Die innovativsten Unternehmen aller Branchen in Deutschland können zeitnah auf Änderungen im Markt reagieren und wachsen damit dreimal schneller als „Innovationsanfänger“. (Quelle) Wachstum ist auch einer der Gründe, warum Versicherungsunternehmen verstärkt auf der Suche nach Innovationslösungen für ihre Herausforderungen sind. Klar ist aber auch, dass die Ideen für diese Lösungen nicht auf Knopfdruck produziert werden können. Ideengut braucht Freiheiten. Freiheiten können jedoch nur dort gewährt werden, wo die dafür notwendige Kultur vorzufinden ist. Diese Unternehmenskultur kann sich erst dann entwickeln, wenn ein gemeinsames Grundverständnis für die Notwendigkeit von Innovationen vorliegt.

Nur der Großhandel ist weniger innovativ als die Assekuranz

Dieser Innovationskreislauf benötigt Strategien und Prozesse – ein Rahmenkonstrukt, das die Freiheit zum „Anders-Denken“ und „Innovieren“ gewährt. Umso verwunderlicher ist es, dass 57 Prozent der Versicherungsunternehmen über kein fest institutionalisiertes Innovationsmanagement verfügen, so die Ergebnisse einer von den Versicherungsforen Leipzig initiierten Branchenstudie in Kooperation mit der Handelshochschule Leipzig. (Quelle) Gerade einmal 0,5 Prozent des Umsatzes von Finanzdienstleistern wird durchschnittlich für Innovationsausgaben aufgewendet – nur im Großhandel wird weniger für Innovationen ausgegeben. (Quelle) Hierbei wird der Fokus sehr stark auf Produktinnovationen gelegt, die meist eher inkrementeller, statt radikaler Natur sind.

Der Druck von außen wird verschärft – branchenfremde Konkurrenz auf dem Vormarsch

Neben den zahlreichen Trends im gesellschaftlichen und technischen Umfeld kristallisiert sich ein weiterer Disruptor heraus, der der Assekuranz zunehmend Kopfschmerzen bereitet: Die Konkurrenz von außen. Traditionelle Denkweisen von Versicherungsunternehmen können künftig dazu führen, dass notwendige neue Geschäftsmodelle nicht mehr selbst entwickelt, sondern dass die Etablierten aus ihren Nachbarbranchen heraus angegriffen werden. Erste „weak signals“ können bereits heute identifiziert werden. Firmen wie SureNow oder AppSichern sind solche Beispiele. Aber auch die Big Player, wie Google oder Amazon sind potenzielle Marktmitstreiter. Sie unterscheiden sich insbesondere in einem Punkt von den traditionsreichen Versicherungskonglomeraten: Sie besitzen den Rohstoff des 21. Jahrhunderts – Daten! Eine sinnvolle Verknüpfung und Auswertung des Datenmaterials kann als wertvolle Basis für die Unterbreitung innovativer Versicherungslösungen herangezogen werden. Daher rücken auch diese Marktmitstreiter zunehmend in den Fokus strategischer Entscheidungen von Versicherungsunternehmen. Wie können Versicherer nun hierauf reagieren?

Alleinstellungsmerkmale sind gefordert – Innovationen als Kultur verstehen

Seit jeher ist die Versicherungsbranche eine Adaptionsbranche. Einer macht es vor, alle machen es nach. Fehlende Patentschutzrechte führen dazu, dass innovative Versicherungsprodukte oftmals nach kurzer Zeit nachgeahmt werden. Auf den Entwicklungskosten bleibt meist nur der „first mover“ sitzen. Fakt ist aber auch, dass insbesondere die Unternehmen erfolgreich sein werden, die Innovation als Selbstverständnis, als Kulturaufgabe verstehen. Ein einzelnes Produkt bestätigt noch lange nicht das Innovationsverständnis eines ganzen Konzerns. Daher heißt es zunächst Strukturen und Prozesse zu festigen, mit denen in der Folge konkrete Innovationen generiert werden können. Wir, die Versicherungsforen Leipzig, haben hierfür verschiedene Branchen (z.B. Pharma- und Automobilindustrie) unter die Lupe genommen und deren Innovationsprozesse analysiert. Im Ergebnis haben wir ein generisches Modell entwickelt, das als Basis für die Implementierung eigener Innovationsaktivitäten herangezogen werden kann.

 

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Innovationsinfrastruktur für Versicherungsunternehmen

 

Die dargestellte Innovationsinfrastruktur setzt sich aus den folgenden drei Ebenen zusammen:
  • einer speziell auf die Versicherungswirtschaft angepassten operativen Ebene,
  • einer den Innovationsprozess unmittelbar beeinflussenden Strategieebene mit Elementen wie einer ganzheitlichen Strategie sowie dem dafür erforderlichen Controlling und
  • einer das Innovationsmanagement fördernden Ebene mit Rahmenbedingungen wie Organisation, Kultur und Wissensaufbau.

Alle drei Ebenen sollten ganzheitlich bei den Innovationsentwicklungen berücksichtigt werden, um das Versicherungsunternehmen als gesamte Einheit zu mehr Innovationsfähigkeit zu verhelfen. Wo welche Innovationen konkret auftreten, wo und wie Ideen generiert und umgesetzt werden, all das kann und sollte durchaus ein zufallsgetriebener Kreativitätsprozess sein. Wichtig ist nur, dies innerhalb strukturierter Bahnen umzusetzen, um das maximale Potenzial für das gesamte Unternehmen aus jeder Innovation ziehen zu können.

 

Über Hintergründe zu diesem Thema können Sie sich im Workshop beim diesjährigen Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig am 24. September 2014 informieren. Dort stellen wir exklusive Studienergebnisse zur Innovationsfähigkeit der Versicherungswirtschaft vor. Branchenfremde Innovationsverantwortliche berichten über ihre Erfahrungen. Anschließend berichten wir im Detail über die Innovationsinfrastruktur und wenden das vermittelte Wissen in Form konkreter Workshop-Aufträge an.


 

Antje Pfeifer
Antje Pfeifer war bis Oktober 2015 als Leiterin für »Trendforschung und Innovationsmanagement« bei den Versicherungsforen Leipzig tätig. Sie beschäftigte sich mit den zentralen Herausforderungen zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Assekuranz und bildete dabei eine Querschnittsfunktion über die einzelnen Kompetenzfelder der Versicherungsforen Leipzig ab.