Im Oktober findet der alljährliche Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig statt und steht, wie auch schon im letzten Jahr, im Zeichen der Innovation. Neben zahlreichen Akteuren der Versicherungsbranche, begrüßen wir zudem einige Start-ups, die den Versicherungsmarkt mit ihren Produkten innovieren wollen. Auf unserem Fachblog für die Assekuranz stellen wir ab heute alle zwei Wochen ein neues Start-up vor und werfen dabei einen Blick hinter die Kulissen.

Starten wollen wir unsere Interviewreihe mit dem doch schon recht bekannten Start-up Friendsurance. Für alle, die Friendsurance noch nicht auf dem Schirm hatten: Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen überregionalen Makler, der mit einer Vielzahl von Versicherungsunternehmen kooperiert. Das Konzept hat jedoch noch eine Besonderheit. Bei Friendsurance schließen sich die Versicherten zu kleinen Gruppen zusammen, deren Versicherungsbeiträge zu einem Teil in einen Gruppentopf fließen. Bei Schadensfreiheit bekommt jeder der Gruppe einen Teil aus dem Topf als Rückzahlung, den sogenannten Schadensfrei-Bonus, wieder ausgezahlt.

Anfang Mai habe ich Friendsurance in ihren bunten Räumen besucht, um Eva Genzmer, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Friendsurance, zu interviewen und mir einen Eindruck von dem erfolgreichen Start-up zu verschaffen.

 

Friendsurance

Eva Genzmer, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Friendsurance

 

Ihr habt gerade euer Fünfjähriges gefeiert. Was gibt es alles zu feiern und was habt ihr in den fünf Jahren erreicht?

Es gibt eine ganze Menge zu feiern! Pünktlich zu unserem fünften Geburtstag haben wir unseren 50sten Mitarbeiter eingestellt. Angefangen haben wir 2010 mit nur einem Mitarbeiter und es kamen sukzessive weitere hinzu. Jetzt haben wir ein junges Team aus 13 Nationen mit unterschiedlichen Herangehensweisen, die sich gegenseitig ergänzen und befruchtend auf das Arbeiten wirken. Wir haben flache Hierarchien. Das hat den Vorteil, dass die Entscheidungswege kurz sind und wir recht unbürokratisch arbeiten können. Bei kununu waren wir erst kürzlich unter den zehn beliebtesten Arbeitgebern Berlins. Was die Arbeit bei uns wohl besonders reizvoll macht, ist der spannende Mix von traditionellen Versicherungen mit einem Peer-to-Peer-Element. Das ist etwas komplett Neues, das es bisher noch nicht gegeben hat. Wir müssen alles neu denken. Da sind unsere Mitarbeiter mit großem Enthusiasmus dabei.

 

Ihr bezeichnet euch selbst als überregionaler, unabhängiger Makler. Euer Unternehmensauftritt und auch eure Mitarbeiter entsprechen jedoch so gar nicht dem typischen Maklerbild vom Anzugträger mit Aktentasche. Wie nehmen euch die Kunden wahr?

Die Frage, die sich stellt ist: Braucht es denn noch einen klassischen Versicherungsmakler, der mit Schlips und Aktenkoffer vor der Tür steht? Wir richten uns überwiegend an eine jüngere Zielgruppe. Denen sind flexible Kommunikationswege wichtig. Also dass man als Ansprechpartner über alle elektronischen Kommunikationswege erreichbar ist. Wenn unsere Kunden eine Frage haben, dann erreichen sie uns per Telefon, Email und Live-Chat. Und so nehmen uns die Kunden auch war: Als erreichbaren Ansprechpartner, der ihnen in Versicherungsfragen mit Rat und Tat zur Verfügung steht.

 

Wie lässt sich eure Kundengruppe genau spezifizieren und wie erreicht ihr eure Kunden?

Unsere Kunden sind im mittleren Alterssegment, aus Großstädten und sehr onlineaffin.

Erreichen tun wir unsere Kunden vor allem über Presse- und Medienarbeit, Online-Marketing, aber auch über klassische Werbung. Wir hatten beispielsweise gerade eine große Anzeigenkampagne mit der Bildzeitung. Außerdem profitieren wir von hohen Empfehlungsquoten. Viele die eine Beitragsrückzahlung bekommen haben, erzählen das weiter. Für 2014 haben über 80 Prozent derjenigen, die im Rahmen des Schadensfrei-Bonus mit anderen Versicherten verbunden waren, eine Rückzahlung erhalten. Im Sachversicherungsbereich lag diese im Schnitt bei einem Drittel der eingezahlten Beiträge.

 

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Zu Gast bei Friendsurance

 

Ihr arbeitet inzwischen mit vielen unterschiedlichen Versicherern zusammen. Welche Vorteile ergeben sich für die Versicherer aus der Zusammenarbeit mit euch?

