Seit Jahrzehnten gehört die Restkreditversicherung (RKV) zu den klassischen Absicherungsinstrumenten bei der Finanzierung von hochwertigen Konsumanschaffungen und Investiti­onen privater Haushalte in Deutschland. Von 2010 bis 2015 wurden in Deutschland insgesamt 44,8 Millionen Konsumen­tenkredite neu abgeschlossen. Davon wurde rund ein Viertel über eine RKV abgesichert. Doch welche gesamtwirtschaftliche Bedeutung kommt der RKV zu und wie stehen die Kunden zu diesem Absicherungs-produkt? Diesen Fragestellungen widmete sich die Studie »Restkreditversicherung 2017 – Be­funde, Perspektiven, Impulse«.

Zur Studie

Für die groß angelegte, mehrstufige Untersuchung im Auftrag von BNP Paribas Cardif haben die HHL Leipzig Graduate School of Management und die Versicherungsforen Leipzig insgesamt 5,1 Millionen Kredite mit einem Gesamtvolumen von 44,0 Milliarden EUR unter die Lupe genommen, die zwischen 2010 und 2015 abgeschlossen wurden. Zudem haben sie mehr als 1.000 Verbraucher und über 450 Leistungssteller zu ihren Erfahrungen, Wünschen und Erwartungen befragt. Die zentralen Ergebnisse werden im Folgenden zusammengefasst.

Beruhigende Wirkung der RKV

Die Studie zeigte, dass sich die Verbraucher des Risikos durchaus bewusst sind, ihre Kreditrate möglicherweise nicht mehr zahlen zu können. Jeder vierte Umfrageteilnehmer hatte daher seinen Kredit über eine Restkreditversicherung abgesichert. 87 Prozent der RKV-Versicherten gaben an, dass sie die Absicherung über die RKV beruhigt hat. Als zentrale Gründe für einen Abschluss nannten die Befragten den grundsätzlichen Absicherungsbedarf, die Todesfallabsi­cherung, gefolgt vom Schutz bei Arbeitslosigkeit und Arbeits­unfähigkeit. Diese decken sich auch mit den Hauptursachen für Zahlungs­schwierigkeiten. Von den Kunden, die eine Restkreditversicherung in Anspruch nehmen mussten, gaben 84 Prozent an, dass ihre Erwartungen an die Leistungsbearbeitung erfüllt wurden.

Verbesserungspotenziale im Beratungsprozess und in der Produktgestaltung

Bei allen positiven Aspekten, die in der Studie zum Vorschein kamen, gab es jedoch auch Kritik und Verbesserungsvorschlä­ge: So ist über ein Viertel der teilnehmenden Kreditnehmer ohne RKV zu diesem Produkt nicht beraten worden und gaben dies als Grund für eine fehlende Absicherung an. Auch von denjenigen, die eine RKV abgeschlossen haben, fühlten sich über 20 Prozent nicht umfassend beraten. Gefehlt haben aus Sicht der Befragten vor allem Informationen zur Ausge­staltung der RKV, zu Optionsmöglichkeiten hinsichtlich der Absicherungsformen wie Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Tod sowie zu Kündigungsmodalitäten.

Mit Blick auf die Kundenerwartungen, ein weiterer wesent­licher Schwerpunkt der Interviews und der Online-Umfrage, wird deutlich, dass sich viele Verbraucher eine flexiblere Vertragsgestaltung und eine Abkoppelung der Ver­sicherung von den Kreditmodalitäten wünschen.

Es wurde deutlich, dass sich viele Kunden eine Optimierung der bestehenden Angebote und die Entwicklung neuer Absicherungsformen wünschen, um die RKV neu aus­zurichten und den veränderten Kundenanforderungen und dem Absicherungsbedarf gerecht zu werden.


 

Nina Dokter
Nina Dokter ist seit Mai 2017 als Assistenz im Team „Unternehmenskommunikation & Partnerbetreuung“ tätig und unterstützt die redaktionellen Arbeiten der Versicherungsforen Leipzig.