Ein traumhafter Segeltörn im südlichen Ägäischen Meer nahm nahe der Santorin-Inselgruppe ein jähes Ende. Aus bisher unerfindlichen Gründen sank die in die Jahre gekommene 14,80 m lange Segelyacht Hallberg Rassy 46 etwa acht Seemeilen südlich von der kleinen Insel Ios; 29 Seemeilen südwestlich von Milos. Die Wetter- und Wellenkonditionen waren wie gemacht für einen sonnigen, entspannten Törn. Doch dann geschah das Unerwartete…

fraud red grungy stamp isolated on white background

Der Schaden wurde mit 280.000 EUR beziffert. Der untersuchende Marine Loss Adjuster schloss auf die Kollision mit einem treibenden Container, belastbare Beweise gab es hierfür jedoch nicht. Wenngleich nicht belegbar, blieben gravierende Zweifel an der Plausibilität des Schadenherganges.
Der Versicherungsnehmer lieferte umfangreiche Belege und Nachweise zur erstklassigen technischen Ausstattung des Bootes sowie der feudalen Inneneinrichtung.

Ein weiterer, ebenso suspekter Fall ereignete sich an Land:

Es ist Nacht. Niemand sieht die schleichende Gestalt im Garten des Versicherungsnehmers Protz (Name erfunden), niemand hört das Knacken der aufgebrochenen Terrassentür. Keine Zeugen. Neben einer Vielzahl an hochwertigen mobilen Geräten wurde auch die Rolex Oyster im Wert von 12.000 EUR entwendet. Die Beamten des kriminaltechnischen Dienstes hegen Zweifel an der Plausibilität der Einbruchspuren, schließen jedoch die Akte aufgrund fehlender belastbarer Tatsachen. Daraufhin reguliert der Schadensachbearbeiter den Schaden.

Kommen Ihnen solche Fälle bekannt vor? Es muss nicht immer die teure Rolex oder die Luxusjacht sein, Versicherungsbetrug wird vor allem auch im „Kleinen“ begangen. In der Aufklärung solcher Betrugsfälle werden die Versicherungen besser, denn dank automatisierter Prozesse und Betrugsmustererkennung hat der Schadenregulierer viel mehr Möglichkeiten, dem Betrüger auf die Spur zu kommen. Auch im Internet verstecken sich nützliche Informationen, die bei der Aufklärung herangezogen werden können, wie auch in diesen Fällen. Die hier beschriebenen Ereignisse konnten durch eine Prüfung in der MOHAWK-Datenbank als Betrugsfall identifiziert werden: Im ersten Fall stellte sich heraus, dass sämtliches auf der Schadenliste aufgeführtes technisches Equipment in einer Zeitspanne von sechs bis acht Monaten vor dem angeblichen Schadenereignis online in verschiedenen Online-Verkaufs-Plattformen zum Verkauf angeboten wurde. Konfrontiert mit diesem Ermittlungsergebnis, räumte der Versicherungsnehmer den versuchten Betrug ein und verzichtete auf jegliche weitere Schadenansprüche.

Der zweite Fall konnte ebenso durch eine Prüfung in der Datenbank aufgeklärt werden: Aufgrund der ersten Betrugsindikatoren legte der Sachbearbeiter einen Suchagenten in der Datenbank mit der genauen Beschreibung der Rolex-Uhr an. Bereits drei Wochen danach meldet der automatisierte Suchagent per E-Mail, dass jetzt aktuell diese Rolex Oyster auf einer Online-Verkaufsplattform zum Verkauf angeboten wird. Wie sich herausstellte, war der Anbieter der Versicherungsnehmer selbst.

Mohawk ist ein webbasierter Software-Service (SaaS) und analysiert große Datenmengen in Kombination mit dem neuesten Stand der Suchmaschinen-Technologie. Dabei werden auch vergangene Internetdaten gespeichert und können im Rahmen einer Abfrage in Echtzeit abgerufen werden. Der Service hat durchaus Potential, als ein wichtiges Werkzeug im Werkzeugkasten eines effizienten Schaden- und Betrugsmanagements zu fungieren. Doch auch hier gilt, dass das Ergebnis nur so gut ist wie die Schaden- und Betrugsexperten selbst. Ganz nach den Ausführungen von Herrn Illguth in einem früheren Blog, ich zitiere: „Erkannt ist noch nicht ermittelt. Und ermittelt ist noch nicht bewiesen. Damit schließt sich die Brücke zu den Hausaufgaben. Die Organisation muss auf den Output von Big Data vorbereitet sein, denn in der Betrugsabwehr schließen sich nach dem Erkennen fraudulenter Fälle manuelle Arbeitsprozesse an. Die Betrugsspezialisten der Versicherer können hier im Kanon ein Lied singen. Apropos musikalisch: Betrugsabwehr ist wie ein Orchester –ein perfektes Zusammenspiel.“

Mohawk_Bild1

Von links nach rechts: Bobby Gracey, SVP; Lars Skaar, CEO; Birgit Hofsli, Business Controller; Roland Wörner, SVP

Wer mehr über den MOHAWK-Service erfahren möchte, der hat auf unserer Fachkonferenz »Effektives Betrugsmanagement in der Assekuranz« am 12./13. September 2017 Gelegenheit dazu. Am ersten Tag der Konferenz wird u. a. Roland Wörner, Senior Vice President bei Mohawk Security as, die Möglichkeiten der Big-Data-Auswertung mit MOHAWK erläutern und steht den Teilnehmern der Konferenz auch für Fragen zur Verfügung.

Zur Veranstaltung: www.versicherungsforen.net/betrug


Roland Wörner
Roland B. Wörner war in Führungstätigkeiten verschiedener Fachdezernate der Kriminalpolizei tätig, zuletzt für das Bundeskriminalamt (BKA) in Lateinamerika.
Ab 1990 arbeitete er als kriminalistisch/ kriminologischer Berater der Gerling Consulting Gruppe und implementierte in der Folge die zentrale Betrugsabwehr des Gerling Konzern.
2007 wechselte Wörner zur Generali Deutschland Schadenmanagement GmbH und gründete dort die Abteilung Betrugsprävention.
In 2009 implementierte er das weltweite Claims Counter Fraud Management bei der Zurich Insurance Company und trug als Global Head of Fraud die internationale Verantwortung.
September 2016 gründete er die WoernerConsult GmbH mit Sitz in Zürich und beteiligte sich an der Firma MOHAWK Security in Oslo/Norwegen.