Luanda galt lange als die strukturschwache und verschlafene Hauptstadt Angolas. Seit dem Ende des Bürgerkrieges 2002 entwickelt sie sich jedoch zu einer pulsierenden Metropole und gilt mittlerweile als die weltweit drittgrößte portugiesischsprachige Stadt der Welt. Dieser Entwicklungsboom strahlte auf ganz Angola aus, das inzwischen zu den wachstumsstärksten Volkswirtschaften der Welt gehört. Luanda beweist eindrucksvoll, dass viele afrikanische Staaten und Städte ein enormes, meist unterschätztes, Wachstumspotenzial vorzuweisen haben.

Dieses Wachstum kommt auch der bislang nur schwach entwickelten Versicherungsbranche zugute, die von der wirtschaftlichen Entwicklung einzelner Länder und Städte profitieren kann. Um dies zu verwirklichen, muss sie sich zunächst zahlreichen Herausforderungen stellen. Diese unterscheiden sich wesentlich von denen hiesiger Versicherer, sodass es nicht nur interessant, sondern auch lohnenswert ist, einen Blick auf den afrikanischen Versicherungsmarkt zu werfen.

 

Anderer Kontinent, andere Hauptrisiken

Geringe Prämieneinnahmen und deren Ursachen

Nigeria – Markt mit Potenzial?!

 

 

Africa cubics: Afrika Versicherungen

 

Anderer Kontinent, andere Hauptrisiken

Die Risiken, auf die (trotz geringem Kapital) reagiert werden muss, unterscheiden sich stark von denen anderer Kontinente. Eines der größten Probleme für die Bevölkerung sind langanhaltende Dürren, in deren Folge es zu Ernteausfällen und Hungersnöten kommt. Um dieser Problematik finanziell entgegenzutreten, wurde die African Risk Capacity (ARC) aufgebaut, die bei einer eintretenden Naturkatastrophe finanzielle Mittel schneller und unkomplizierter zur Verfügung stellt, als dies bei Spendengeldern der Fall ist. Aufgrund des Ebola-Fiebers, das im vergangenen Jahr in Westafrika ausbrach, erweiterte die ARC ihren Schutz auch auf Krankheitsausbrüche und Epidemien.

 

Geringe Prämieneinnahmen und deren Ursachen

Im globalen Vergleich der Prämieneinnahmen des Jahres 2012 zeigt der afrikanische Versicherungsmarkt deutlich geringere Zahlen als der Westeuropäische. So lagen die Prämieneinnahmen in Westeuropa bei 1.462 Mrd. USD, wohingegen Afrika gerade einmal 72 Mrd. USD zu verbuchen hatte. Wesentliche Faktoren hierfür sind neben der schlechten wirtschaftlichen Lage einzelner Bevölkerungsschichten u. a. die geringe Versicherungsdurchdringung. So haben Versicherungen vor allem mit mangelndem Vertrauen ihrer (potenziellen) Kunden zu kämpfen. Hinzu kommt das fehlende Bewusstsein vieler Menschen für die Notwendigkeit grundlegender Versicherungen. Aufgrund dieser Faktoren sowie dem schlecht ausgebildeten Rechtswesen und den vorherrschenden politischen Instabilitäten hatten in der Vergangenheit nur wenige ausländische Versicherer den Mut, in den Markt zu investieren und den Versicherungssektor weiter auszubauen. Warum es eine verpasste Chance sein könnte, dem Versicherungsmarkt Afrikas keine Beachtung zu schenken, wird am Beispiel Nigerias deutlich.

 

Nigeria – Markt mit Potenzial?!

Der nigerianische Versicherungsmarkt ist mit Prämieneinnahmen von 1.863 Mio. USD aktuell der drittgrößte Afrikas. Die Bevölkerungszahl Nigerias ist die größte Afrikas und auch die Wirtschaft entwickelt sich zunehmend positiv. Trotz dieser für Versicherer lukrativen Grundvoraussetzungen ist der Versicherungsmarkt weitestgehend unberührt. Die nigerianische Regierung hat jedoch starkes Interesse daran, den Versicherungssektor weiter auszubauen. Verschiedene Maßnahmen wie die Einführung von obligatorischen Versicherungen, z.B. Kfz-Versicherungen und die Bauherrenhaftpflicht, unterstreichen deutlich das Bestreben der Regierung. Als sehr wegweisend erwies sich im Rahmen dessen die 2013 eingeführte Reform namens „no premium, no cover“. Kern dieser Reform ist der Umgang mit unbezahlten bzw. nur teilweise bezahlten Versicherungsbeiträgen, welche das Auszahlen von Schadenforderungen für viele Versicherer nahezu unmöglich machten. Im Zuge der Reform wurden Versicherer nun dazu verpflichtet, keinen Versicherungsschutz zu gewährleisten, wenn nicht der volle Betrag für diesen bezahlt wurde. Der Risikoübernahme von Versicherungsverträgen auf Kredit wurde damit ein unwiderrufliches Ende gesetzt. Die Implementierung der Reform erwies sich als überaus erfolgreich. Der nigerianische Versicherungssektor stabilisierte sich und die Einnahmen der Versicherer sowie deren Anteile auf dem Aktienmarkt nahmen signifikant zu. Angespornt von diesem Erfolg plant nun auch Ghana die Einführung einer „no premium, no cover“ Reform.

Auf Grundlage dieser Entwicklungen geht die National Insurance Commission Nigerias (NAICOM) optimistisch davon aus, dass der nigerianische Versicherungsmarkt nicht nur in Afrika, sondern bald auch auf dem globalen Markt eine führende Position einnehmen wird. Für ausländische Investoren stellt dies eine Chance dar, die nur schwer ignoriert werden kann. Einige internationale Versicherer, darunter Swiss Re und Prudential haben dies bereits erkannt und in den afrikanischen Markt investiert. Vor allem Länder wie Nigeria, Ghana und Kenia, die eine zunehmend wachsende Mittelklasse vorzuweisen haben, bieten gute Bedingungen für Versicherer. Voraussetzung dafür ist, dass Versicherungsunternehmen sich über die unterschiedlichen Herausforderungen, die die Länder des Kontinents mit sich bringen, bewusst sind und die Versicherungsprodukte entsprechend ausrichten.

 

Weiterführende Artikel und Quellen:

The Arfrica Report: http://www.theafricareport.com/News-Analysis/insurance-rising-african-incomes-entice-big-players.html

KPMG: http://www.kpmg.com/Africa/en/IssuesAndInsights/Articles-Publications/Documents/Insurance%20in%20Africa.pdf

The Guardian: http://ngrguardiannews.com/business/insurance/197161-nigeria-s-insurance-industry-has-capacity-to-underwrite-risks-pay-claims

Proshare: http://www.proshareng.com/news/8772

Lloyd’s: http://www.lloyds.com/~/media/files/the%20market/tools%20and%20resources/new%20market%20intelligence/country%20profiles/imea/ng_mi_2014_05_16_country%20profile.pdf

All Africa: http://allafrica.com/stories/201502180321.html


 

Julia Ende
Julia Ende war 2014 bis 2017 im Team „Unternehmenskommunikation und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig als Werkstudentin tätig. Sie unterstützte die redaktionellen Arbeiten für den Trendletter der Versicherungsforen Leipzig sowie die Betreuung der Forenpartner und die redaktionelle Pflege der Webseite.