Gestern Abend auf dem Heimweg bin ich in eine Reisegruppe aus China geraten. Die Reiseführerin erzählte wohl etwas zum alten Rathaus und zeigte anschließend in Richtung Auerbachs Keller, zu dessen Gästen bereits Johann Wolfgang von Goethe zählte, und somit bei keiner geführten Tour fehlen darf. Die Gruppe setzte sich in Bewegung, wahrscheinlich um ihre Führung mit einem leckeren Essen zu beenden. Chinesen haben in der Regel hohe Erwartungen an deutsches Essen. Andersherum sieht das mitunter schon ganz anders aus. Denn was in China unter den Begriff „Delikatesse“ fällt, stößt hierzulande oft auf wenig Vorliebe. Eine dieser Delikatessen ist die chinesische Wollhandkrabbe, die mittlerweile auch in deutschen Gewässern zu finden ist. Sie wurde vor vielen Jahren nach Deutschland eingeschleppt und fühlt sich hier nun pudelwohl. Zum Ärger der Fischer, denn das kleine Krustentier zerstört nicht nur Fischernetze, sondern auch den Fang, der mit ins Netz gegangen ist. In China hingegen erzielt die Delikatesse hohe Preise und Fischer versichern sich gegen einen möglichen Fangausfall.

 

China: Versicherungen für die Wollhandkrabbe

Wie schaut es sonst auf dem chinesischen Versicherungsmarkt aus?

Welche Versicherungen sind im Kommen?

 

China: Versicherungen für die Wollhandkrabbe

 

Die Wollhandkrabbe ist durch den Klimawandel bedroht. Durch steigende  Temperaturen sterben viele der empfindlichen Tiere, die nur Temperaturen um die 33 Grad aushalten. Der Rückversicherer Swiss Re hat daher gemeinsam mit dem chinesischen Versicherer China Pacific Insurance (CPI) eine Art Wetterversicherung auf den Markt gebracht, die Ausfälle in der Wollhandkrabbenzucht abdecken soll. Krabbenfischer, die eine derartige Versicherung abgeschlossen haben, erhalten Leistungen für Ausfälle, wenn die Temperatur an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 37,5 Grad beträgt.

 

living freshwater crab

 

 

Wie schaut es sonst auf dem chinesischen Versicherungsmarkt aus?

 

Mit Prämieneinnahmen von knapp 278 Milliarden USD im Jahr 2013 ist China mittlerweile der viertgrößte Versicherungsmarkt der Welt. Mit seinen relativ hohen Wachstumsraten ist der chinesische Versicherungsmarkt für ausländische Versicherer auch ein attraktives Ziel für Expansionen. Der Schritt ins Reich der Mitte ist jedoch ein schwieriger. Der chinesische Finanzsektor ist so streng reguliert wie kaum ein anderer und einheimische Versicherer werden ganz offen bevorzugt. Es gibt jedoch einen Lichtblick. Im April hat die  chinesische Versicherungsaufsicht CIRC eine Verwaltungsvorschrift erlassen, die die Regelungen zur Übernahme von chinesischen Versicherungsgesellschaften und zum Anteilserwerb deutlich lockert.

 

Welche Versicherungen sind im Kommen?

 

Lebensversicherungen, Agrar-Versicherungen und Kfz-Versicherungen sind Produkte mit hohem Wachstumspotential. Eine überalternde Gesellschaft und eine aufstrebende Mittelschicht wecken neue Bedarfe an Versicherungsprodukten. Das gesetzliche Rentensystem kommt langsam an seine Grenzen. Wie auch in Deutschland werden in China Reformen diskutiert, die die Förderung der privaten Altersvorsorge vorantreiben sollen. Weiterhin lukrativ ist das Kompositgeschäft, welches zu rund 70 Prozent seine Einnahmen aus Kfz-Versicherungen generiert und ein stetiges Wachstum erfährt. Innerhalb von 10 Jahren hat sich der Absatz an PKWs fast verfünffacht. Das und die Einführung der obligatorischen Haftpflichtversicherung  für Fahrzeughalter im Jahr 2006 haben zu einem regelrechten Boom der Kfz-Versicherung geführt. Auch der chinesische Agrarversicherungsmarkt kann sich sehen lassen. Mit einem Prämienaufkommen von circa 5 Milliarden USD ist er aktuell der zweitgrößte der Welt nach den USA und er wird wohl weiter deutlich wachsen, auch weil der Staat die Agrarversicherung subventioniert. Trotz der Förderungsmaßnahmen ist die Versicherungsdurchdringung hier noch relativ gering. Daher soll das Agrarversicherungssystem weiter ausgebaut werden.

 

Der chinesische Markt hat viel Potenzial und lockt ausländische Versicherer. Ende 2013 waren 49 ausländische Versicherer in China registriert, fast alle der 20 internationalen Marktführer sind vertreten, heißt es in einem Bericht der chinesischen Ratingagentur Dagong. Im Vergleich zu Anbietern aus anderen Kontinenten konnten vor allem europäische Versicherer ihre Marktanteile steigern und Prämienwachstum erzielen, darunter auch die Axa, Allianz, Generali und die Zurich.

 

Für alle, die noch den chinesischen Markt erobern möchten, sollte jedoch klar sein, wer sich hier etablieren will, braucht einen langen Atem und die notwendige Flexibilität, um schnell auf veränderte regulatorische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen reagieren zu können.

 

Wie schätzen Sie das Potential des chinesischen Marktes ein? Lohnt sich die Mühe oder sind andere Märkte attraktiver?

 

Hinweis: Einen ausführlicheren Beitrag hierzu finden Sie in unserem Themendossierarchiv.


 

Katja Wagenknecht
Katja Wagenknecht ist seit 2012 bei den Versicherungsforen Leipzig tätig. Seit 2016 leitet sie das Team „Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung“. Als Linguistin ist sie Expertin für die Produktion und Aufbereitung von Texten und Artikeln, als Betriebswirtin besitzt sie gleichermaßen das Gespür für Zahlen und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge.