Die re:pulica in Berlin gehört für viele Social-Media-Experten und digital Interessierten zu den Pflichtveranstaltungen. Auch wir wollten uns die bunte Veranstaltung mit dem Fokusthema Digitalisierung mal genauer ansehen. Nachdem wir das umfangreiche Programm durchgesehen und uns einen Plan für die nächsten drei Tage gemacht haben, ging es auch schon los.

Festivalstimmung, grüne Badgets und volle Slots dominieren das Bild der Veranstaltung. Hier treffen sich viele interessierte und wissenshungrige Menschen, die versuchen an jedem einzelnen Tag ein Maximum an Informationen zu bekommen. Dabei gilt es, in 15 Minuten von einem Slot in den nächsten zu wechseln und zwischendurch mal noch eine Pause reinzuschieben.

Die re:publica bietet viel und die Entscheidung, welchem Thema man sich als nächstes widmet, fällt häufig schwer. Unser Fokus lag bei den neuen Medien. Von den Erfolgsgeheimnissen aktueller YouTube-Stars über Trends im Journalismus und aufstrebenden Plattformen wie Snapshot, die in Amerika längst weit verbreitet sind, hierzulande jedoch noch eher zu den Nischen zählen, bis hin zu der Klärung von Rechtsfragen, wie man sich gefahrlos im sozial vernetzten Raum bewegen kann, konnten wir viel erfahren. Doch auch der Blick über den Tellerrand kam nicht zu kurz. Denn die re:publica bietet ebenfalls eine Plattform, um sich über gesellschaftliche und politische Entwicklungen auszutauschen.

Alles konnten wir leider nicht besuchen. Einen kleinen Überblick über unsere Highlights der ersten beiden Tage wollen wir trotzdem liefern.

 

re:publica

Magdalena Dröse und Bärbel Büttner, re:publica 2015

Tag 1

Fotorecht – Knipsen und Teilen erlaubt? Fotografie im Alltag und im gewerblichen Zusammenhang.

Carola Sieling von der Rechtsanwaltskanzlei Sieling hat auf witzige Art und Weise darauf hingewiesen, was beim Verwenden von Bildmaterial jeglicher Art zu beachten ist und wie das Urheberrecht gewahrt werden kann. Hier wurde deutlich, dass sich insbesondere das Teilen von Bildern auf Facebook als schwierig gestaltet und es empfehlenswert ist, die Lizenzbedingungen von käuflich erworbenen Bildern genau zu studieren. Denn hier kann die Nutzung auf den sozialen Kanälen durchaus eingeschränkt sein.

 

Hoax-Kampagnen: Opium fürs Empörungsvolk

Deef Pirmasens und Christian Schiffer haben in einem großartigen Vortrag bekannte Hoax-Kampagnen vorgestellt und eine Anleitung gegeben, wie man einer solchen auf die Schliche kommen kann. Der eine oder andere Leser wird sich jetzt fragen, was ein Hoax ist. Hierbei handelt es sich um eine bewusste Falschmeldung, welche darauf abzielt, sich viral zu verbreiten und Aufmerksamkeit zu erregen. Prominentes Beispiel der letzten Wochen war hier beispielsweise das Fake-Video von Jan Böhmermann und dem Varoufakis Stinkefinger.

Es ist davon auszugehen, dass Hoax-Kampagnen in Zukunft häufiger die Öffentlichkeit in Empörung versetzen werden. Daher ist es durchaus sinnvoll, sich schon einmal mit diesem Trend auseinandergesetzt zu haben, denn teilen möchte man in der Regel ja nur richtige und seriöse Inhalte. Sollte Zweifel an einer Meldung bestehen, empfiehlt es sich den beiden Referenten zufolge, die Medien nach ähnlichen Meldungen zu durchsuchen und so der ursprünglichen Quelle auf die Schliche zu kommen.

Tag 2

Flüchtige Macht? YouTube im Kreuzfeuer. Facebook und Co. greifen an

Bertram Gugel hat in seinem Vortrag auf die aktuellen Schwächen von YouTube aufmerksam gemacht. 2013 hat die zweitgrößte Suchmaschine der Welt noch den Markt vor sich hergetrieben. Zwei Jahre später hat der Markt dazugelernt und attraktive Alternativen ins World Wide Web gebracht. So hat der Kommunikations- und Medienwissenschaftler, der an der Universität Leipzig studiert hat, darauf hingewiesen, dass YouTube zu unflexibel sei und mit der Umstellung seines Algorithmus nicht mehr unbedingt den Bedürfnissen der YouTuber und User entspricht. Auf Kanälen wie Facebook und Snapchat sind auch unprofessionell gedreht Videos erfolgreich und werden in Quer- wie auch Hochformaten eingestellt. Bei YouTube sind es die professionellen Videos, die erfolgreich sind und deren Produktion mit hohem Aufwand verbunden ist. Weiterhin ist darauf hinzuweisen, dass YouTube-Videos nicht mehr über YouTube viral gehen, sondern sich die User der übrigen sozialen Kanäle bedienen, um die Bekanntheit ihrer Werke zu erhöhen. Interessant dabei war, dass die Reichweite der Videos über Facebook bereits heute höher ist als über YouTube.

