Soziales und ökologisches Engagement ist inzwischen bei vielen Verbrauchern selbstverständlich und für Unternehmen längst ein relevanter Wachstumsfaktor. Stromversorger (z. B. Naturstrom AG oder Polarstern) und Banken (z. B. GLS, Triodos, Umweltbank) gibt es bereits in grün. Auch ein Blick in die Versicherungsbranche zeigt, dass der Ansatz erkannt wurde und entsprechende Angebote entstehen. Aber noch müssen Anleger gezielt nach grünen Produkten suchen.

Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet unter anderem: Ressourcen schonen sowie soziale und demographische Aspekte im wirtschaftlichen Handeln berücksichtigen. Einige Unternehmen konzipieren derzeit neue Versicherungskonzepte, zudem bieten etablierte Konzerne immer häufiger Tarife für nachhaltig orientierte Kunden an.

Noch vor zwei Jahren garantierte nur jede zweite Versicherung die Einhaltung von Umwelt- sowie Sozialstandards bei Investitionen. Konkrete Verträge mit nachhaltigen Merkmalen bot nur jede dritte an, so die Ergebnisse des „Managementkompass Nachhaltige Wertschöpfung“ der Steria Mummert Consulting.

Laut der Studie „Nachhaltigkeit in der Assekuranz“ von AMC und BetterRelations verschenken viele Versicherer noch immer Chancen und Wettbewerbsvorteile. Es sei für die Branche höchste Zeit, in einen längst überfälligen Strategieprozess zur Nachhaltigkeit einzusteigen.

 

Nachhaltig bis ins Rentenalter

Grüne Krankenversicherungen

Versicherungen für eine umweltbewusste Lebensweise

 

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Nachhaltig bis ins Rentenalter

Auch beim Thema Altersvorsorge spielt Nachhaltigkeit bereits eine große Rolle. Eine Reihe großer Versicherer wie Condor, Allianz, CosmosDirekt, DBV Winterthur und delta Lloyd bieten bereits Altersvorsorgeprodukte mit Nachhaltigkeits-Merkmalen an. Vorreiterin unter den grünen Altersvorsorgen ist die transparente – Nachhaltige Vorsorgeprodukte GmbH, bei der ein Anlagenbericht detailliert offenlegt, in welche Projekte wie viel Geld investiert wurde: Der Großteil der Mittel fließt in erneuerbare Energien und finanziert besonders nachhaltige Gesundheits- und Wohnprojekte.

Mit der „GrünenRente“ hat auch die Stuttgarter Lebensversicherung eine eigene nachhaltige Altersvorsorge im Angebot. Sie garantiert ihren Kunden, mindestens in Höhe der Sparanteile der eingezahlten Beiträge in erneuerbare Energien oder sozial genutzte Immobilien zu investieren. Die Nachhaltigkeit der Anlagen wird vom Institut für nachhaltiges und ethisches Finanzwesen überprüft.

Grüne Krankenversicherungen

Auch Krankenversicherungen werden „grün“. Hier werden nicht nur die Rücklagen nachhaltig angelegt, sondern auch alternative Behandlungsmethoden angeboten.

Unter den privaten Krankenkassen sticht mit einem ökologischen Profil besonders die Barmenia  hervor. Bei den Geldanlagen setzt sie auf Mindestkriterien für Nachhaltigkeit und investiert zusätzlich über Beteiligungsfonds in Solar- und Windkraftwerke. Darüber hinaus bietet sie ebenfalls eine grüne Rentenversicherung an, in deren fondsgebundener Variante mehrere ökologisch orientierte Investmentfonds zur Wahl stehen. Bis 2016 will die Barmenia außerdem CO2-neutral werden.

Unter Umweltgesichtspunkten kann die gesetzliche BKK advita als Vorbild in der Branche gelten. Die Krankenkasse verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und agiert nicht nur beim Investitionsverhalten nachhaltig, sondern auch beim Unternehmensbetrieb. Sie setzt bei ihren Rücklagen auf nachhaltige Banken und hat eine ganze Reihe an Einzelmaßnahmen beschlossen, die den laufenden Betrieb umweltfreundlicher gestalten. Dazu gehört zum Beispiel der Einsatz von Green IT, Ökostrom oder ÖPNV-Zuschüssen für Mitarbeiter. Die BKK advita, ist in erster Linie als Krankenkasse für alternative Medizin bekannt, die u. a. Homöopathie oder naturheilkundliche Zahnarztbehandlungen bezuschusst. Doch während das Unternehmen bereitwillig über alternative Medizin informieren, sind die Angaben zum Thema Geldanlagen nur sehr allgemein gehalten. Wie nachhaltig die Investments tatsächlich sind, kann nur vermutet werden, da auf eine detaillierte Auflistung dieser verzichtet wird.

Versicherungen für eine umweltbewusste Lebensweise

Auch die Lebensweise eines Versicherungskunden spielt bei grünen Versicherungen eine Rolle und wird bereits bei einigen Unternehmen belohnend berücksichtigt. Bei der Kfz-Versicherung von Greensurance zum Beispiel erhalten Autofahrer, die einen niedrigen CO2-Ausstoß haben oder in die Kompensation des Treibhausgases investieren, günstigere Tarife. Bei der Kfz-Versicherung der Sparkasse sparen Fahrer von Hybrid-, Gas- und Elektroautos.

Greensurance bietet ebenso grüne Berufshaftpflichtversicherungen an, bei denen nachhaltiges Verhalten einzelner Berufsgruppen wie Architekten oder Bautechniker finanziell belohnt wird. Die Hausratversicherung der Ver.de zahlt ihren Kunden im Schadensfall einen Zuschlag von 20 % für die Anschaffung von ökologischen bzw. fairen Ersatzprodukten. Geht also die Waschmaschine kaputt, besteht der Anreiz, ein energiesparendes Nachfolgegerät zu kaufen. Damit auch die Kapitalanlagen einen ökologischen Mehrwert erzielen, werden die Kundenbeiträge bei grünen Banken wie GLS oder Triodos angelegt. Auch bei der Sparkassenversicherung lässt sich eine Hausratversicherung abschließen, die im Versicherungsfall Mehrkosten für Ersatzgeräte der höchsten Energieeffizienzklasse übernimmt.

Ver.de und Greensurance planen, von Grund auf nachhaltige Strukturen im Versicherungswesen zu etablieren. Greensurance wird voraussichtlich im Mai dieses Jahres sein neues Geschäftskonzept vorstellen. Dieses soll umfassende Vertragsmodelle und ein Partnernetzwerk beinhalten, zu dem auch größere Versicherer gehören.

Es wird deutlich, dass Nachhaltigkeit auch im Finanzwesen längst keine Modeerscheinung mehr ist. Vor allem Privatanleger möchten ihr Geld nicht nur gewinnbringend anlegen, sondern achten zunehmend auch auf ethische, soziale oder ökologische Aspekte. Auch die Versicherungsbranche reagiert auf diesen Trend und etabliert nach und nach einige interessante Produkte. Schreitet die Entwicklung so voran wie bisher, werden in den kommenden Jahren neue spannende Vertragsmodelle entstehen.

(Quelle: Onlinemagazin Utopia | http://www.utopia.de/magazin/besten-gruenen-versicherungen)


Mareen Rühle
Mareen Rühle war 2013 bis 2015 im Team „Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig als Werkstudentin tätig. Ihre Verantwortung lag unterstützend in der redaktionellen Pflege der Webseite, der Betreuung der Forenpartner sowie der Pflege der Kundendatenbank.