Wie weit sind die Versicherer bei der Umsetzung von Solvency II? Dieser Frage sind wir im Frühjahr dieses Jahres im Rahmen einer Umfrage nachgegangen. Gerade bei der Umsetzung der neuen Fit-and-Proper-Anforderungen kamen wir zu interessanten Ergebnissen, die ich Ihnen im Folgenden etwas genauer vorstellen möchte. Die Umfrage richtete sich an die verschiedenen Abteilungen, die von den Solvency-II-Anforderungen betroffen sein können. Insgesamt  95 Mitarbeiter aus ca. 40 Versicherungsunternehmen haben daran teilgenommen.

 

Wer erfüllt bei den Versicherern die Fit–and-Proper-Anforderungen?

Beim Thema Leitlinien herrscht noch Nachholbedarf!

Weiterbildung ist das A und O, um „fit“ zu bleiben

 

 

Fit and propr

Wer erfüllt die Fit–and-Proper-Anforderungen?

Artikel 42 Abs. 1 der Solvency-II-Richtlinie legt fest, dass alle Personen, die das Unternehmen tatsächlich leiten oder andere Schlüsselaufgaben verantwortlich innehaben oder für Schlüsselaufgaben tätig sind, fachlich qualifiziert („fit“) und persönlich zuverlässig („proper“) sein müssen. Inwieweit diese Anforderungen schon umgesetzt sind, haben wir in unserer Studie zum Umsetzungsstand von Solvency II analysiert. Als Hauptverantwortliche für den Themenbereich „Fit and Proper“ kristallisierten sich die Abteilungen Risikomanagement und Personal heraus. Unterstützende Tätigkeiten üben in den verschiedenen teilnehmenden Unternehmen ganz unterschiedliche Abteilungen aus, häufig involviert sind neben den genannten Bereichen auch das Aktuariat, die Abteilung Recht/Compliance und die Interne Revision. Dabei ist positiv hervorzuheben, dass sich nahezu alle Verantwortlichen bereits mit den zugehörigen Anforderungen auseinandergesetzt haben. Dies ist umso wichtiger, da die BaFin bereits in der Vorbereitungsphase von Solvency II von den Unternehmen erwartet, dass die Anforderungen sowohl in Bezug auf die Geschäftsleiter und Aufsichtsratsmitglieder als auch in Bezug auf die Inhaber der vier Schlüsselfunktionen erfüllt werden.

Beim Thema Leitlinien herrscht noch Nachholbedarf!

Etwas anders gestaltet sich derzeit noch der Umsetzungsstand der Fit-and-proper-Leitlinie. Hier kann erst eines der befragten Unternehmen eine solche vorweisen. Bei 50 Prozent der Befragten befindet sich die Leitlinie noch in der Ausarbeitungsphase und bei 34 Prozent erst in der Planungsphase.

Inhaltlich planen die Unternehmen, Anforderungen an die Führungskräfte und die Inhaber von Schlüsselfunktionen in die Leitlinie aufzunehmen. Hier ist jedoch zu beachten, dass auch bei sonstigen Mitarbeitern zumindest die internen Qualifikationsstandards schriftlich festzuhalten sind (gemäß Guideline 13 der EIOPA-Guidelines zum Governance-System).

Welche konkreten Anforderungen die Versicherungsunternehmen in die geplanten Leitlinien aufnehmen wollen, zeigt die obere Grafik. Es ist empfehlenswert, das Augenmerk jedoch nicht nur auf die fachliche Qualifikation und persönliche Zuverlässigkeit der Mitarbeiter zu legen, sondern auch die weiteren aufgeführten Aspekte zeitnah in die Leitlinien mit aufzunehmen, da auch diese explizit von der EIOPA und der BaFin gefordert werden.

Weiterbildung ist das A und O, um „fit“ zu bleiben

Zum Abschluss des Themas „Fit and Proper“ haben wir gefragt, in welchen Bereichen das Unternehmen entsprechende Weiterbildungsprogramme anbietet, sodass die Führungskräfte laufend qualifiziert bleiben. Lediglich ein Viertel der Befragten Unternehmen wies dabei auf Weiterbildungen im Bereich Solvency II hin. Die Hälfte der Teilnehmer bietet in keinem der genannten Bereiche Weiterbildungen an, zwei davon greifen aber auf externe Schulungen zurück.

Der Themenbereich „Fit and Proper“ scheint also noch keinesfalls abgeschlossen, denn gerade was das Formulieren einer Leitlinie betrifft, stehen einige Versicherer noch am Anfang. Hier wird sich in der nächsten Zeit noch einiges tun müssen, schließlich verlangt die BaFin die Einhaltung der Anforderungen bereits in der Vorbereitungsphase.

 

Wie ist der Entwicklungsstand beim Thema „Fit and Proper“ in Ihrem Haus? Verfügen Sie bereits über Leitlinien und können entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen in Anspruch nehmen? Worin liegen Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen bei der Umsetzung der Fit-and-Proper-Anforderungen?

 

Hinweis!

Wer sich für die Ergebnisse der Studie interessiert, kann sich gern an mich wenden:
Franziska Bach
E bach@versicherungsforen.net
T +49 341 98988-254

Weitere Informationen zur Umfrage finden Sie hier.


 

Franziska Bach
Franziska Bach ist seit 2006 für die Versicherungsforen Leipzig tätig. Im Kompetenzteam „Finanzen und Risikomanagement“ beschäftigt sie sich mit den Themen Risikomanagement und Solvency II. Sie betreut die User Groups „Solvency II“ und „Kapitalanlagemanagement im Versicherungsunternehmen“ sowie den Messekongress „Finanzen und Risikomanagement“. Zudem ist sie Ansprechpartnerin für die Seminare „Solvency II“ der Versicherungsforen Leipzig.