Wie Naturkatastrophen und die Finanzkrise den US-amerikanischen Versicherungsmarkt beeinflussen

Donald Trump scheitert aktuell regelmäßig bei dem Versuch, das Gesundheitssystem seines Vorgängers Barack Obama grundlegend zu verändern. In den Medien begegnet einem das Thema fast wöchentlich. Besser und vor allem günstiger soll das Gesundheitssystem unter Trump werden. Dass eine Reformierung des gesamten Gesundheitssystems jedoch mehr als ein Wahlversprechen ist, muss nun auch Trump schmerzlich erfahren.

Große Veränderungen im Versicherungsmarkt der USA gingen in der Vergangenheit vor allem mit einschneidenden Ereignissen wie der Finanzkrise und großen Naturkatastrophen einher. In welcher Form diese Ereignisse eine Auswirkung auf den Versicherungsmarkt haben, möchte ich in meinen Beitrag erklären.

 

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Auswirkungen der Finanzkrise auf den Versicherungsmarkt

Die Finanzkrise hinterließ deutlich Spuren auf dem US-Versicherungs-Markt. Als einst weltgrößter Versicherer geriet die American International Group (AIG) in Schieflage: Nachdem sich die AIG auf dem Finanzmarkt verspekuliert hatte, benötigte sie Unterstützung vom Staat. Innerhalb eines Jahres sank der Börsenwert der AIG von 190 Mrd. USD auf weniger als 1 Mrd. USD und der Preis für eine Aktie sank auf einen Börsenwert von lediglich 0,37 USD. Selbst Mitte des Jahres 2011 machte die AIG noch einen Verlust von 4 Mrd. USD und 77 Prozent des Unternehmens lagen weiterhin in der Hand des Staates. Mittlerweile hat sich der Versicherer wieder erholen können, doch wie wirkt sich eine solche Krise auf die Versicherungswirtschaft im Allgemeinen aus?

Wie auf den europäischen Märkten auch, erschweren die niedrigen Kapitalmarktzinsen infolge der Finanzkrise das Erwirtschaften auskömmlicher Renditen. Diese sind aber notwendig, um die Garantieversprechen und Verbindlichkeiten gegenüber den Versicherungsnehmern zu erfüllen. Schwankungen am Markt erschweren es den Versicherern zudem, Portfolioentscheidungen zu treffen. Die Volatilität steigt und Kapitalmarktentwicklungen werden zunehmend schwieriger zu prognostizieren.

Hohe Belastungen durch Naturkatastrophen

Auch Naturkatastrophen machen dem US-amerikanischen Markt schwer zu schaffen. 2016 stellte ein weltweit sehr katastrophenreiches Jahr dar. Auf jedem Kontinent kam es zu schweren Erdbeben, in den USA, Europa und Asien zu starken Überschwemmungen und Unwetterereignissen – wie Hurrikan „Matthew“ in den USA.[1] Aufgrund der Größe der USA und den verschiedenen Klimabedingungen kommt es besonders hier häufig zu starken Wetterereignissen und Katastrophen. Das Bevölkerungswachstum und die zunehmende Urbanisierung tragen darüber hinaus dazu bei, dass das Gefährdungspotenzial und die Kosten steigen. Durch das Investieren in neue Infrastrukturen und die Regulierung des Städtebaus in besonders stark gefährdeten Gebieten, sollen die Risiken für die US-Bürger vermindert werden.

Der wirtschaftliche Gesamtschaden nach den verheerenden Katastrophen ist der höchste seit dem Katastrophenjahr 2012. Insgesamt lag die Höhe der versicherten Schäden 2016 in den USA bei 54 Mrd. USD. Auch wenn mehr US-Bürger Versicherungsschutz in Anspruch nehmen als in den Vorjahren, bestehen nach wie vor große Deckungslücken in der Absicherung von Katastrophenschäden. Viele Bürger sind unterversichert, was u.a. an einem mangelnden Risikobewusstsein und am Fehlen leicht verständlicher, möglichst umfassend abdeckender Versicherungsprodukte liegt. Im Jahr 2016 betrugen die Kosten für nicht-versicherte Schäden 121 Mrd. USD.

Auch die mögliche Reform des Gesundheitssystems durch Donald Trump würde erneut neue Entwicklungen in den Versicherungsmarkt bringen. Abzuwarten bleibt jedoch, inwieweit die Reformversuche des Präsidenten durchgesetzt werden können.

 

[1] Quelle: Swiss Re, sigma 2/2017


 

Bloggt zu den Themen: Schadenmanagement

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