Im Rahmen des Kapitalanlagemanagements wird derzeit kaum ein Thema so diskutiert wie die Beteiligung privater Kapitalgeber an Infrastrukturmaßnahmen. So war zum Ende des vergangenen Jahres kurzzeitig die Diskussion öffentlich geworden, ob die geplante nationale Infrastrukturgesellschaft, die »die Planung, den Bau, den Betrieb, die Erhaltung, die Finanzierung und die vermögensmäßige Verwaltung von Bundesautobahnen«, übernehmen wird, (teil-)privatisiert werden solle. Zwar wurde entschieden, diese Gesellschaft im Besitz des Bundes zu lassen, dennoch ist die Beteiligung privater Kapitalgeber immer wieder ein Thema.

 

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Dabei muss relativiert werden, dass es bereits seit vielen Jahren Finanzierungsmodelle für Infrastrukturprojekte gibt, in denen Kooperationsstrukturen zwischen privaten Unternehmen und Öffentlicher Hand (Public Private Partnerships, PPP) festgelegt sind. So wird eine Projektgesellschaft gegründet, die die erforderlichen Maßnahmen zur Umsetzung des Infrastrukturprojekts übernimmt. Diese Projektgesellschaft kann in öffentlicher Hand liegen, aber auch privatwirtschaftliche Investoren wie Versicherungsunternehmen, Pensionskassen oder Asset Manager besitzen sowie Fremdkapital zur Finanzierung des Projektes von privaten Kapitalgebern aufnehmen.

Die Bundesautobahn A7 wird im Rahmen eines solchen PPP-Projekts ausgebaut. Die Projektgesellschaft »Via Solutions Nord GmbH & Co. KG« wird durch die HOCHTIEF PPP Solutions GmbH (49,0%), den niederländischen Pensionsfond Dutch Infrastructure Fund (DIF) (41,0%), sowie das mittelständische Pinneberger Bauunternehmen KEMNA BAU Andreae GmbH & Co. KG (10,0%) gebildet. Die Eigenkapitalfinanzierung der Projektgesellschaft stammt somit von Bauunternehmen und einem Pensionsfonds. Die Fremdkapitalfinanzierung von rund 500 Mio. EUR erfolgte neben einem Bankdarlehen auch über eine Projekt-Anleihe (Project Bond, ISIN: XS1102504443), die die Projektgesellschaft begeben und hierdurch einer breiten, internationalen Investorenbasis verfügbar gemacht hat. Diese Anleihe wurde von einer Bürgschaft der Europäischen Investitionsbank EIB gestützt, Zahlungsausfälle werden also durch die EIB verhindert. Zudem erhielt das Unternehmen vom Bund eine Anschubfinanzierung und ein so genanntes Verfügbarkeitsentgelt. Letzteres könnte gekürzt werden, wenn die Autobahn nicht wie vereinbart verfügbar wird oder Mängel aufweist.

Ziel dieser Maßnahmen ist, dass das Unternehmen effizient mit Ressourcen umgeht und qualitativ hochwertige Arbeit verrichtet, wie sie für Infrastrukturprojekte wie Autobahnen erforderlich ist. Es ist jedoch umstritten, ob die Auslagerung des Betriebs und der Finanzierung an private Unternehmen vorteilhaft ist, da zwar die Qualität und Prozesssicherheit grundsätzlich steigen, dies jedoch auch mit höheren Kosten verbunden sein kann – Stichwort Elbphilharmonie.

Ebenso geteilter Meinung ist man bei der Mitwirkung der Europäischen Investitionsbank an Infrastrukturprojekten. Als europäische Förderbank soll sie solche Projekte in der Umsetzung fördern, die nur schwer finanziert werden können. In der aktuellen Marktlage mangelt es jedoch nicht an Nachfrage, sondern an Projekten.

Wie interessant sind Infrastrukturinvestments für Versicherungsunternehmen?

Versicherungsunternehmen sehen in Infrastrukturprojekten aktuell die Möglichkeit, ihr Portfolio einerseits zu diversifizieren und andererseits noch Renditen zu erwirtschaften, die sie bei anderen Anlagen wie Anleihen seit längerem nicht mehr erhalten. Die lange Laufzeit solcher Finanzierungen wurde bislang von Banken bedient, die im Zuge verstärkter Regulierung jedoch in diesem Markt weniger aktiv werden. Das weitaus größere Hindernis besteht somit auf der Angebotsseite, weshalb 56 Prozent der Investoren die Preise auf globaler Ebene schon als hoch bzw. sehr hoch einschätzen.

Infrastrukturinvestments

Dies verwundert zumindest für den deutschen Raum aufgrund der proklamierten Infrastrukturoffensive, die es in Deutschland geben sollte. Schubkraft erhofft man sich von dem 2016 veröffentlichten Bundesverkehrswegeplan 2030, der Investitionen des Bundes in die deutsche Infrastruktur i.H.v. rund 270 Mrd. EUR vorsieht. Damit hierbei privates Kapital beteiligt und mobilisiert wird, fordern Investoren von politischer Seite mehr Impulse. Dies liegt jedoch nicht nur, wie oft behauptet, an politischem Unwillen, sondern auch an zu geringem Personalbestand für Ingenieure in den Planungsabteilungen der Landesverwaltungen, da in den letzten Jahren parallel zu geringeren Infrastrukturinvestitionen auch die Planer nicht mehr derart benötigt wurden.

Ebenso könnte man von der Ruhe vor dem Sturm sprechen, denn sicher ist, dass Infrastrukturinvestitionen getätigt werden müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu erhalten. Die Investitionsvolumina, die Versicherungsunternehmen selbst bei geringen Portfolioallokationen anlegen wollen, überfordern aktuell jedoch (noch?) die Angebotsseite. Interessant wird zu sehen sein, inwieweit Investoren bei einer Belebung des Zinsniveaus von alternativen Anlagen wiederum Abstand nehmen.


 

Matthias Schober
Matthias Schober ist seit dem September 2016 für die Versicherungsforen Leipzig tätig. Er leitet den Bereich »Kapitalanlagemanagement«. Im Rahmen dessen verantwortet er fachlich die User Groups »Kapitalanlagemanagement« und »Rechnungswesen«. Matthias Schober hat einen Master of Science in Banking & Finance und war zuvor für die Commerzbank und UBS im Treasury und Corporate Finance im Ausland tätig.