 

Talentschmiede der nächsten YouTube-Stars? VideoDays on Stage

Christoph Krachten, Präsident der VideoDays, hat die YouTube-Stars von morgen vorgestellt und erläutert, was die Stars von morgen von den Stars von heute gelernt haben. Dabei wurden unterschiedliche Formate vorgestellt. Von Beauty über News bis hin zu Beiträgen Jugendlicher über ihren Alltag. So unterschiedlich die Inhalte der Videos waren, eines hatten sie alle gemeinsam: Sie waren authentisch und hochwertig produziert. Die YouTuber zeigen, was ihnen Spaß macht und sind mit Leib und Seele dabei. Witziger Hinweis von Nela Lee „Bitte erst die Schule und Ausbildung beenden und erst dann an der YouTube-Karriere arbeiten.“

 

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YouTube Stars von morgen, re:publica 2015

 

Blue Dot Mision – Sechs Monate leben und arbeiten auf der ISS

Vor einem begeisterten Publikum hat ESA-Astronaut Alexander Gerst von seiner Arbeit auf der internationalen Raumstation ISS berichtet. Vom Start des Raumschiffes über die Experimente und dem Abendessen an Bord bis hin zur Landung in Kasachstan sechs Monate später nahm er die Zuhörer mit zahlreichen Bildern und amüsanten Anekdoten mit auf seine Reise. Dabei machte er deutlich, wie wichtig die Arbeit der Astronauten für die Wissenschaftler auf der Erde ist. Die Experimente in der Schwerelosigkeit helfen beispielsweise bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Osteoporose oder speziellen Legierungen für Flugzeugteile.

Besonders am Herzen lag Alexander Gerst aber, seinen „Blick von oben“ zu teilen, der ihm die Schönheit, aber auch Verletzlichkeit unseres Planeten bewusst gemacht hat. Ihn zu schützen, sollte den Bewohnern „unten“ mehr am Herzen liegen, was vom Publikum mit tosendem Applaus begrüßt wurde.

 

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Alexander Gerst, re:publica 2015

 

Autonomous cars: Is there an European approach in introducing automation into society?

Dass nicht nur Google & Co. an der Zukunft der Mobilität arbeiten, hat Alexander Mankowsky von der Daimler AG demonstriert. Der Mercedes F015 ist das aktuelle Forschungsprojekt des Unternehmens im Bereich autonomer Fahrzeuge. Dabei liegt der Fokus mittlerweile nicht mehr nur auf der reinen Fahrfunktion, die in ersten Testfahrten bereits erfolgreich nachgewiesen wurde, sondern auf der Kommunikation des Fahrzeugs mit seiner Umwelt. So werden Fußgänger mittels Lichtsignalen darüber informiert, dass das Auto sie bereits registriert hat und auf die Straße projizierte Zebrastreifen zeigen, dass ein gefahrloses Vorbeigehen an dem Auto möglich ist.

Tag 3

People Analytics – Work Privacy Balance

Wie Personalentscheidungen zukünftig getroffen werden könnten, zeigten Stefanie Krügl und Cornelia Reindl in ihrem Vortrag. People Analytics heißt eine neue Entwicklung im HR-Bereich, also die Analyse vernetzter Daten, um genauere Informationen über die eigenen Mitarbeiter zu erhalten. Dabei steht nicht zwangsläufig, wie es im ersten Moment erscheinen mag, die Überwachung von Produktivität und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter im Vordergrund, sondern beispielsweise die Identifizierung von Meinungsbildnern im Unternehmen oder die Erhebung der Mitarbeiterzufriedenheit. Während in den USA bereits die ersten Projekte laufen, herrschen hierzulande noch starke Zweifel, inwieweit solche Datenanalysen die Privatsphären der Mitarbeiter verletzen.

 

Die Logik von Google und der Anspruch an gute Gesundheitsinformationen

Im Rahmen der re:health haben die Experten Klaus Koch und Jens Redmer die neuen Pläne von Google, Gesundheitsinformationen in den sogenannten Knowledge Graph zu integrieren und darüber den Nutzer über Krankheiten und Behandlungen zu informieren, diskutiert. Klaus Koch, Leiter Ressort Gesundheitsinformation am IQWiG, sieht diese Pläne kritisch, da es eine Herausforderung sein wird, die Qualität der Suchergebnisse zu gewährleisten. Google referenziert beim Knowledge Graph auf weitere Quellen. Inwieweit diese Quellen den Maßstäben der evidenzbasierten Medizin entsprechen werden, wird sich zeigen, denn Google plant neben den USA den Knowledge Graph auch auf weiteren Märkten einzuführen.

 

Die re:publica war eine informative und rundum gelungene Veranstaltung und hat interessante Einblicke ermöglicht. Einige der Themen werden wir sicherlich weiter verfolgen.

 

Autoren: Magdalena Dröse & Bärbel Büttner


 

 

Bärbel Büttner
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.