungsforen.net/ws_blogger

Julian Planitzer
Julian Planitzer war von 2015 bis 2018 im Team „Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig als Werkstudent tätig. Er unterstützte die redaktionelle Pflege der Website sowie die Betreuung der Forenpartner und war für die statistische Auswertung der Websitezugriffe zuständig.