Im März dieses Jahres habe ich über den Afrikanischen Versicherungsmarkt berichtet, welcher sich in manchen Regionen durchaus zu einem attraktiven Markt für die Versicherungsbranche entwickelt. Heute will ich einen Blick auf die CEE-Region (Central and Eastern Europe) werfen, denn auch hier verbirgt sich durchaus Potential für einen lukrativen Versicherungsmarkt. So zeigte eine von Erste Group Research durchgeführte Analyse, dass die Wirtschaft in CEE als robust und stabil angesehen werden kann, was auf eine verstärkte Inlandsnachfrage und Investitionsbereitschaft im Jahr 2014 zurückzuführen sei.

Welche Länder gehören zu CEE?

Polen: Längst schon kein Geheimtipp mehr

 

Länder der CEE-Region

Länder der CEE-Region

Welche Länder gehören zu CEE?

Eine klare Abgrenzung der CEE-Region ist schwierig: Neben Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Slowenien und Polen, die nach der EU-Erweiterung 2004 in die Europäische Union eingetreten sind, können auch die baltischen Staaten (Estland, Lettland und Litauen) sowie die südlicher vorzufindenden Länder Bulgarien, Rumänien und Kroatien hinzugezählt werden. Auch die GUS-Staaten (Moldawien, Russland, Ukraine, Weißrussland) sind – je nach Definition – Teil der CEE-Region. Die Auffassungen zur Zusammensetzung sind unterschiedlich und je nach Definition bleibt die Tatsache bestehen, dass es sich um eine große Anzahl an Ländern handelt, die wirtschaftlich äußerst heterogen sind. Aus diesem Grund möchte ich anhand ausgewählter Länderbeispiele verdeutlichen, welche Besonderheiten diese Region kennzeichnen und welche Länder die Versicherer nicht aus dem Auge verlieren sollten. Heute stelle ich Polen vor, welches in den letzten Jahren eine durchaus positive Entwicklung erlebt hat.

Polen: Längst schon kein Geheimtipp mehr

Polen spielt in der EU eine wichtige Rolle und das liegt nicht zuletzt an der positiven wirtschaftlichen Entwicklung, die sich u. a. in einem stetig wachsenden BIP widerspiegelt. Mit insgesamt 58 Unternehmen hat Polen vergleichsweise viele Versicherer vorzuweisen. Dies beweist auch die Höhe der Prämieneinnahmen, die im Jahr 2013 bei 13,7 Mio. EUR lagen.

 

Prämieneinnahmen und Leistungsausgaben im Zeitverlauf

Prämieneinnahmen und Leistungsausgaben im Zeitverlauf, in Mio. EUR (Quelle: Insurance Europe)

 

Für ausländische Versicherer gilt der polnische Markt somit als sehr attraktiv. Deutlich wird dies auch bei der Betrachtung der dominierenden Versicherungsunternehmen in Polen. 1990 hatte der polnische Versicherer PZU (Grupa Powszechny Zakład Ubezpieczeń) noch eine Monopolstellung. Mittlerweile erwirtschaften auch zahlreiche ausländische Versicherungsunternehmen wie Allianz, Ergo und Uniqua einen beachtlichen Anteil der Prämieneinnahmen.

 

Bedeutende Versicherungsunternehmen nach Prämieneinnahmen

Bedeutende Versicherungsunternehmen nach Prämieneinnahmen, 2013 in Mio. USD (Quelle: Lloyds)

 

Auch politisch sorgte Polen in der jüngeren Vergangenheit für Schlagzeilen. So fanden im Mai dieses Jahres die Präsidentschaftswahlen statt, aus denen Andrzej Duda als Sieger hervorging. Bislang gehört er der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) an; nach seinem Sieg gab Duda jedoch bekannt, aus dieser zeitnah auszusteigen, da er sein Amt unparteilich ausführen möchte. Zu seinen Wahlversprechen zählte neben einer stärkeren Kontrolle der Banken auch die Senkung des Rentenalters. Mit Spannung werden zudem die Parlamentswahlen in Polen erwartet, die im Oktober dieses Jahres stattfinden werden.

 

Über die CEE-Region gibt es noch eine ganze Menge mehr zu erfahren. In meinem nächsten Beitrag möchte ich daher einen Blick auf Estland und Kroatien werfen, zwei Länder, die sich ihren (finanziellen) Herausforderungen auf ganz unterschiedliche Art stellen und dabei auch vor außergewöhnlichen Maßnahmen nicht zurückschrecken.


 

Julia Ende
Julia Ende war 2014 bis 2017 im Team „Unternehmenskommunikation und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig als Werkstudentin tätig. Sie unterstützte die redaktionellen Arbeiten für den Trendletter der Versicherungsforen Leipzig sowie die Betreuung der Forenpartner und die redaktionelle Pflege der Webseite.