Diesen Blogbeitrag möchte ich dem spannenden Thema „Gamification“ widmen, denn immer häufiger stößt man im Alltag oder Berufsleben auf „kleine Spielchen“, die am Ende irgendeine Art Belohnung versprechen. Und jeder weiß, wie schön Belohnungen sind. Auch in den Medien liest man über das ein oder andere Best-Practice-Beispiel. Aber funktioniert so etwas auch bei Versicherungen? Und wie könnte das aussehen? Die Ansätze, die bei Gamification verfolgt werden, sind vielfältig. Von daher wird die Antwort auf meine Frage ebenso vielfältig ausfallen. Legen wir los!

 

Gamification – Das Appellieren an den Spieltrieb

Manchmal braucht man Anreize! 

Gamification im Finanzbereich

 

Gamification in business concept illustration

Gamification in business concept illustration© bloomua – Fotolia.com

 

 

Gamification – Das Appellieren an den Spieltrieb

 

Zur Definition des Begriffs bediene ich mich einfach einer Definition aus dem Gabler Wirtschaftslexikon. Es beschreibt Gamification als „Übertragung von spieltypischen Elementen und Vorgängen in spielfremde Zusammenhänge mit dem Ziel der Verhaltensänderung und Motivationssteigerung bei Anwenderinnen und Anwendern“. Gamification appelliert an den Spieltrieb des Menschen. Auf spielerische Art und Weise werden Prozesse interessanter gestaltet und es wird dazu angeregt, bestimmte Verhaltensweisen anzunehmen oder erwünschte Handlungen zu vollziehen. Ganz neu ist die Idee nicht, da das Prinzip von Belohnungssystemen in der Psychologie, z.B. in Form der Verhaltenstherapie, schon seit mehr als 50 Jahren Anwendung findet. Auch in der Wirtschaft hat man längst erkannt, dass Belohnungssysteme ein effektives Mittel zur Erhöhung der Kundenbindung sind. In Zeiten der zunehmenden Digitalisierung lässt sich dies auf viele Lebensbereiche ausweiten und bei der Umsetzung sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt.

 

Manchmal braucht man Anreize!

 

Ranglisten, Punkte sammeln, Badges ergattern, besser als der Andere sein: Darum geht es bei Gamification. Auf spielerische Weise lässt es sich besser lernen und zu bestimmten Verhaltensweisen animieren. Im Personalbereich wird das Prinzip bereits angewendet, um Mitarbeiter zu motivieren. Wer hat die meisten Vertragsabschlüsse? Wer liefert und kommt am pünktlichsten? Wer nutzt am häufigsten neue Systeme und Applikationen? Durch Gamification können sich die Mitarbeiter untereinander messen und zu besseren Leistungen anspornen. Dabei ist die Gamification-Maßnahme umso erfolgreicher, je mehr die “intrinsische”, also die innere Motivation der Menschen unterstützt wird.

 

Ein schönes Beispiel für eine Gamification-Anwendung im Personalbereich bietet der IT-Dienstleister Bayer Business Services. Hier wurde eine Art Ideenwettbewerb ins Leben gerufen, bei dem die Mitarbeiter Vorschläge für Gamification-Apps einreichen konnten. Gewonnen hat eine App zur Stammdatenpflege, mit der sichergestellt wird, dass Kunden- und Vertriebsinformationen schneller aktualisiert werden. Hier entstand auf spielerische Weise eine interne Innovation, die wiederum spielerische Element enthält.

 

Gamification im Finanzbereich

 

Über Spieleapplikationen und „das Internet der Dinge“ ist es möglich, den Endkunden über geschäftliche Anlässe hinaus zu erreichen und sein Verhalten zu beeinflussen. Apps, die das Sportverhalten messen, zu höheren Leistungen animieren und in Communities und sozialen Netzwerken für andere vergleichbar machen, gibt es bereits. Auch für die Versicherungsbranche sind solche Apps eine spannende Lösung, um eine gesunde Lebensweise beispielsweise mit Geldprämien zu belohnen. Das Unternehmen Sporttsclub stellte zu unserem diesjährigen Partnerkongress einen interessanten Ansatz für diesen Bereich vor. Sporttsclub macht sich das Bonusprogramm zu Nutze und belohnt sportliche Aktivitäten mit Punkten. Das Ganze funktioniert via App und ist u.a. eine Möglichkeit für Krankenversicherungen, ihre bestehenden Bonusprogramme zu erweitern.

 

Auch für den Bereich der Kfz-Versicherung gibt es bereits erste Anwendungen und weitere Produkte stehen in den Startlöchern. Die Sparkassen DirektVersicherung bietet bereits seit einem Jahr einen Telematik-Tarif an und belohnt vorbildliche Fahrweise mit Geldprämien. Jeden Monat kürt der Versicherer den Fahrer des Monats auf seiner Internetseite und motiviert zu einem besseren Fahrverhalten.

 

Im IT-Finanzmagazin begegnete mir kürzlich ein interessantes Beispiel aus Schweden. Die Ikano Bank hat eine klei­ne Android- und iOS-​​APP entwickelt und versucht mit Hilfe eines Spiels Sparer für sich zu gewinnen. Dabei müs­sen die Spa­rer mit einem flie­gen­den Spar­schwein den Spar­hin­der­nis­sen wie Bäcke­reien, Juwe­lie­ren, Schuh­ge­schäf­ten und Kios­ken aus­wei­chen. Wer sich mal an dem Spiel versuchen möchte, eine Internet-​​Variante befindet sich unter http://www.flappysaver.se/. Ich habe das Spiel getestet und bin schon am zweiten Gebäude mit dem Sparschwein hängen geblieben. Für meine Sparerquote bedeutet das dann scheinbar nichts Gutes.

 

Ähnliche Spiele sind auch für Versicherer denkbar, beispielsweise um zu mehr Sicherheit und Prävention zu motivieren. Das Produkt Versicherung ist für viele Kunden schlecht greifbar, da es erst im „Schadenfall“ erlebbar wird. Vielleicht bietet Gamification hier einen Ansatz, um dem entgegenzuwirken. Auch im Bereich der Produktentwicklung sind vergleichbare Applikationen denkbar. Kunden können bei der Produktentwicklung mit einbezogen werden oder Produkte selber entwickeln und individualisieren. In anderen Bereichen, wie das Beispiel der Bayer Business Services zeigt, wurde dieser Ansatz bereits erfolgreich umgesetzt.

 

Was halten Sie von Gamification? Kennen Sie vielleicht weitere interessante Beispiele aus dem Finanzbereich?


 

 

Bärbel Büttner
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.