Wir arbeiten mit rund 60 Versicherungsunternehmen zusammen und sind mit weiteren im Gespräch. Die Versicherungen profitieren auf unterschiedliche Art und Weise: Zum einen ist unser Schadensfrei-Bonus für die Versicherungsunternehmen eine Art kostenloses CRM-Instrument. Durch die Beitragsrückzahlung bei Schadensfreiheit steigt die Kundenzufriedenheit und somit auch die Kundenbindung nachhaltig. Aktuell ist es so, dass die meisten Versicherungsunternehmen mit einer hohen Kundenfluktuation zu kämpfen haben, und da kann ein positives Erlebnis wie die Beitragsrückzahlung die Kundenbindung entscheidend stärken. Ein weiterer Vorteil ist die Kostenreduzierung. Unser Versicherungskonzept belohnt Schadensfreiheit und schafft dadurch einen höheren Anreiz für faires und umsichtiges Verhalten. Dies reduziert Versicherungsbetrug und senkt die Kosten der Versicherungsunternehmen. Weiterhin ist ein positiver Imageeffekt festzustellen. Die Versicherungsbranche wird in der Öffentlichkeit nicht immer positiv wahrgenommen. Durch die Beitragsrückzahlungen hat der Kunde ein positives Erlebnis und verbindet dies auch mit seinem jeweiligen Versicherungsunternehmen.

Darüber hinaus verstehen wir uns auch als Innovationspartner. In der Versicherungsbranche hat es in der jüngsten Vergangenheit nicht viele Innovationen gegeben und auch das Innovations-Know-how ist gering. Wir bieten Unterstützung, wenn es darum geht, die Prozesse zu digitalisieren. Wir geben Einblicke in unsere Arbeitsweise und lassen die Unternehmen an unserem Know-how teilhaben. Wir arbeiten sehr kundenorientiert und schauen, was genau der Kunde möchte. Wir machen kontinuierlich Benutzertests und haben die Fähigkeit schnell zu iterien. Wir passen ein Angebot solange an, bis es perfekt passt. Die Arbeitsweise, die ich in vielen Versicherungsunternehmen kennengelernt habe, hat dagegen gezeigt, dass sehr oft Produkte am Reißbrett entworfen und auf den Markt gebracht werden, ohne zu schauen ob sie überhaupt dem Bedarf entsprechen.

Neben unserer eigentlichen Innovation, dem Schadensfrei-Bonus, haben wir auch noch kleine Innovationen an den Markt gebracht, wie unsere elektronische Unterschrift, die eine schnelle und kostengünstige Abwicklung von Versicherungsgeschäften ermöglicht. Die Versicherungsindustrie ist noch sehr papierlastig – das kostet unnötig viel Zeit und Geld.

 

In einem Interview aus dem letzten Jahr mit dem Onlinemagazin „Gründerszene“ habe ich gelesen, dass der Anfang beharrlich war, aber der Erfolg dann schnell eingesetzt hat. 2014 hattet ihr bereits das sportliche Ziel eine 6-stellige Kundenzahl zu erreichen. Habt ihr das geschafft?

Wir haben eine große fünfstellige Kundenzahl. In der zweiten Jahreshälfte 2015 wollen wir die 100.000 erreichen.

 

Friendsurance

Herr Kaiser von heute!

 

Wie war die Entwicklung zu Beginn, sprich was waren die Probleme in der Anfangsphase?

Es ist tatsächlich so, dass man sich im Versicherungsmarkt als neues Unternehmen beweisen und viel Überzeugungsarbeit leisten muss. Bis die erste Partnerschaft stand, hat es 1 Jahr gedauert, dann ging es auf einmal ganz schnell. Heute arbeiten wir mit rund 60 Versicherungspartnern zusammen, die wir von unseren Vorteilen überzeugt haben.

 

In dem Interview stand auch, dass ihr in weitere Märkte expandieren und das Angebot auf eurer Plattform erweitern wollt. Wie sieht es damit aus?

Friendsurance war von Anfang an als internationales Projekt geplant und wir sondieren gerade die Möglichkeiten in anderen Märkten. Es gibt jedoch noch keine konkreten Daten für Markteintritte. Und was die Produktpalette betrifft: Wir haben bislang Hausrat-, Rechtschutz-, Haftpflicht- und Elektronikversicherungen im Angebot und wir planen in Zukunft weitere Sparten wie die KFZ-Versicherung mit aufzunehmen.

 

Wenn wir schon beim Thema Internationalisierung sind: In Deutschland ist Friendsurance einmalig. Wie sieht das auf dem internationalen Markt aus?

In Deutschland ist unser Konzept absolut einzigartig. In Großbritannien gibt es bereits das erste Unternehmen, das ein ähnliches Konzept anbietet. Genau das Gleiche passiert gerade in Paris. Auch da geht ein kleines Start-up an den Start, welches nach einem ähnlichen Konzept arbeitet. Das zeigt, dass der Bedarf eben auch in anderen Ländern vorhanden ist. In Deutschland haben wir durch repräsentative Erhebungen herausgefunden, dass die Kunden genervt sind Geld für Versicherungen zu bezahlen, die sie nur sehr selten oder überhaupt nicht in Anspruch nehmen, und Schadensfreiheit gern honoriert sehen möchten. In anderen Ländern verhält es sich offenbar ähnlich.

 

Wir sind gespannt, ob und wie das Konzept von Friendsurance in andern Märkten, aber auch bei der deutschen Assekuranz Nachahmer findet. Bis dahin beobachten wir weiterhin die Entwicklung dieses spannenden Start-ups.

 

Hinweis:

Am 3. Juni 2015 erwartet unsere Leser das nächste Start-up Interview auf dem Fachblog für die Assekuranz.


 

 

 

Bärbel Büttner
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.