Der Start von Solvency II wird planmäßig zum 1. Januar 2016 erfolgen. Mit der Verabschiedung der Omnibus-II-Richtlinie im März 2014 wurde ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Einführung von Solvency II gemacht, seit dem 1. Januar 2014 läuft nun die Vorbereitungsphase. Die BaFin hat hierfür die von der EIOPA vorgegebenen Leitlinien in 15 Themenblöcke aufgeteilt. Zu 13 dieser Themenblöcke wird es jeweils eine Verlautbarung geben, in der die BaFin erläutert, was Unternehmen während der Vorbereitungsphase zu beachten haben und worauf es bei der Implementierung des entsprechenden Themenbereichs ankommt. Die Veröffentlichung der einzelnen Verlautbarungen wird über den Zeitraum bis April 2015 verteilt. Solvency ll stellt eine Herausforderung für die Versicherungsbranche dar und hat Auswirkungen auf zahlreiche Unternehmensabteilungen. Welche das sind und was diese zu tun haben, möchte ich in meinem Beitrag erläutern.

 

Anforderungen an die einzelnen Abteilungen

Studie der Versicherungsforen Leipzig zum Umsetzungsstand von Solvency II

 

Anforderungen an die einzelnen Abteilungen

Begonnen wurde mit der Verlautbarung zu Themenblock 9, die insbesondere Regelungen zur unternehmenseigenen Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung (ORSA – Own Risk and Solvency Assessment) beinhaltet. Die Anforderungen hinsichtlich des ORSA richten sich vorrangig an die Abteilung Risikomanagement und stellen eine Ergänzung und Erweiterung der Anforderungen der MaRisk VA bzw. des § 64a VAGdar. Auch weitere qualitative Vorgaben unter Säule 2 werden die Abteilung Risikomanagement fordern. Zudem wird sie häufig die Leitung des Projekts Solvency II innehaben.

Das Rechnungswesen wird durch die erhöhten Reportinganforderungen unter Säule 3 involviert sein. Hier müssen neue Berichtsprozesse und -formate umgesetzt werden. Die BaFin widmet der quantitativen und qualitativen Berichterstattung die Themenblöcke 12 und 13, welche Mitte des Jahres veröffentlicht werden sollen.

Die Abteilung Aktuariat bzw. Versicherungstechnik ist hauptsächlich von Säule 1 betroffen. Mit dieser gehen verschiedene mathematische Berechnungen, u.a. der versicherungstechnischen Rückstellungen zu Marktwerten und der Solvenzkapitalanforderung, sowie diverse Berichtspflichten über diese Kennzahlen einher. Zudem wird die Einführung einer versicherungsmathematischen Funktion im Unternehmen gefordert. Auch wenn Säule 1 von der vorzeitigen Umsetzung zunächst ausgenommen ist, werden Zuarbeiten für die Umsetzung der Säulen 2 und 3 benötigt.

Unter dem Stichwort »Fit & Proper« fordert Solvency II die Prüfung und Gewährleistung von fachlicher Qualifikation und persönlicher Zuverlässigkeit der Führungskräfte und Inhaber von Schlüsselaufgaben im Unternehmen. Somit kommen auch neue Aufgaben auf die Personalabteilung zu.

Darüber hinaus sind die Abteilungen Recht/Compliance, Kapitalanlage, Revision und IT von Solvency II betroffen. Denn mit der Richtlinie werden u. a. die Einführung einer Compliance-Funktion im Unternehmen und umfangreiche Revisionstätigkeiten gefordert sowie  Anforderungen an Datenqualität und -verfügbarkeit definiert.

Studie der Versicherungsforen Leipzig zum Umsetzungsstand von Solvency II

Die Versicherungsforen Leipzig führen aktuell eine Studie zum Umsetzungsstand von Solvency II in all den genannten Abteilungen durch. Sie bzw. Ihre interessierten Kollegen sind herzlich eingeladen, sich an dieser Studie zu beteiligen. Sie können bis zum 17. April 2014 unter www.versicherungsforen.net/solvency2-umfrage an der Studie teilnehmen.

 

Als Dankeschön für Ihre Teilnahme stellen wir den Teilnehmern die zusammengefassten Ergebnisse im Anschluss an die Studie gern in einem Summary zur Verfügung. Zudem werden die Ergebnisse beim 3. Messkongress »Finanzen und Risikomanagement« am 27. – 28. Mai 2014 in Leipzig im Rahmen eines Fachforums vorgestellt.

 

Ist die Branche für Solvency II gerüstet? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen bei der Erfüllung der Vielzahl neuer Anforderungen?


 

Franziska Bach
Franziska Bach ist seit 2006 für die Versicherungsforen Leipzig tätig. Im Kompetenzteam „Finanzen und Risikomanagement“ beschäftigt sie sich mit den Themen Risikomanagement und Solvency II. Sie betreut die User Groups „Solvency II“ und „Kapitalanlagemanagement im Versicherungsunternehmen“ sowie den Messekongress „Finanzen und Risikomanagement“. Zudem ist sie Ansprechpartnerin für die Seminare „Solvency II“ der Versicherungsforen Leipzig.